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BGH stärkt Rechte von Fluggästen: Volle Entschädigung bei Verspätung

Verspätungen bei Flügen sind ärgerlich. Noch ärgerlicher ist es, wenn dadurch auch noch ein Anschlussflug verpasst wird. Wenigstens müssen die Fluglinien ihre Passagiere jetzt ordentlich entschädigen - dafür hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe gesorgt.

Fluggäste können bei Verspätungen auf langen Reisen mit mehreren Teilstrecken mit höheren Entschädigungen rechnen. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschied am Donnerstag, dass bei Verspätungen, durch die ein Reisender seinen Anschlussflug verpasst, Anspruch auf Entschädigung für die gesamte Strecke besteht und nicht nur für einen Teil.

Im konkreten Fall ging es um einen Mann, der mit seiner Ehefrau im Mai 2005 von Berlin über Amsterdam auf eine Karibikinsel fliegen wollte. Wegen Nebels zog die niederländische Fluggesellschaft KLM die Flugscheine für die erste Strecke ein und gab neue für einen Flug am nächsten Tag aus. Das Ehepaar kam dadurch einen Tag später an seinem Zielort an.

Die KLM wollte dem Paar keine Entschädigung zahlen. Ihrer Argumentation nach musste der Flug nach Amsterdam wegen schlechten Wetters, also höherer Gewalt, gestrichen werden. Allenfalls hielt die KLM eine Zahlung von 250 Euro für diese erste Strecke für möglich.

Entschädigung für die gesamte Strecke

Der Anwalt des Fluggastes warf der KLM vor, das Wetter als Grund vorzuschieben, einen unrentablen Flug mit wenigen Passagieren ausfallen zu lassen. "Es ist billiger, die Leute umzubuchen, als sich auf die Suche nach Alternativen zu machen", sagte er. Dieses Problem sei sehr zentral und müsse eigentlich vom Europäischen Gerichtshof untersucht werden. Der BGH sah aber keine Veranlassung, den Rechtsstreit dem EuGH vorzulegen. Die bisherige europäische Rechtsprechung zu diesem Bereich sei ausreichend.

Der BGH stellte aber klar, dass den Reisenden schon wegen der Annullierung des Fluges von Berlin nach Amsterdam eine Entschädigung für die gesamte Strecke - 600 Euro pro Person - zusteht. Für die Höhe der Zahlung sei nicht nur die Entfernung zum Zielort des annullierten Zubringerflugs maßgeblich. "Vielmehr sind im Falle von direkten Anschlussflügen auch die weiteren Zielorte zu berücksichtigen, an denen der Fluggast infolge der Annullierung verspätet ankommt", entschied der BGH. Der Senat sah es nicht als erwiesen an, dass die KLM alles getan hat, um das Flugzeug doch noch starten zu lassen.

Nach der seit 2005 geltenden EU-Fluggastrechteverordnung stehen Fluggästen - je nach Distanz und Dauer der Verspätung – pauschale Zahlungen von 250, 400 oder 600 Euro zu. Nur wenn die Verspätung auf "außergewöhnliche Umstände" zurückgeht, müssen die Fluggesellschaften nicht zahlen.

Catherine Simon, DPA / DPA

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