Verheerende Anschläge Auswärtiges Amt rät von Mumbai-Reisen ab


Nach den verheerenden Anschlägen von Mumbai stellt sich für Indien als Reiseland unweigerlich die Frage nach der Sicherheit der Touristen. Zwar rät das Auswärtige Amt von Reisen in die Stadt ab, ansonsten scheint die Katastrophe allerdings nicht von der Millionenmetropole auf das Land überzuspringen.

Die Deutsche Lufthansa hat am Donnerstag zwei Flüge nach Mumbai abgesagt. Die geplanten Abflüge in Frankfurt und München seien gestrichen, sagte ein Lufthansa-Sprecher in Frankfurt. Ab Freitag fliegt die Airline die Stadt allerdings wieder an. Am Donnerstag hatte die Lufthansa ihre beiden Flüge in die indische Metropole von Frankfurt und München aus ersatzlos gestrichen.

Passagiere können Mumbai-Tickets bis zum 1. Dezember allerdings kostenlos stornieren oder auf andere indische Ziele umbuchen lassen. Eine am Mittwochabend wegen der Anschläge nach Delhi umgeleitete Maschine werde im Laufe des Donnerstags über Mumbai nach Frankfurt zurückfliegen, hieß es. Sie soll Fluggäste und Crewmitglieder nach Deutschland zurückbringen.

"Wir hatten Gäste, die im 'Taj Mahal Hotel' untergebracht waren", sagte Ulrike Ostertag vom Asien-Spezialisten Tischler Reisen in Garmisch-Partenkirchen. Die Touristen seien in andere Hotels gebracht worden und sollen Bombay so schnell wie möglich verlassen. "Wir stehen laufend in Kontakt mit ihnen".

"Alle unsere Indien-Gäste sind wohlauf", hieß es auf der Studiosus-Webseite. Das Unternehmen in München will Mumbai ab sofort aus dem Programm nehmen. Geplante Indien-Reisen mit Übernachtungen und Besichtigungsprogramm in der Stadt erhielten eine neue Route. In Mumbai selbst hatte Studiosus bisher lediglich zwei Touristen, aber auch sie konnten die Stadt rechtzeitig und unversehrt verlassen. Auch der Reisekonzern Thomas Cook in Oberursel (Hessen) leitete eine Reisegruppe um, für die am Freitag und Samstag ein Mumbai-Programm mit Stadtrundfahrt geplant war, sagte ein Unternehmenssprecher.

Die Stadt selbst sei als touristisches Ziel weniger gefragt, sagte Dertour-Sprecherin Günther. Einen Anspruch darauf, Indien-Reisen nun kostenlos umbuchen oder stornieren zu dürfen, gebe es bei Dertour und Meier’s Weltreisen daher jetzt nicht. Der Reisekonzern Tui hat derzeit 67 Gäste in ganz Indien. Für Mumbai gibt es nach Angaben von Sprecherin Anja Braun kein eigenes Hotelprogramm. Viele Badegäste unternähmen lediglich Ausflüge in die Millionenmetropole. Diese Tagestrips seien jetzt aber gestrichen. Ansonsten kämen Tui-Gäste nur während sechsstündiger Umsteige-Aufenthalte zu einem Abendessen nach Mumbai, sagte Braun in Hannover. Dieser Abstecher sei jetzt bis auf weiteres gestrichen worden.

Alexander Metzler, Geschäftsführer des Spezialreiseveranstalters "Enchanting-Travels" aus München, geht derzeit nicht davon aus, dass sich die Gewaltexzesse von Mumbai über das gesamte Land ausbreiten könnten. "Mumbai wird für die nächsten Tage instabil und unberechenbar bleiben", so seine Einschätzung, allerdings betrachtet er die Stadt als "lokalen Herd". Als Gegenstück zu Mumbai nennt er die Region Kerala, in der er solche Ausschreitungen für nicht vorstellbar hält.

Das Auswärtige Amt hat nach den Terroranschlägen seinen Sicherheitshinweis zu Indien verschärft. Von Reisen nach Bombay wird nun "bis auf weiteres abgeraten". Wer schon in der Metropole sei, sollte sich "in geschlossenen Räumen aufhalten, bis die lokalen Behörden die Lage für ausreichend sicher halten", empfiehlt das Ministerium in Berlin auf seiner Internetseite.

Indien hat sich in den vergangenen Jahren als Trendziel etabliert und lockte 2007 über vier Millionen Touristen mit seiner guten Infrastruktur zu Kultur-, Bade- und Natururlauben. Aus Deutschland kamen allerdings nur gut 140.000 Gäste. Für viele Urlauber ist die jetzt von den Anschlägen erschütterte Stadt Mumbai der Start- oder Endpunkt einer Rundreise, zum Teil mit einem Badeaufenthalt verbunden. Mumbai gilt als der ökonomische Mittelpunkt Indiens. Hier sitzt die wichtigste Börse des Landes, hier liegt der wichtigste Hafen. Beide machen die Metropole zum führenden Handels- und Industrieplatz.

Gegründet wurde Mumbai 1508 von portugiesischen Seefahrern. Besonders der historische Stadtteil Colaba rund um das Wahrzeichen "Gate of India" zieht viele Touristen an. In direkter Nähe zu dem Torbogen befindet sich auch das Hotel "Taj Mahal Palace", das jetzt zum Schauplatz der gewalttätigen Auseinandersetzungen geworden ist.

Der 1903 erbaute Palast gilt als Schmuckstück, das maurische, orientalische und viktorianische Elemente vereint. Das Traditionshaus zählte bis dato als bevorzugte Herberge zahlreicher Prominenter. Die Taj-Hotelgruppe veröffentlichte auf ihrer Webseite eine Stellungnahme, in der sie den Sicherheitsbehörden ihre volle Unterstützung zusichert. Außerdem soll das zerstörte Hotel wieder vollkommen aufgebaut und restauriert werden.

web/dpa DPA

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