HOME

Streik der Lufthansa-Flugbegleiter: Am Frankfurter Flughafen wird der Platz knapp

Dicke Luft am Frankfurter Airport: Wegen des Arbeitskampfs bei der Lufthansa können kaum noch Flugzeuge landen, die Parkpositionen werden knapp. Der Großteil der 360 Flüge im Streikzeitraum fällt aus.

Hunderte Flüge gestrichen, genervte Passagiere: Der Streik der Lufthansa-Flugbegleiter zeigt Wirkung. Ein Großteil der 360 geplanten Flüge im Streikzeitraum von 5 bis 13 Uhr werde ausfallen, teilte die Lufthansa am Freitag mit. Nutznießer sind die Deutsche Bahn, Air Berlin und Autovermieter wie Sixt. Tausende Passagiere saßen dennoch an Deutschlands größtem Airport in Frankfurt fest. Weitere Streiks drohen schon am Wochenende. Denn die seit gut einem Jahr währenden und überaus zähen Tarifgespräche mit den rund 19.000 Stewardessen und Stewards sind festgefahren - neue Verhandlungen sind nicht in Sicht.

Inzwischen sind die Parkpositionen am Frankfurter Flughafen so knapp, dass der Airport-Betreiber Fraport Anweisungen herausgegeben hat, dass europaweit keine Flüge mehr nach Frankfurt starten sollen. Maschinen, die in der Luft seien, könnten weiter landen, der Interkontinentalverkehr sei nicht betroffen, sagte ein Fraport-Sprecher.

Französische Verhältnisse in Hessen

Gestrandete Passagiere zeigten kein Verständnis für den Streik. "Es trifft die, die überhaupt nichts dafür können", sagte der sichtlich genervte Volker Hanf aus dem Taunus, der nach Norwegen fliegen wollte. "Schließlich zahlen wir mit den Ticketpreisen die Gehälter der Lufthansa-Stewardessen." Vor dem Check-in-Schalter bildete sich eine lange Schlange, die mehrere Hundert Meter bis in andere Abfertigungshallen reichte. Sara Vassallo aus Frankreich strandete mit ihrer Familie in Frankfurt, von Kapstadt kommend, auf dem Weg zurück nach Marseille. "In Frankreich sind wir Streiks gewöhnt - hier nicht", sagte sie. "Wir haben extra Lufthansa gebucht, um nicht in einen Streik, die es bei Air France häufig gibt, zu kommen." Sie sei bereits 25 Stunden unterwegs und die Kinder im Alter von fünf und zwölf Jahren völlig erschöpft. Der Anschlussflug an die Mittelmeerküste sei gestrichen, es sei unklar, wie es nun weitergehe.

Eine Lufthansa-Sprecherin betonte, es seien seit dem frühen Morgen Flüge von und nach Frankfurt betroffen, der Heimatbasis von Deutschlands größter Fluggesellschaft. Auch die für die Lufthansa wirtschaftlich besonders lukrativen Langstrecken-Flüge fielen vereinzelt aus, zum Beispiel nach Seattle und Tel Aviv, vor allem aber Kurz- und Mittelstrecken. Die Lufthansa, bei der immer wieder Streiks an Flughäfen oder ihrer eigenen Mitarbeiter den Plan durcheinanderbringen, ergänzte, es sei noch kein Ausnahmezustand. "Von chaotischen Zuständen kann keine Rede sein", so die Sprecherin. Passagiere sollten sich im Internet informieren. Eine laufend aktualisierte Liste der gestrichenen Flüge veröffentlicht Lufthansa auf ihrer Website unter "Aktuelle Fluginformation".

Weitere Streiks am Wochenende?

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo sprach von einem vollem Erfolg. "Das ist sogar sehr viel mehr, als wir erwartet hatten", sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies mit Blick auf die betroffenen Langstreckenflüge. Die Schuld für den Streik wies er dem Arbeitgeber zu. "Was aber vom Tisch muss, ist das Forderungspaket der Lufthansa, was tatsächlich 20 bis 30 Prozent Lohneinbußen vorsieht", so Baublies. "Wir haben uns nicht ausgesucht, dass es überhaupt so weit kommen musste." Weitere Verhandlungen sind derweil nicht in Sicht: "Bisher gab es überhaupt keinen Kontakt zwischen uns. Seitdem die Gespräche gescheitert sind, herrscht absolute Funkstille."

Die Gewerkschaft gibt sich kampfbereit und will sich notfalls nicht nur auf Streiks von wenigen Stunden beschränken. Falls die Lufthansa nicht einlenke, werde es zu bundesweiten und unbefristeten Arbeitsniederlegungen kommen, hatte sie bereits gedroht. Baublies sagte dem Bayerischen Rundfunk, auch am Wochenende seien weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen. "Das kommt sehr darauf an, wie die Lufthansa jetzt reagiert und wie massiv sie versucht, die Leute zum Streikbrechen aufzurufen und unter Druck zu setzen."

Ufo kämpft für höhere Löhne und gegen die Auslagerung von Stellen. Nach Ansicht des Lufthansa-Managements sind wegen der harten Konkurrenz von Billig-Fliegern wie Ryanair dagegen Einschnitte nötig.

Der Streik dürfte den Verkehr in Frankfurt wegen des dicht gestaffelten Start- und Landeplans länger aus dem Takt bringen, als der Ausstand dauert. Die Lufthansa konnte noch nicht sagen, wann wieder mit Normalbetrieb zu rechnen ist. "Es ist davon auszugehen, dass es über 13 Uhr hinaus Unregelmäßigkeiten geben wird", sagte ein Lufthansa-Sprecher am Freitagvormittag. "Wir versuchen, bis zum Ende des Tages alle Fluggäste an ihr Ziel zu bringen", sagte der Sprecher weiter. Vorsorglich wurde der Flugplan im Streikzeitraum um 25 Prozent reduziert. Die Bahn geht daher von einem erhöhten Reiseaufkommen aus. "Die DB stellt alle zur Verfügung stehenden Züge bereit und setzt bei Bedarf in den betroffenen Bahnhöfen zusätzliche Mitarbeiter ein."

mlr/Reuters/AFP / Reuters

Wissenscommunity