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Nabu über Dreckschleudern: Mit Schweröl und Ruß: Aida verliert Spitzenplatz im Kreuzfahrt-Ranking

Zum siebten Mal hat der Nabu sein Umwelt-Ranking für Kreuzfahrtschiffe präsentiert: Weiterhin ist kein einziges Schiff uneingeschränkt empfehlenswert. Schweröl bleibt die Regel, Abgasreinigung die Ausnahme. Doch es gibt einen Lichtblick.

Feinstaub-Alarm auf Kreuzfahrtschiffen: Der Nabu kritisiert in seinem Kreuzfahrt-Ranking 2017 die weiterhin schlechte Umweltbilanz der Reedereien.

Feinstaub-Alarm auf Kreuzfahrtschiffen: Der Nabu kritisiert in seinem Kreuzfahrt-Ranking 2017 die weiterhin schlechte Umweltbilanz der Reedereien.

Im neusten Kreuzfahrt-Ranking vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) verliert Aida Cruises mit der im vergangenen Jahr in Dienst gestellten "Aida Prima" den sauberen Spitzenplatz. Weil sich die positiven Angaben der Reederei "zu Abgassystemen aus dem Jahr 2016 als Luftnummer erwiesen" haben. "Besonders schwer wiegt auch der Umstand, dass alle Reedereien weiterhin auf das giftige Schweröl als Kraftstoff setzen und keinen Rußpartikelfilter zur Minderung gesundheitsgefährdender Feinstaubemissionen einsetzen", heißt es im Fazit der Umweltorganisation.

Besser in der Rangliste abgeschnitten haben dagegen die Neubauten von Tui Cruises ("Mein Schiff 3", "Mein Schiff 4", "Mein Schiff 5", "Mein Schiff 6") und die "Europa 2" von Hapag-Lloyd Cruises, die sich beide den ersten Platz teilen. Diese Schiffe haben "Stickoxidkatalysatoren an Bord, obwohl sie gesetzlich nicht vorgeschrieben sind", sagte Dietmar Oeliger, Leiter Verkehrspolitik beim , bei der Vorstellung des Ranking am Dienstag in Hamburg.

Die saubersten Schiffe laut Nabu-Ranking: Die vier Neubauten von Tui Cruises. Im Bild die "Mein Schiff 6" bei der Taufe am 1. Juni 2017 in Hamburg.

Die saubersten Schiffe laut Nabu-Ranking: Die vier Neubauten von Tui Cruises. Im Bild die "Mein Schiff 6" bei der Taufe am 1. Juni 2017 in Hamburg.


Erst auf Rang 6 landen die "Aida Prima" und "Aida Perla", die jüngsten der Aida-Flotte, die in Häfen mit Flüssigerdgas versorgt werden können. Auf demselben Niveau wurde die "Aida Sol" eingestuft, deren Energieversorgung im Hamburger Hafen durch Landstrom erfolgt. Gut abgeschnitten haben auch die "Europa" sowie die Expeditionsschiffe "Hanseatic" und "Bremen" von Hapag-Lloyd Cruises, weil diese bei Fahrten in der Arktis auf schwefelhaltiges Schweröl zugunsten von Diesel verzichten.

Nabu-Kreuzfahrt-Ranking 2017

Das vollständige Nabu-Kreuzfahrt-Ranking 2017

Schlusslichter Costa, MSC und Royal Caribbean

Zu den Schlusslichtern in der Aufstellung gehören die Schiffe italienenischer und US-Reedereien. "Die Umweltbilanz der Kreuzfahrtreeder ist insgesamt weiterhin schlecht", sagt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. "Insbesondere Costa, MSC und Royal Caribbean verweigern sich mit ihrer bestehenden Flotte komplett dem Umwelt- und Klimaschutz." Der Nabu kritisiert, dass 90 Prozent aller neuen Kreuzfahrtschiffe über keinerlei Abgasreinigungssysteme verfügen.

Stichproben des Nabu mit mobilen Messgeräten für ultrafeine Partikel sowie verdeckte Messungen des ZDF-Magazins "Wiso" an Bord von Kreuzfahrtschiffen hatten ergeben, dass die Belastung mit Feinstaub bis zu 500.000 Partikel je Kubikzentimeter Umgebungsluft betragen kann. Zum Vergleich: In reiner Seeluft gibt es nur 300 bis 500 Partikel. An einem Tag mit Feinstaubalarm in Stuttgart wurden an einem verkehrsreichen Straßenzug Spitzenwerte von gut 40.000 Partikeln festgestellt.

Die Abgase steigen aus den Schiffsschonstiegen nicht nur senkrecht nach oben, sondern es finden Verwirbelungen statt, die besonders Passagiere auf den oberen Decks hinter dem Schornstein treffen. Demnach sei die hohe Belastung der Atemluft mit Krebs erregenden Rußpartikeln belegt. "Entsprechend warnen Fachleute, etwa des Deutschen Pneumologenverbandes, vor den gesundheitlichen Folgen beim Aufenthalt in den Abgasfahnen der Schiffe", argumentiert der Nabu.

Feinstaub-Alarm im Hafen

Eine aktuelle Messung des Nabu im Hafen von Reykjavik zeigt, wie die saubere Luft Islands durch das Einlaufen eines verunreinigt wird. Auch bei der Ausfahrt konnten hohe Werte in der Abgaswolke gemessen werden, obwohl sich das Schiff schon nicht mehr in Sichtweite befand.

Die "Aida Luna" besucht am 29. August 2017 Reykjavik: Die Messung des Nabu zeigt, wie die Belastung mit Feinstaub auf über 20.000 Partikel pro Kubikzentimeter im Hafen steigt.

Die "Aida Luna" besucht am 29. August 2017 Reykjavik: Die Messung des Nabu zeigt, wie die Belastung mit Feinstaub auf über 20.000 Partikel pro Kubikzentimeter im Hafen steigt.


Für das jährliche Kreuzfahrt-Ranking des Nabu hätten die Reedereien selbst keine Antworten geschickt, sondern deren Lobby-Verband Cruise Lines International Association (Clia). Die Lobby Clia kritisiert auch die Messmethoden, sie seien nicht wissenschaftlich genug. Zwar hatte der Nabu den Reedereien gemeinsame Messungen vorgeschlagen, doch diese waren darauf nicht eingegangen.

"Nicht nur die Umweltbilanz der Kreuzfahrtunternehmen ist miserabel, sondern auch deren Informationspolitik", sagt Oeliger. Denn insgesamt liegen im Ranking deutschsprachige Reedereien vorne.

Ein Lichtblick dagegen sind die mehr als ein Dutzend weltweit bestellten Kreuzfahrtschiffe mit Liquified Natural Gas (LNG) Betrieb. In diesem Tagen werden auf der Meyer Werft in Papenburg das erste LNG-Schiff, die " Nova" auf Kiel gelegt sowie ein erstes LNG-Schiffe für Costa auf der Dependance in der finnischen Meyer-Werft in Turku.

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