VG-Wort Pixel

Auswärtiges Amt Was die verlängerte weltweite Reisewarnung für Urlauber bedeutet


Wegen der Coronakrise hat die Bundesregierung ihre weltweite Warnung für touristische Reisen bis Mitte Juni verlängert. Was sollten Reisende jetzt beachten?

Weltweit ist die Bewegungsfreiheit aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus schon stark eingeschränkt - nun hat das Auswärtige Amt die wegen der Pandemie ausgesprochene weltweite Reisewarnung für touristische Reisen bis mindestens Mitte Juni verlängert. Den Sommerurlaub will die Bundesregierung aber noch nicht antasten. Die wichtigsten Fragen und Antworten für Pauschal- und Individualurlauber.

Warum hat die Bundesregierung die Reisewarnung verlängert?

Das Auswärtige Amt begründete die Verlängerung in der Kabinettsvorlage damit, dass "weiterhin mit starken und drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr und weltweiten Einreisebeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern zu rechnen" sei. Die Reisewarnung gelte "bis auf Weiteres fort, vorerst bis einschließlich 14. Juni 2020".

Wann weiß ich, ob auch der Sommerurlaub betroffen sein wird?

Die Entscheidung über den Sommerurlaub soll erst später fallen. In der Kabinettsvorlage aus dem Auswärtigen Amt heißt es, es werde vor dem 14. Juni überprüft, "wie dann weiter zu verfahren" sei. "Die Entscheidung über eine Verlängerung der Reisewarnung muss im Zusammenhang gesehen werden mit den EU-Einreisebeschränkungen an den Außengrenzen, Quarantänebestimmungen in Deutschland bei der Rückreise sowie den EU-Binnengrenzkontrollen." Diese Maßnahmen sollten in ihrer Gültigkeitsdauer aufeinander abgestimmt werden. Das Auswärtige Amt sei dazu mit den europäischen Partnern im Gespräch.

Welche Rolle spielt der Begriff "außergewöhnliche Umstände"?

Elementar bei Erstattungs- und Entschädigungsfragen im Reiserecht ist der Grund für eine Absage. Genauer: Liegen im Zusammenhang mit dem Coronavirus sogenannte unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vor? Zwar gibt es hierzu "wegen der Einzigartigkeit der aktuellen Virus-Epidemie" noch keine klare Rechtsprechung, wie der ADAC erklärt. Doch Verbraucherschützer und Juristen sehen insbesondere Einreiseverbote oder eben offizielle Reisewarnungen des Auswärtigen Amts als ausreichende Begründung für solche Umstände - zumindest, wenn sie erst nach der Buchung ausgesprochen wurden.

Darf ich meine Pauschalreise kostenlos stornieren?

Für gebuchte Pauschalreisen bedeutet die Entscheidung des Auswärtigen Amts: Reisende können weiterhin grundsätzlich unter Berufung auf außergewöhnliche Umstände kostenlos stornieren.

Sollte dem Reiseveranstalter die Reisewarnung als Begründung trotzdem nicht ausreichen, gibt es übrigens genügend weitere Argumente. Denn wenn wesentliche Sehenswürdigkeiten oder Routen vor Ort gesperrt sind oder die Urlaubsreise anderweitig beeinträchtigt ist, dürfte auch das in den meisten Fällen vor der Buchung nicht absehbar gewesen sein und Betroffene können kostenlos zurücktreten.

Blick einen weißen Strand hinunter. Rechts stehen Palmen, links stehen Hütten auf Pfählen im blauen Wasser
Menschenleere Strände mögen für Urlauber traumhaft sein, für die Tourismusbranche hingegen überhaupt nicht

Zahlreiche Reiseanbieter zeigten sich im Zuge der Corona-Pandemie aber bereits kulant. Sagt ein Veranstalter die Reise angesichts der Umstände von sich aus ab, bekommen Kunden natürlich ohnehin den vollen Preis erstattet.

Welche Rechte habe ich als Individualreisender?

Individualreisende müssen bei ihren gebuchten Einzelleistungen im Reiseland trotz genereller Reisewarnung genau in die Verträge schauen. Können Hotels oder Transportmittel nicht genutzt werden, weil sie beispielsweise in einem Sperrgebiet liegen, ist eine Erstattung möglich. Allerdings nur nach deutschem Recht, warnen Verbraucherschützer.

Flugradar zeigt dramatische Auswirkungen des Coronaviurs auf den europäischen Flugverkehr

Wurden Leistungen direkt im Reiseland gebucht, hilft im Zweifel nur die Nachfrage beim jeweiligen Vertragspartner. "Falls man nicht reisen will, obwohl eine kostenfreie Stornierung nicht möglich ist, sollte man eine einvernehmliche Kulanz-Lösung suchen", rät der ADAC. Auch Verbraucherschützer setzen auf den direkten Kontakt zum Vertragspartner und sehen für solche einvernehmliche Lösungen gute Chancen.

Auf eine Versicherung zu hoffen, ist indes wenig aussichtsreich: Eine Reiserücktrittsversicherung gilt in der Regel nur bei Unfall oder Erkrankung samt entsprechendem Attest. Bei höherer Gewalt greift sie nicht. Auch "individuelle Ängste oder Sorgen vor Ansteckung sind keine Gründe, bei denen eine Versicherung einspringt", erklärt der ADAC.

Kann ich meinen Flug ohne Zusatzkosten stornieren?

Bei Flugausfällen ist die Rechtslage klar: Betroffene Kunden erhalten nach der EU-Fluggastrechteverordnung in jedem Fall ihr Geld zurück - unabhängig davon, ob die Airline den Ausfall selbst zu verantworten hat oder nicht. Lediglich ein genereller Anspruch auf zusätzliche Entschädigung besteht nicht, wenn sich Fluggesellschaften auf außergewöhnliche Umstände wegen des Virus' berufen. Die meisten Verbraucher dürften aktuell oder in den kommenden Wochen von den zunehmenden Flugstreichungen der Airlines betroffen sein.

Streichen die Gesellschaften Flüge aber nicht von sich aus, wird es für die Fluggäste schwieriger: Verbraucher können ihrerseits bei einzeln gekauften Flugtickets nicht nach europäischem Recht auf außergewöhnliche Umstände verweisen und kostenlos stornieren, wie Reiserechtsexperte Robert Bartel von der Verbraucherzentrale Brandenburg erklärt.

Hier könnten sie grundsätzlich nur "ganz schnell auf die Airline zugehen" und eine Kulanzregelung treffen - oder abwarten, bis der Flug womöglich doch gestrichen wird. Nach Informationen des Verbraucherzentrale Bundesverbands bieten aber zahlreiche Gesellschaften "freiwillige Angebote, umzubuchen oder zu stornieren".

mad/tib/AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker