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Reisetrends 2010: Im nächsten Sommer kommen sie günstiger weg

Bislang galt: Am Urlaub sparen die Deutschen zuletzt. Doch die Reiselust versiegte im Krisensommer. Wer buchte, entschied sich zumeist kurzfristig. Nun reagieren die Veranstalter darauf.

Von Swantje Dake

Urlaub unter Palmen wird im kommenden Jahr erschwinglicher

Urlaub unter Palmen wird im kommenden Jahr erschwinglicher

Während sich in Deutschland das schmuddelige Herbstwetter ausbreitet und die Tage kürzer werden, präsentieren die Reiseveranstalter ihre Kataloge für den nächsten Sommerurlaub. Einstimmig verkünden sie: Der Urlaub 2010 wird billiger.

Zuletzt kündigte der deutsche Marktführer Tui an, die Preise für Reisen im kommenden Jahr zu senken. Fünf bis sechs Prozent soll der Urlaub im Schnitt günstiger werden. Auch bei Neckermann und Thomas Cook wird der Sommerurlaub weniger kosten. Anbieter Alltours reduziert um durchschnittlich 7,5 Prozent. Die Pauschalreise-Sparte von Rewe kündigte Nachlässe im Schnitt von sechs Prozent an.

Je weiter weg desto günstiger

Um wie viel der Urlaub im Vergleich zu diesem Jahr günstiger wird, hängt vom Reiseziel ab. Tui wird bei Fernreisen den Rotstift stärker ansetzen als bei Urlauben mit einer kurzen Anreise. "Angebote mit eigener Anreise bleiben im Preis unverändert", so der Tui-Chef Deutschland Volker Böttcher. Und: Wer sich für ein Reiseziel entscheidet, das die Krise deutlich spürt, wird nicht nur bei der Anreise sparen. Thailand, Bali, Südafrika und die Kanaren gehören dazu. Hier sind die Hoteliers bereit, die leeren Betten auch für geringeres Geld zu vermieten. Neckermann kündigte zudem an, dass Reisen in die Türkei im kommenden Jahr um zehn Prozent billiger werden als in der zurückliegenden Saison. Die Veranstalter verzichten nicht auf Gewinn, sondern geben die günstigeren Preise - oder einen Teil davon - weiter, die sie mit den Fluglinien und Hoteliers ausgehandelt haben.

Das geschieht nicht aus purer Selbstlosigkeit. Die Reiseveranstalter hatten in diesem Jahr vor allem ein Problem: Die Urlauber buchen immer kurzfristiger. Hotels und Flüge werden jedoch gut ein Jahr im Voraus reserviert. Für den Sommer 2009 hatten die Veranstalter schon im Vorfeld weniger gebucht und in Teilen reservierte Kapazitäten zurückgegeben, um Restplätze nicht zum Schleuderpreis verramschen zu müssen. Wer, wie Öger Tours, dann überraschend viele spontane Buchungen einfuhr, kaufte ebenso umgehend weitere Flüge ein. Und für den umgekehrten Fall ist auch gesorgt: Um das Angebot je nach Nachfrage auszuweiten, habe man sich Zugriff auf Plätze gesichert, die zurückgegeben werden können, wenn sie nicht gebraucht werden, so Tui-Chef Böttcher.

Rabatte, Prozente und Kindergeld

Die Zurückhaltung in den vergangenen zwölf Monaten zwingt die Reiseveranstalter umzudenken. Veranstalter werben jetzt neben den Frühbucherrabatten mit Aktionszeiträumen, in denen sie bis zu 30 Prozent Nachlass und Rabatt gewähren. Mal heißt das Angebot Kindergeld, mal Urlaubsgeld. Hinzu kommt die Offerte kostenloser Stornierungen bei Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Gleichzeitig wird von allen Veranstaltern gewarnt, dass Urlauber auf superbillige Last-Minute-Schnäppchen nicht zu hoffen brauchen. "Wir werden uns auch künftig nicht an ruinösen Preiskämpfen beteiligen", unterstreicht Böttcher. Diese Sätze hörte man bereits im Frühjahr. Der Sommer wurde dennoch ein Last-Minute-Spektakel. Anbieter wie Bucher und L'tur profitierten von den wankelmütigen Kunden. "Dieses Jahr ist ein ausgesprochenes Jahr der Kurzfrist-Entscheider und Langfrist-Planer", so Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Die Buchungen für die Wintermonate sind jetzt ebenso mies wie es die Buchungen im Frühjahr für den Sommerurlaub waren.

All-Inclusive und ein bisschen mehr Luxus

Und gleichzeitig bemühen sich die börsennotierten Unternehmen um Beschwichtigungen ihrer Aktionäre. "Die Preisvorteile ergeben sich ausschließlich aus dem günstigeren Einkauf durch die Veranstalter", sagt der Deutschland-Chef von Thomas Cook, Peter Fankhauser. Günstigere Preise und weniger Kunden bedeuten noch lange nicht Verluste für die Reiseveranstalter. Die vergangene Sommersaison sei trotz zehn Prozent weniger Kunden nicht das schlechteste Jahr gewesen, berichtete TUI-Chef Böttcher. "Die Preissenkung wird ohne Einfluss auf die Rendite vor allem durch bessere Konditionen von Hotels und Fluggesellschaften erreicht", sagte Böttcher - und fügt eilig hinzu, dass Tui auch weiter auf Wachstum setze. 11.000 zusätzliche Betten in 13 Hotels, die nur bei Tui Deutschland gebucht werden können, solle es im Sommer 2010 geben und das Luxussegment werde ausgeweitet.

Thomas Cook und Neckermann setzen hingegen auf die Familien: Geringe Festpreise für Kinder, mehr Babybetreuung und Kinderangebote. Auch das Angebot, Sonnenliegen und -schirme bereits bei der Buchung zu reservieren, soll dem Reisekonzern Kunden bringen. Vermehrt bieten alle Reiseveranstalter All-inclusive-Reisen an. Nicht nur für Familien ist es zunehmend attraktiv, schon im Vorfeld zu wissen, wie viel der Urlaub kostet.

So verlässlich wie ihre All-inclusive-Kunden können die Reiseveranstalter derzeit nicht kalkulieren. Bei Thomas Cook waren bis Ende September 15 Prozent weniger Buchungen für die kommende Sommersaison eingegangen, bei TUI waren es sogar 22 Prozent. Auch für die Wintersaison 2009/2010 sieht es mau aus. Allein die Marktforschung lässt die Reiseveranstalter hoffen: Es gebe noch ein Restpotenzial von 9,3 Millionen Reisen auf dem Markt, davon 3,1 Millionen Flugreisen. "Der Fernreise gehört die Zukunft", meint Böttcher. Und die wird ja günstiger.

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