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Sri Lanka: Trauminsel mit Nöten

Vor drei Jahren war Sri Lanka eines der Länder, die vom Tsunami verwüstet wurden. Seitdem versucht die Urlaubsinsel, Touristen wieder anzulocken. Auch wenn der schwelende Bürgerkrieg dies erschwert.

Von Gesine Unverzagt

Insgesamt 13 Tsunamis erreichten Sri Lanka innerhalb von drei Tagen mit einer unbeschreiblichen Wucht. Die Wellen zerstörten 80 Prozent der Küstenlinie, auch den Süd-Westen, wo die meisten Touristen urlauben. Es war die schlimmste Katastrophe in der Geschichte Sri Lankas.

Heute, drei Jahre später, sind sämtliche Tsumamischäden beseitigt. Viele Hotels an der Küste haben die Zerstörungen zum Anlass genommen, ihre Anlagen komplett zu erneuern, so dass nun viele Häuser in neuem Glanz erstrahlen. Dennoch kommt Sri Lanka nicht zur Ruhe. Der seit 1983 andauernde Bürgerkrieg hat bisher 70.000 Menschenleben gefordert. Das Volk der Tamilen im Nordosten des Inselstaates kämpft für seine Unabhängigkeit - mit Bomben und Selbstmordanschlägen. Bisher wurde von Reisen in diese Region abgeraten, doch seit der Konflikt im November 2007 eskaliert ist, drohen auch im Süden und Westen neue Anschläge.

Doch sowohl Naturkatastrophen als auch der ewig währende Bürgerkrieg halten viele Urlauber nicht davon ab, ihre Ferien auf Sri Lanka zu verbringen. Und auch die Reiseveranstalter nehmen das gebeutelte Land nicht aus ihrem Programm. Was macht diese Insel trotz der Nachteile zu einem attraktiven Urlaubsort?

Kombination von Strand, Kultur und Wellness

"Die meisten Sri Lanka-Urlauber sind Wiederholungstäter", sagt Bernd Hoy, Produktmanager des Veranstalters FTI. "Besucher, die sich in das Land verliebt haben und sich von Katastrophenmeldungen nicht abschrecken lassen. Auch derzeit ist die Buchungstendenz extrem positiv." Strand, Kultur und Wellness lassen sich in dem Tropenparadies ideal kombinieren; ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis macht den Urlaub erschwinglich.

Doch vor allem sind es die freundlichen Menschen, die Besucher immer wiederkehren lassen. Menschen wie der Fremdenführer Sudu: "Wir versuchen hier wieder eine Normalität herzustellen, aber es ist schwierig. Nur langsam erholen wir uns vom Schrecken des Tsunami. Auch die immer wiederkehrenden Anschläge machen Touristen vorsichtig." Sudu ist ein fürsorglicher Begleiter, der den Gästen Sehenswürdigkeiten und Geschichte seines Landes näher bringen möchte.

Eine Hauptattraktion Sri Lankas ist Kandy, das spirituelle Zentrum des Landes. "Bis die Briten 1815 die Kolonialmacht in Kandy übernahmen, lebte hier der König des ehemaligen Ceylon." Im Zentrum der alten Königsstadt liegt das bedeutendste buddhistische Heiligtum Sri Lankas, der Zahntempel. In einem goldenen Schrein wird hier ein Zahn Buddhas aufbewahrt. Drei Mal am Tag öffnen sich die Tore zum Allerheiligsten unter Trommelwirbel für Gläubige und Gäste. Lotusblüten werden als Huldigung vor dem Schrein niedergelegt, der Duft von Räucherstäbchen wabert durch die Räume.

Die Berge sind Teeland

Wer Kandy Richtung Hochland verlassen möchte, kann in einen altersschwachen Zug steigen, der sich schnaufend 1400 Meter hoch in die Berge schleppt. Die Fahrt geht durch eine dicht bewachsene tropische Dschungellandschaft, durch zahlreiche Tunnel, vorbei an tosenden Wasserfällen. Eine gemächliche, aber atemberaubende Reise. Die beste Sicht hat man im letzten Wagon mit dem Panoramafenster. Immer wieder pfeift die Lok, um Menschen zu warnen, die die Gleise als Fußgängerweg benutzen. Nach einiger Zeit öffnet sich der Dschungel und statt Bananenplantagen erstrecken sich sanfte grüne Hügel so weit das Auge reicht. Dies ist das Land des berühmten Ceylontees, des Orange Pekoe.

Nuwara Eliya, die Stadt über den Wolken, war für die Briten beliebter Zufluchtsort während der heißen Jahreszeit. Im Winter kann es hier oben empfindlich kalt werden, mit Regen und sogar Frost. Noch heute erinnern das Grand Hotel, der Hills Club, die Post und der Golfplatz an England. Lebten hier nicht die zahlreichen Tamilen, deren Vorfahren von den Briten als billige Arbeitskräfte und Teepflücker aus Südindien in die Plantagen geholt wurden, man wähnte sich in Good Old Britain.

Etwas außerhalb von Nuwara Eliya befindet sich die Tea Factory, eine ehemalige Teefabrik, die zu einem Fünfsternehotel umgebaut wurde. Doch auch eine funktionierende Teefabrik können hier besichtigt werden. James Taylor hieß der Brite, dem man heute noch dafür dankbar ist, dass er die Teepflanzen von China nach Sri Lanka brachte, die Lebensgrundlage zahlreicher Familien. "Die Menschen hier haben dadurch wenigstens ein Einkommen", sagt Sudu, "den Küstenbewohnern geht es viel schlechter".

Er weiß wovon er spricht, denn seine Familie lebt in der Gegend, die am stärksten vom Tsunami getroffen wurde. Viele seiner Verwandten und Freunde sind gestorben. Die Betreuung der Waisen kostet viel Zeit und Geld. Auch Sudu kümmert sich um 57 Kinder, sorgt dafür, dass sie eine Unterkunft haben und Essen bekommen. Und bittet auch seine Touristen um Spenden. So verarbeitet Sri Lanka auch drei Jahre nach dem Unglück noch die Katastrophe und kehrt dabei langsam zur Normalität zurück.

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