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Follow Me: Emirates schickt ersten Airbus A380 aufs Altenteil

Bittere Trennung: Emirates Airlines hat als größter Betreiber des Riesenflugzeuges Airbus A380 alle Schriftzüge und Logos von der ersten Maschine entfernen lassen. Hat das Flugzeug mit Platz für bis zu 615 Passagieren noch eine Zukunft?

Da steht der doppelstöckige Jet vor dem Hangar, nur in neutralem Weiß lackiert: ohne den riesigen Emirates-Schriftzug in goldenen Lettern im Vorderteil des Rumpfes, ohne die markante rot-schwarz-grüne Bemalung des Seitenruders am Heck. Emirates Airlines, der größte Betreiber einer A380-Flotte weltweit, hat sich vom ersten Exemplar ihres Flaggschiffs verabschiedet - wohl für immer.

Den Jet mit der Kennung A6-EDB gehörte zu den ersten A380-Maschinen, die die arabische Fluggesellschaft beim Airbuswerk in Hamburg Finkenwerder im Jahre 2008 abgeholt hatte. Nach nur zwölf Jahren hat das Flugzeug nun ausgedient. Laut "Airlive" flog der Jet mit der Baunummer MSN013 am 23. Februar zuletzt im Liniendienst.

Mohamed Al Mehaira hat die weiße Maschine ohne jegliche Bemalung in den Emiraten fotografiert und seine Aufnahme auf Twitter hochgeladen. In seinem Tweet schreibt der Flugbegleiter, der bei der Konkurrenz Etihad Airways im benachbarten Abu Dhabi arbeitet: "Emirates hat die erste A380 ausrangiert."

Das Foto hat symbolischen Charakter und verdeutlicht die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Luftfahrt. Emirates Airlines ist als Fluggesellschaft, die sich hauptsächlich auf internationalen und interkontinentalen Verkehr konzentriert, besonders hart betroffen. Die 1985 gegründete Airline betreibt mit 150 Flugzeugen vom Typ der Boeing 777 und 116 Airbus A380 die größte Langstreckenflotte der Welt.

Emirates-Chef Tim Clark im Gespräch

Zwar wurde auch in den vergangen drei Monaten ein minimales Netz mit Luftfrachtverbindungen aufrechterhalten, aber alle doppelstöckigen Großraumflugzeuge stehen am Boden. Durch das Foto wissen wir nun, dass einige davon nie wieder für Emirates abheben werden.

Szenen der Begeisterung: Übergabe des ersten von mehr als 100 bestellten Exemplaren des Airbus A380 mit der Kennung A6-EDA an Emirates im Jahre 2008.

Szenen der Begeisterung: Übergabe des ersten von mehr als 100 bestellten Exemplaren des Airbus A380 mit der Kennung A6-EDA an Emirates im Jahre 2008.

Der 12. Juni 2020 geht auch als schwarzer Freitag in die Annalen der Airline ein, weil an jedem Tag die zweite Entlassungswelle verkündet wurde. Nach Medienberichten sind 600 Piloten und 6500 Flugbegleiter von Kündigungen betroffen. Auch in der Verwaltung und Wartung in Dubai fallen Arbeitsplätze weg.

30 Jahre Emirates: Von der Mini-Airline zur Weltmarke
Rollfeld mit zwei Maschinen

Roter Teppich für den Erstflug: Emirates startete am 25. Oktober 1985 mit zwei Boeing 737 und einem von Pakistan International Airlines geleasten Airbus A300.

Nach Angaben von Emirates-Chef Tim Clark in einem Webinar der Fachzeitschrift "Aviation Week" am 2. Juni, werden die verbliebenen A380 aus Wartungs- und Instandhaltungsgründen einmal im Monat geflogen. Die Piloten, damit sie ihre Lizenz nicht verlieren, drehen dann eine Schleife über dem Arabischen Golf.

Da Emirates einen Großteil der Umsätze mit Flügen zwischen Dubai und Zielen in Asien generiert, war die Airline von der Pandemie schon früher als europäische Fluggesellschaften betroffen. Optimistisch bleibt Clark für 2021, wenn schon bald ein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden ist. Andernfalls rechnet der 70-Jährige mit einer langsamen Erholung, die sich über vier Jahre hinziehen könnte.

Von Dubai nach Auckland: An Bord des längsten Linienflugs der Welt

Um die Zukunft des größten Passagierjets sieht düster aus. Mehrere Airlines haben ihre Airbus A380 langfristig eingeparkt, weil sie nach der Coronakrise erst mit kleinen Maschinen den Flugbetrieb wieder aufnehmen.

So hat Lufthansa einen Teil ihrer A380-Flotte auf dem Flughafen Teruel in Spanien abgestellt, wo auch Air France einige Exemplare geparkt hat, die allerdings nie wieder fliegen werden. Andere Airlines wie Singapore Airlines und Qantas haben ihre A380 in der australischen Wüste abgestellt. Wann sie wieder abheben, steht in den Sternen.

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