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Landeverbot: "Fliegende Särge" aus 92 Ländern gesperrt

Die Europäische Union sperrt ihre Flughäfen für 92 als gefährlich eingeschätzte Fluglinien. Die "Schwarze Liste" hat Verkehrskommissar Barrot vorgestellt. Experten warnen vor einer trügerischen Sicherheit.

Wegen massiver Sicherheitsmängel hat die Europäische Union gegen 92 Fluggesellschaften ein totales Start- und Landeverbot verhängt. Die Airlines stammen alle aus Staaten in Afrika und Asien und sind in einer Schwarzen Liste aufgeführt, die die EU-Kommission in Brüssel veröffentlicht hat. EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot betonte: "Wir müssen gegen fliegende Särge vorgehen."Es handelt sich um die erste gemeinsame EU-Liste dieser Art überhaupt. Mit ihr werden auch die Rechte von Flugreisenden gestärkt. "Die Liste wird zweifelhafte Fluggesellschaften von Europa fern halten", erklärte Barrot. "Sie wird zudem dafür sorgen, dass in Europa operierende Airlines die höchsten Sicherheitsstandards einhalten." Die Verbote gelten auch in der Schweiz und Norwegen. Reisebüros und -veranstalter sind verpflichtet, den Passagieren mitzuteilen, welche Airline den gebuchten Flug übernimmt. Kommt eine Fluggesellschaft nach der Buchung auf die Schwarze Liste, haben Reisende ein Anrecht auf Entschädigung.

Experten warnen vor trügerischer Sicherheit

Luftfahrtexperten hatten vor der Veröffentlichung der Liste vor einer trügerischen Sicherheit gewarnt. Wenn eine Fluglinie nicht auf der Liste stehe, bedeute dies nicht automatisch, dass sie sicher sei. Gegen Airlines aus der Türkei sei zum Beispiel keine Einschränkung ausgesprochen worden. Die türkische Onur Air war wegen Sicherheitsmängel immer wieder in den Schlagzeilen.

Gegen fünf afrikanische Länder verhängte die EU ein Anflugverbot für alle dortigen Fluglinien. Davon betroffen sind die Demokratische Republik Kongo (mit 51 namentlich aufgeführten Gesellschaften), Liberia, Äquatorialguinea, Sierra Leone und Swasiland. Früheren Angaben des Luftfahrtbundesamtes zufolge geschehen in Afrika 30 bis 40 Prozent der weltweiten Flugunfälle, obwohl dort nur drei Prozent des Weltluftverkehrs abgewickelt werden. Zudem finden sich einzelne Fluglinien aus Nordkorea, den Komoren, Kasachstan, Kirgisistan und aus Ruanda auf der Liste. Beschränkungen gelten für Air Bangladesh, die libysche Fluglinie Buraq und eine kongolesische Gesellschaft. Von der afghanischen Ariana Airlines darf ein bestimmter Airbus 310 weiterhin die EU anfliegen.

Prüfung alle drei Monate

Die Entscheidung, ob eine Airline aufgenommen wird, treffen die Mitgliedstaaten auf Vorschlag der EU-Kommission. Zudem wird die EU-Kommission alle drei Monate prüfen, ob eine betroffene Airline wieder von der Liste genommen werden kann. Frankreich und Belgien hatten als Reaktion auf mehrere Flugzeugabstürze im vergangenen Jahr nationale Listen mit unsicheren Airlines veröffentlicht.

Reuters/DPA / DPA / Reuters

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