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Champions-League-Qualifikation: Werder zieht nach Thriller in die Königsklasse ein

Schwungvoll, rasant und bisweilen blutig war die Partie bis zur letzten Sekunde. Die Bremer wirkten auf dem Acker von Genua zunächst hilflos, Sampdoria stand bereits fest mit beiden Beinen in der Königsklasse. Doch ein Spiel hat eben mehr als 90 Minuten.

Mit der Zuschauerrolle in der Fußball-Champions-League wollte sich Werder Bremen nicht begnügen. 3:0 stand es nach 90 Minuten auf dem Acker von Genua. Die Fans von Sampdoria Genua bejubelten den ersten Einzug ihrer Mannschaft in die Champions League, die Funktionäre des italienischen Klubs rieben sich die Hände angesichts des Reibachs. Die Situation schien aussichtslos für die Bremer. Doch die Mannen von Trainer Thomas Schaaf mühten sich - und bekamen eine fünfminütige Nachspielzeit als letzte Chance.

In der dritten Minute die Erlösung: Ausgerechnet Markus Rosenberg, der auf Werders Verkaufsliste steht, schießt die Truppe von der Weser zurück ins Spiel. Das 3:1 ermöglichte die Verlängerung. Eine ungeahnte Wendung.

Sampdoria sah wie ein sicherer Sieger aus

Werder startete druckvoll in die Verlängerung. Marko Marin traf in der dritten Minute der Verlängerung die Latte. Keine der beiden Mannschaften konnte mehr auswechseln. In der 100. Minute nutzte Claudio Pizarro die Chance, zog aus 20 Metern ab - das 3:2. Eine gut dotierte Niederlage, die das Ticket für den Eintritt in die Champions League bedeutete. Denn die Teilnahme an der Königsklasse spült dem Bundesligisten locker 15 Millionen Euro in die Kasse.

Dabei hatte es für den Bundesliga-Dritten der Vorsaison lange schlecht ausgesehen. Sampdoria sah bereits wie der sichere Sieger aus. Ein Doppelschlag von Giampaolo Pazzini in der achten und 13. Minute hatte die Bremer schon früh geschockt. Als Antonio Cassano auch noch das 3:0 fünf Minuten vor dem Ende erzielte, schien das Werder-Schicksal besiegelt. "Es ist wohl so, dass die Mannschaft immer was Besonderes macht, dass sie sich selbst in Not bringt und dann selbst wieder rauszieht. Das zeichnet die Mannschaft aus", konnte Thomas Schaaf nach Spielende den Rückstand positiv deuten.

Vor 36.000 Zuschauern knüpfte das Team von Trainer Thomas Schaaf zunächst nahtlos an die erschreckende Leistung aus dem 1:4 zum Bundesliga-Start bei 1899 Hoffenheim an. Desorganisiert in der Defensive, ohne Inspiration in der Offensive - die Hanseaten konnten anders als im Hinspiel zu keinem Moment ihre Champions-League- Tauglichkeit nachweisen. Der Langzeitverletzte Naldo in der Deckung und Hugo Almeida (Oberschenkelzerrung) im Angriff sowie Özil-Nachfolger Aaron Hunt (Grippe) im Mittelfeld waren nicht zu ersetzen.

Gastgeber nie in Gefahr - bis zur 93.

Auch die überraschende Maßnahme von Schaaf, U-21-Europameister Sandro Wagner statt den 6,5 Millionen-Mann Marko Arnautovic in die Sturmspitze zu schicken, zahlte sich nicht aus. Genua machte von Beginn an Dampf. Beim ersten Treffer durch Pazzini sahen Clemens Fritz, Petri Pasanen und auch Torwart Tim Wiese alt aus. Beim zweiten Tor schaute Fritz passiv zu, wie Pazzini den Ball ins Tor drosch. Nach den Gegentreffern agierte Werder zu hektisch, ohne Konzept. Klare Chancen? Fehlanzeige. So gerieten die Gastgeber nie in Gefahr. Im Gegenteil: Fritz musste nach einem Pazzini-Kopfball (40.) auf der Linie klären, vier Minuten später rettete Wiese gegen Cassano.

Auch nach der Pause war vom berüchtigten Werder-Wirbel nichts zu sehen. Bemühen - ja, Effektivität - nein. Schaaf reagierte, brachte Marko Arnautovic für Borowski. Doch auch der Hochbegabte aus Österreich hatte keine zündende Idee. Später musste Schaaf den am Kopf verletzten Wagner gegen Markus Rosenberg auswechseln - was sich als Glücksfall erwies.

swd/SID/DPA / DPA

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