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"Freedom Of The Seas": Das große Kotzen

Erbrechen und Durchfall sind die Symptome: Auf dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt haben sich 338 Passagiere mit dem Noro-Virus infiziert. Die Magen-Darm-Erkrankung wütet besonders gerne an Bord.

Von Jens Maier

"Please sanitize your hands" (Bitte Hände desinfizieren) steht auf den Plastikflaschen, die vor dem Buffet des Hauptrestaurants auf dem Kreuzfahrtschiff "Freedom Of The Seas" aufgestellt sind. Eine Aufforderung, die Passagiere des größten Ozeandampfers der Welt für gewöhnlich ignorieren. Bis zur letzten Woche. Denn während der Sieben-Tage-Kreuzfahrt ist irgendow zwischen Florida, Mexiko, Kaimaninseln, Jamaica und Haiti das berüchtigte Noro-Virus an Bord ausgebrochen.

338 Passagiere und 46 Crew-Mitglieder wurden von der leicht ansteckenden Magen-Darm-Krankheit infiziert. Nach US-Medienberichten vom Montag verbreitete sich die Krankheit bereits kurz nach dem Auslaufen aus dem Hafen von Miami (US-Bundesstaat Florida). Das Noro-Virus sei vermutlich von einem infizierten Schiffsgast mitgebracht worden. An Bord wurden die betroffenen Passagiere von den Schiffsärzten behandelt und die restlichen Passagiere über den Ausbruch der Krankheit informiert. Die Kreuzfahrt wurde aber fortgesetzt, am Sonntag (Ortszeit) kehrte das Schiff planmäßig in den Hafen von Miami zurück.

Noro-Virus ist hochgradig ansteckend

Das Noro-Virus verursacht Erbrechen und Durchfall. Die Erkrankung selbst ist zwar nicht besonders gefährlich und klingt nach zwei bis drei Tagen wieder ab, aber hoch ansteckend. Besonders gefährdet sind die Bewohner sowie das Personal von Gemeinschaftseinrichtungen aller Art. "Schiffe sind prädestiniert für den Ausbruch des Virus", bestätigt eine Expertin des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Ausgangspunkt sind Stuhlgang oder Erbrochenes, die indirekte Übertragung findet beim Händeschütteln statt, beim Husten an der Bar oder durchs Berühren von Türklinken oder Buffet-Tabletts. Noroviren sind hoch ansteckend, weil sie auf praktisch jeder Oberfläche tagelang überleben können.

Erst im letzten Monat war ein Schiff der Reederei Carnival Cruises von der Epidemie betroffen. Mehr als 700 Menschen auf der "Liberty" waren erkrankt. Das Schiff musste komplett desinfiziert werden und konnte die folgende Kreuzfahrt erst zwei Tage verspätet antreten. Auch in Deutschland ist das Noro-Virus an Bord eines Kreuzfahrtschiffes bereits aufgetreten. Im August 2002 musste die "MS Berlin" ihre Tour durch die Ostsee abbrechen und in den Kieler Hafen zurückkehren, weil 200 Passagiere sich angesteckt hatten. Dem mit spezieller Flagge versehenen Ostsee-Liner wurde ein Außenposition im Hafen zugewiesen und eine Flächendesinfektion auf dem gesamten Schiff durchgeführt. Außerdem wurden alle nicht verpackten frischen Lebensmittel an Bord vorsichtshalber entsorgt. Zwei Passagiere durften wegen noch bestehender Gefahr des Erbrechens nicht den Öffentlichen Nahverkehr benutzen und wurden mit dem Auto nach Hause gebracht.

Ausbruch trotz strikter Hygiene

Das Auftreten des Virus hat nicht unbedingt etwas mit zu wenig Hygiene an Bord zu tun. Gerade in den USA gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die die Verbreitung des Virus verhindern sollen. Das amerikanische "Center for Desease Control" (CDC), eine staatliche Einrichtung ähnlich der deutschen Gesundheitsämter, hat eine spezielle Hygiene-Verordnung für Kreuzfahrtschiffe herausgegeben. Dazu gehört die strikte Einhaltung der Hygienevorschriften für das Personal sowie die Aufstellung von Desinfektionsmittel in den Restaurants, um auch die Passagiere in die Schutzmaßnahmen einzubeziehen. Trotz peinlich genauer Einhaltung der Vorschriften kann es zu einem Ausbruch der Krankheit kommen.

Ob das Virus an Bord mittlerweile unter Kontrolle ist, konnte Royal Caribbean am Montagnachmittag noch nicht bestätigen. Offen bleibt auch, ob das größte Kreuzfahrtschiff der Welt planmäßig die nächste Fahrt antreten kann. Das 338,75 Meter lange Schiff, das aufgestellt selbst das Chrysler-Building in New York überragen würde, soll zum nächsten Trip in die Karibik wieder über 4000 Passagiere an Bord nehmen. Gelingt es nicht, das Virus bis dahin auszumerzen, könnte die Krankheit erneut ausbrechen. Aus Angst vor Novoviren müssen Kreuzfahrer aber nicht auf ihren Urlaub verzichten. Jede Virusgrippe ist schlimmer. Nur wer wirklich nicht krank werden darf oder ausfallen will, sollte an Land bleiben.

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