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Angeblich gekauftes Bayern-Spiel: Früherer Uefa-Chefermittler verurteilt

Es klang nach einem Riesen-Skandal: Der FC Bayern habe für eine Niederlage gegen St. Petersburg Millionen kassiert. Verbreitet wurde die Geschichte von der Disziplinarabteilung der Uefa. Der frühere Chefermittler und sein Mitarbeiter wurden deshalb jetzt verurteilt.

Von Wigbert Löer und Nina Plonka

Peter Limacher, der frühere Chefermittler der Uefa, ist vom Amtsgericht Hamburg wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen verurteilt worden. Er muss 9000 Euro bezahlen. Limachers früherer Mitarbeiter Robin Boksic, ein Kroate aus München, wurde wegen Verleumdung verurteilt. Boksic muss 5400 Euro (180 Tagessätze à 30 Euro) zahlen.

Der Grund des Strafverfahrens war ein Artikel im stern vom 15. September 2010. Darin hatte der stern berichtet, wie die Uefa-Disziplinarabteilung gegen den FC Bayern ermittelte – und was die Ermittler dabei alles behaupteten. Es ging um das angeblich verschobene Halbfinale des Uefa-Cups 2008, Zenit St. Petersburg gegen Bayern München. Der FC Bayern verlor damals überraschend deutlich mit 4:0.

Boksic hatte gegenüber dem stern mehrfach und auch im Beisein seines Chefs Limacher von Hausdurchsuchungen und Millionenüberweisungen berichtet. Eine kleine Staatsanwaltschaft in Bayern sei in der Sache tätig, man habe die Häuser vom damaligen Bayern-Manager Uli Hoeneß und vom Finanzvorstand Karl Hopfner durchsucht. In der Villa eines damaligen Bayern-Spielers Martín Demichelis hätten Polizisten eine Million Dollar in bar und Kokain sichergestellt. Auf ein Konto des FC Bayern bei der Münchner Reuschel-Bank seien 40 Millionen Euro eingegangen – Bestechungsgelder.

Boksic als Hochstapler enttarnt

Beweisen konnte die Uefa diese Behauptungen nicht, der stern allerdings enttarnte Limachers Vertrauten Boksic als Hochstapler aus dem Wettmilieu. Dem Strafverfahren, das mehrere Verhandlungstage dauerte und bei dem auch ein stern-Redakteur und ein stern-Mitarbeiter aussagten, war eine Anzeige des FC Bayern vorausgegangen. Der FC Bayern trat als Nebenkläger auf. "Wir sind zufrieden, dass das Gericht unserer Anzeige gefolgt ist", sagte der Anwalt des FC Bayern, Werner Leitner. "Was sich die beiden Angeklagten hier erlaubt haben, war in hohem Maße ehrabschneidend und musste bestraft werden."

Limacher und Boksic wohnten der Verkündung des Urteils bei. Vorher hatte Limacher in einer einstündigen Einlassung seine Sicht der Dinge geschildert, zu dem entscheidenden Punkt aber, ob sein Mitarbeiter die Aussagen in seinem Beisein so getätigt habe, nichts gesagt. Boksic bestritt, von Hausdurchsuchungen und Millionenüberweisungen gesprochen zu haben. Das Gericht glaubte ihm nicht.

Beide Angeklagten, so die Richterin in ihrer Urteilserklärung, hätten „vorsätzlich“ gehandelt. Limacher, der im November 2009 in Bochum vor die Presse trat und über die Ermittlungserfolge in Europas größtem Wettskandal berichtete, wird sein Arbeitsverhältnis mit der Uefa nach eigener Aussage bald beenden. Freigestellt ist er schon seit längerer Zeit.

Sowohl Peter Limacher und Robin Boksic als auch die Hamburger Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger FC Bayern haben angekündigt, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen.

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Von:

Nina Plonka und