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"Mein Schiff 5": Tänzerin auf einem Kreuzfahrtschiff: "Die Artisten können fliegen"

Hinter den Kulissen eines Kreuzfahrtschiffes: Aus jedem Hafen nimmt die Tänzerin Elena Francesconi neue Energie mit und bringt sie mit Passion auf die Bühne. Und wenn sie in der Heimat anlandet, kommt die ganze Familie zu Besuch an Bord.

Elena Francesconi arbeitet als Tänzerin an Bord der Schiffe von Tui Cruises

Elena Francesconi arbeitet als Tänzerin an Bord der Schiffe von Tui Cruises

Ich komme aus Ravenna, tanze seit meinem fünften Lebensjahr, ich wollte nie etwas anderes tun. Nach der Schule habe ich erst Ballett in Reggio nell’Emilia, dann Jazz, Modern, Schauspiel und Gesang in Mailand studiert. Meine Eltern haben mich immer unterstützt, obwohl sie ganz anders leben, meine Mutter war Bürokraft, mein Vater ist Lastwagenfahrer. Mein kleiner elfjähriger Bruder lernt nun auch Ballett an der Scala in Mailand.

Als ich eine Anzeige für eine Kreuzfahrtschiff-Audition gesehen habe, habe ich mich spontan beworben. Ich dachte eigentlich, es wäre nichts für mich, immer unterwegs zu sein. Aber ich war schon bei der Audition angetan, es war sehr professionell. Ich bin nun seit fünf Jahren auf der Mein-Schiff-Flotte, tanze und trainiere andere Tänzer.

Bei der ersten Reise musste ich mich an einiges gewöhnen. Die vielen Menschen, das Zusammenleben auf engem Raum. Aber sobald ich im Theater stand, war ich begeistert. Es ist mit neuester Technik besser ausgerüstet als Häuser an Land. Die Artisten können fliegen, es gibt bewegliche Podien, der Boden ist toll. Es macht großen Spaß dort zu arbeiten.

Jede Show ist anders

Wir bereiten uns zwei Monate lang am Entertainment-Standort in Berlin vor, morgens haben wir Ballett, nachmittags studieren wir die Shows ein. Wir studieren sechs Shows gleichzeitig ein, müssen sehr schnell arbeiten. Jede Show ist anders, wir tanzen viele verschiedene Stile: modern, funk, klassisch. Vier Wochen, bevor das Schiff in See sticht, kommen wir an Bord und proben mit Licht und Kostüm.

Auf einem neuen Schiff müssen wir vieles erst kennenlernen, manchmal läuft die Technik noch nicht rund, es gibt keine Routine. Das braucht Konzentration und Zeit. Ich tanze fast in jeder Show, wir sind acht Tänzer, sechs Sängerinnen, vier Schauspieler und vier Artisten. Aus Italien, Deutschland, Ungarn, Russland und der Ukraine. Auditions finden auf der ganzen Welt statt, letztes Jahr durfte ich als Assistentin nach New York und Südafrika reisen, das war wunderschön.

Jeden Tag eine Generalprobe

Auf der Werft arbeiten wir im Prinzip einfach weiter, nur der Ort ändert sich. Dazu kommen eine Menge Sicherheitsübungen. Wir haben kaum Zeit rauszugehen, proben den ganzen Tag, abends ist man müde. Wenn wir ablegen, ändert sich alles. Die Reise geht los, ich liebe es, von Hafen zu Hafen zu fahren. Von jeder Stadt nimmt man eine andere Energie mit an Bord.

Für die 31-jährige Italienerin ist die Tranztruppe an Bord wie eine echte Familie.

Für die 31-jährige Italienerin ist die Tranztruppe an Bord wie eine echte Familie.

Wir absolvieren jeden Tag unser Training, eine Generalprobe, die Show und manchmal kleinere Auftritte auf der Bühne am Pooldeck. Es bleibt viel Zeit, von Bord zu gehen, unsere Truppe ist eine echte Familie, das ist nett. Wir verbringen viel Zeit zusammen, da muss man sich mögen.

Ich habe viele Freunde gefunden an Bord. Mein Lieblingsplatz ist das Crewdeck, ich sitze in der Sonne, lese, rieche das Meer. Und die Crewbar, da kann man nach der Show gut entspannen. Es ist trotzdem hart für den Körper, jeden Tag proben, auftreten, vier Monate lang. Man muss aufpassen und viel trainieren, Training ist unsere beste Medizin. Wenn jemand eine Erkältung hat, kann man die Planung verändern. Aber wenn sich jemand richtig verletzt, muss er nach Hause. Mir ist das glücklicherweise noch nie passiert.

Civitavecchia und La Spezia sind Elenas Heimathäfen

Durch die Welt zu reisen und dabei meinen geliebten Beruf ausüben zu können ist großartig. Ich habe Glück, mein Freund arbeitet auch an Bord, er ist Tontechniker. Wenn wir an Land sind, leben wir beide in Berlin. Als ich nach Berlin kam für die ersten Proben, habe ich mich spontan in die Stadt verliebt. Sie ist voller Künstler, sehr international und das Leben ist nicht so teuer. Ich liebe deutsche Weihnachtsmärkte, in Italien gibt es sowas nicht.

Richtigen Urlaub habe ich in den letzten Jahren kaum gemacht. Wenn ich freihabe, gehe ich nach Italien, um meine Familie und meine Freunde zu sehen. Wann immer ich mit dem Schiff in Italien bin, wie dieses Mal in Civitavecchia und La Spezia, kommt meine Familie mich an Bord besuchen. Ich sehe sie nicht oft, aber wir sind eine italienische Familie, wir halten zusammen.

Aufgezeichnet von Martina Wimmer

Weitere Porträts von Berufen auf Kreuzfahrtschiffen finden Sie in dem Buch "Mein Schiff entsteht", erhältlich im Online-Shop von Tui Cruises.

Vom Stahlschnitt bis zur Testfahrt: Wie "Mein Schiff" entsteht
Wie Mein Schiff entsteht

Modularen Schiffbau nennt man das Prinzip, nach dem die „Mein Schiff 5“ entsteht. Die Stahlplatten werden zu Blöcken verschweißt, die später zusammengesetzt werden wie ein großes dreidimensionales Puzzle. In dieser Werkshalle entsteht gerade der Kiel des Schiffes, geschweißt wird an den Ausgängen der Seitenstrahlruder. Quer zur Fahrtrichtung befinden sich dort später Antriebssysteme, die den Wendekreis des Schiffes verkleinern und besseres Manövrieren ermöglichen.

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