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737-Max-Abstürze "Eine Fabrik im Chaos" - Whistleblower erhebt schwere Vorwürfe gegen Boeing

Dutzende von fabrikneuen Boeing 737 MAX stehen auf dem Grant County International Airport  in Moses Lake im Bundesstaat Washington.
Dutzende von fabrikneuen Boeing 737 MAX stehen auf dem Grant County International Airport  in Moses Lake im Bundesstaat Washington.
Ein ehemaliger Boeing-Topmanager hat dem Konzern vorgeworfen, Bedenken beim Unglücksflieger 737 Max ignoriert zu haben. Eine rasche Wiederzulassung des Flugzeugs ist nicht Sicht.

Die Lage wird für Boeing nicht besser. Im Gegenteil: Der Flugzeugbauer-Gigant gerät in der Krise um seinen nach zwei verheerenden Abstürzen weltweit mit Startverboten belegten Unglücksjet 737 Max immer weiter unter Druck. Ein Whistleblower erhob bei einer Kongressanhörung in Washington am Mittwoch (Ortszeit) schwere Anschuldigungen gegen den Flugzeugbauer. 

"Ich habe eine Fabrik im Chaos erlebt und Monate vor dem ersten Absturz schwerwiegende Bedenken über die Fertigungsqualität an ranghohe Boeing-Führungskräfte durchgegeben", erklärte der frühere Boeing-Manager Ed Pierson. Vor dem zweiten Unglück habe er erneut Probleme gemeldet, doch keiner seiner Hinweise habe etwas bewirkt. 

Auch die Luftaufsicht steht unter Druck

Boeing steht im Verdacht, die Unglücksflieger überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Der Konzern streitet dies ab, hat aber Fehler bei der 737 Max zugegeben. Als eine wesentliche Absturzursache gelten Software-Fehler bei einer Steuerungsautomatik, die Boeing per Update beheben will.

Bei der Anhörung vor einem Kongressausschuss ging es auch um die Rolle der US-Luftfahrtaufsicht FAA. Sie steht wegen der Zulassung der 737 Max ebenfalls stark in der Kritik. FAA-Chef Steve Dickson verteidigte die Behörde, räumte aber ein, dass das sehr zögerlich verhängte Flugverbot für die 737 Max aus heutiger Sicht zu spät kam. 

Rasche Wiederzulassung der Boeing 737 Max nicht in Sicht

Am Morgen hatte Dickson Boeings Hoffnungen auf eine rasche Wiederzulassung des Unglücksfliegers gedämpft. "Wir werden bei dem Prozess alle nötigen Schritte befolgen, wie lange auch immer es dauern wird", sagte der FAA-Chef im Sender CNBC. In diesem Jahr werde es sicherlich keine Betriebserlaubnis für die 737 Max mehr geben. 

Die Aufsicht werde die Sache sehr sorgfältig prüfen, denn Sicherheit habe bei diesem Flugzeug die absolute Priorität, erklärte der Behördenchef weiter. Damit zerschlägt sich Boeings Hoffnung, seinen am stärksten gefragten Flugzeugtyp und einen seiner wichtigsten Profitbringer noch in diesem Jahr wieder in die Luft zu bekommen. An der Börse sackten die Aktien des Konzerns deutlich ab. Die Ansage Dicksons kommt indes wenig überraschend, die FAA hatte Boeings Optimismus, dass der Krisenflieger schnell wieder abheben darf, bereits Ende November gedämpft. Der Airbus-Rivale hatte bis zuletzt noch Zuversicht verbreitet, rasch eine FAA-Zertifizierung der überarbeiteten Steuerungs-Software MCAS zu bekommen. 

Bei der Anhörung im Kongress drohte der Behördenleiter Boeing zudem mit Konsequenzen. "Ich behalte mir das Recht vor, weitere Maßnahmen zu ergreifen", sagte Dickson. Die FAA kündigte zudem an, dass sie wegen möglicher Produktionsmängel gegen Boeing Ermittlungen betreibe. Bei den beiden Abstürzen waren insgesamt 346 Menschen gestorben.

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rös DPA

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