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Reisemesse ITB 2012: Tourismuspolitiker sorgt vor Messestart für Eklat

Ägypten ist das offizielle Partnerland der Internationalen Tourismus-Börse 2012. Kurz vor Eröffnung der Reisemesse mischt ein CDU-Bundestagsabgeordneter die Branche auf.

Schwerpunkt der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in diesem Jahr ist Ägypten. Das Land am Nil hofft als offizielles Partnerland der weltgrößten Reisemesse auf mehr Touristen. Denn nach Einbußen im politisch unruhigen Jahr 2011 kommen deutlich weniger Touristen ins Land. Allein die Anzahl von Gästen aus Deutschland ging im vergangenen Jahr um 28 Prozent zurück.

Doch kurz vor dem Start der ITB, die von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) eröffnet wird, sorgt eine kritische Äußerung des CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus Brähmig aus Sachsen für großen Unmut: In seiner Funktion als Vorsitzender des Tourismus-Ausschusses rät Brähmig Urlaubern davon ab, nach Ägypten zu reisen. "Die deutschen Touristen sollten sich fragen, ob ein Urlaub in einem Land sinnvoll ist, in dem Menschenrechte missachtet und Minderheiten drangsaliert werden", sagte der Politiker dem "Hamburger Abendblatt".

Der Deutsche Reiseverband (DRV) wies die Äußerung mit harschen Worten zurück: "Es ist nicht nur schlechter Stil, sondern geradezu unverantwortlich, zum Auftakt der weltgrößten Tourismusmesse ITB Berlin von Reisen nach Ägypten abzuraten", erklärte DRV-Präsident Jürgen Büchy. Gerade jetzt brauche das Land die Unterstützung aus dem Ausland.

In den verbalen Streit schaltete sich auch der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Burgbacher (FDP), ein. Deutschland müsse Ägypten unterstützen und nicht an den Pranger stellen, sagte Burgbacher der "Leipziger Volkszeitung". Der Tourismus sei eine wichtige Einnahmequelle und damit auch ein stabilisierender Faktor für das Land. Boykotts hätten sich in der Vergangenheit vielfach als kontraproduktiv ausgewirkt und nur zu Abschottung und Radikalisierung geführt.

Der aus Kairo nach Berlin angereiste ägyptische Tourismusminister Munir Fachry Abdel Nur möchte auf der ITB ein ganz anderes Signal setzen. Am Dienstag verkündete er bereits in Berlin, dass Ägypten seine Touristenzahlen binnen fünf Jahren verdreifachen will: Für das Jahr 2017 strebe sein Land 30 Millionen Touristen als Besucher an - im vergangenen Jahr war die Besucherzahl um ein Drittel auf 9,8 Millionen eingebrochen.

Lieblingsziel bleibt Spanien

Der Reiseveranstalter Thomas Cook berichtet, dass sich die Gäste sowohl in Ägypten wie auch in Griechenland auffällig zurückhalten. Tunesien, das im vorigen Jahr nach den politischen Unruhen ebenso wie Ägypten einen Einbruch bei den Urlauberzahlen verkraften musste, habe dagegen ein Comeback geschafft. Die Türkei setze ihr Wachstum ungebrochen fort. "Griechenland hat im vergangenen Jahr von der Situation in Nordafrika profitiert. In diesem Jahr schlagen die Ereignisse in Athen auf das Image des Landes durch", erklärte Deutschland-Chef Peter Fankhauser.

Auch dem größten deutschen Reiseveranstalter Tui bereiten die Ferienländer Griechenland und Ägypten zunehmend Sorgen. Besser dagegen sieht es mit Buchungen für die kommende Sommersaison bei Zielen in Osteuropa aus, sagte Tui-Deutschland Chef Volker Böttcher am Dienstag in Berlin. In Kroatien lege die Gästezahl um ein knappes Drittel zu. Bulgarien verzeichne ein Plus von 14 Prozent und Polen, Slowenien und Russland wachsen zweistellig. Das beliebteste Auslandsziel der deutschen Urlauber bleibt weiterhin Spanien mit Mallorca.

Die 46. Auflage der ITB Berlin, die auch als Konjunkturbarometer gilt, ist ab Mittwoch sowie an den beiden folgenden Tagen dem Fachpublikum vorbehalten. Die Messe erwartet 110.000 Fachbesucher aus aller Welt. Am Samstag und Sonntag sind die 26 Ausstellungshallen unter dem Funkturm für alle Besucher geöffnet. Nach Angaben der Messegesellschaft präsentieren 10.644 Aussteller aus 187 Ländern ihre Angebote in Berlin - das sind ungefähr fünf Prozent weniger Messestände als im Jahr zuvor.

tib/DPA/AFP / DPA

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