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Formel 1: die Titelkandidaten im Check Vettel und die Hoffnung auf "rauchende Ferraris"


Fernando Alonso, Mark Webber, Sebastian Vettel - oder etwa doch Lewis Hamilton? In der Formel 1 steigt am Sonntag beim Grand Prix von Abu Dhabi das heißeste Saisonfinale aller Zeiten. stern.de beleuchtet vor dem Showdown in der Wüste die Chancen der WM-Kandidaten.
Von Klaus Bellstedt

Die Formel 1 steht vor einem Herzschlagfinale. Noch vier Piloten können Weltmeister werden. Nach seinem Erfolg in Sao Paulo steckt auch Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel mitten drin im ersten finalen Vierkampf in der Geschichte der Königsklasse des Rennsports. So stehen die Chancen für die Titelkandidaten:

Fernando Alonso (Ferrari/246 Punkte)

Alonso ist ein echtes Kampfschwein auf der Piste, der mit zwei WM-Titeln im Gepäck natürlich auch die nötige Souveränität mitbringt. Er weiß genau, was man im Titelkampf tun muss. Bei Ferrari hat der Spanier ein Team im Rücken, das es in der Vergangenheit immer wieder geschafft hat, in der entscheidenden Phase der Saison perfekt zusammen zu arbeiten. Was außerdem für Alonso spricht: Bei der Scuderia herrscht eine klare Hierarchie. "El Nano" hat in Felipe Massa einen perfekten Wasserträger an seiner Seite, der in Abu Dhabi eigene Ansprüche ganz sicher hinten an stellen wird. Alonso selbst übt sich vor dem Showdown in Understatement: "Wir haben gesehen, wie schnell sich die Dinge ändern können. Wenn ich nur in einem Moment eine falsche Entscheidung treffe, kann ich ganz schnell Achter oder Neunter sein und der Titel ist futsch." Typisch Alonso.

Titelchance: 60 Prozent

Mark Webber (Red Bull/238 Punkte)

Der Mann aus Australien hat, so seltsam es für einen WM-Zweitplatzierten klingen mag, im Laufe der Saison einen großen Teil seiner Souveränität eingebüßt. Je näher das Finale rückt, desto verbissener wirkt er. Dazu kommt der Stress mit seinem Teamkollegen: Aus einer gerne zelebrierten sportlichen Rivalität zu Sebastian Vettel ist fast Feindschaft, gewiss aber eine gegenseitige Ignoranz geworden. "Sprechen tun die beiden fast nicht miteinander", sagte die graue Eminenz bei Red Bull, Mateschitz-Statthalter Helmut Marko. Webber hätte den Titel durchaus verdient - auch weil er bis jetzt gegen einen Star wie Vettel so gut ausgesehen hat. Das ist beachtlich. Aber der 34-Jährige ist eben immer auch für einen Fehler gut. Im Gedächtnis geblieben ist zum Beispiel Webbers Crash in Südkorea Ende Oktober, als er ausschied und daraufhin im WM-Klassement weit zurückfiel. Für Webber spricht in Abu Dhabi vor allem das perfekte Auto.

Titelchance: 20 Prozent

Sebastian Vettel (Red Bull/231 Punkte)

In Brasilien bewies Vettel mit dem Sieg vor Webber erneut eindrucksvoll, dass er derzeit der überlegene Fahrer im Feld ist. Zwei der letzten drei Rennen hat der Hesse gewonnen, in Südkorea stoppte ihn bei deutlicher Führung lediglich ein Motorplatzer. Vettels Vorteil ist, dass er unbeschwert fahren kann. Er hat nichts mehr zu verlieren. Ebenso wie Webber fährt er das derzeit schnellste Auto. Da Teamorder in der Formel 1 offiziell verboten ist, dürfte oder müsste Vettel selbst entscheiden, ob er Mark Webber bei entsprechender Konstellation vorbei lässt und dem ungeliebten Teamkollegen im Kampf gegen WM-Spitzenreiter Fernando Alonso den Weg zum Titel ebnet. Er glaube nicht, dass er (Horner) diese Entscheidung treffen müsse, sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Letztlich würde es an Sebastian Vettel liegen, wenn wir in dieser Position wären." Der Drittplatzierte ließ bereits durchblicken, dass er den Teamgedanken über die Rivalität zum Australier stellen würde. "Ich bin zur Schule gegangen, ich kann rechnen", sagte der 23-Jährige. Erst einmal aber darf und will Vettel seine eigene Chance suchen. Die ist auf jeden Fall vorhanden. Und Vettel glaubt auch selbst dran: "15 Punkte Rückstand aufzuholen, ist nicht unmöglich. Ich wünsche Fernando nichts Schlechtes, aber ich wäre nicht traurig, einen rauchenden Ferrari zu sehen."

Titelchance: 15 Prozent

Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes/222 Punkte)

Hamilton muss alles riskieren und beten, dass die anderen Titelaspiranten ausfallen. Sein Auto ist auf den weichen Reifen in dieser Saison immer sehr schnell unterwegs gewesen, deswegen könnte er in der Hitze von Abu Dhabi im Rennen vielleicht doch noch ein Wörtchen mitreden. Der McLaren wird zumindest aber den Red Bull nicht aus eigener Kraft schlagen können. Für den Titel wird es auch deshalb kaum mehr reichen.

Titelchance: 5 Prozent


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