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FORMEL 1: Kein Grund zur Freude

Geschenkter Sieg für Michael Schumacher: Kurz vor dem Ziel muss der »moralische Sieger« Barrichello den vierfachen Formel-1-Weltmeister passieren lassen. Freude kommt bei »Schumi« nicht auf und auch seine Fans sind enttäuscht.

Mit einem geschenkten Sieg auf den allerletzten Metern hat Michael Schumacher seinen weißen Fleck in der Steiermark getilgt. Wie im Vorjahr musste »Wasserträger« Rubens Barrichello den viermaligen Formel-1-Weltmeister am Sonntag beim dramatischen Großen Preis von Österreich passieren lassen. Knapp zwei Zehntelsekunden entschieden nach 307,146 Kilometern beim 54. Doppelerfolg der Scuderia über Sieg und Niederlage.

Eine Teamentscheidung

»Ich kannte diese Erfahrung schon - das ist eine Teamentscheidung«, sagte der moralische Sieger Barrichello, der auf der Pressekonferenz und auf dem Podest symbolisch in der »goldenen Mitte« Platz nehmen durfte. »Ich bin gefragt worden und ich habe geantwortet - ich mach's«, erklärte Barrichello.

Schmutzige Reifen

Die Nordsee-Zeitung schreibt indes: »Der Begriff schmutziger Lorbeer bezeichnet im Boxsport abgesprochene Kämpfe. Der Sieger braucht sich nicht anzustrengen, er weiß, dass er gewinnt. (...) Boxenstrategie beherrscht nun die Formel 1. Rubens Barrichello durfte gestern nicht gewinnen, weil es der Regie nicht gefiel. Er musste Michael Schumacher noch auf der Zielgeraden vorbeiziehen lassen. Kein schöner Zug von Ross Brawn und Jean Todt, die die Strippen bei Ferrari ziehen. Nicht nur, dass sie die Leistung Barrichellos skrupellos abwerteten, sie betrogen auch die Wetter, die auf Barrichello gesetzt hatten. Stallregie hin, Stallregie her. Michael Schumacher hat es gar nicht nötig, auf solche Art zu gewinnen. Größe hätte der Kerpener gezeigt, wenn er das Geschenk nicht angenommen hätte. Kein schönes Spiel in Spielberg. Nun gibt es nicht nur den schmutzigen Lorbeer, sondern auch die schmutzigen Reifen.«

Michael Schumacher konnte sich über seinen fünften Saisonerfolg nicht so recht freuen. »Wenn ich es ändern könnte, würde ich es gerne tun«, versicherte der Ferrari-Star. »Schumi« wirkte alles andere als glücklich, »schenkte« den Siegerpokal seinem brasilianischen Teamkollegen und verzichtete sogar auf die traditionelle Champagner-Spritztour. »Ich habe nicht im geringsten daran gedacht und freue mich nicht darüber«, entschuldigte sich der »falsche Sieger« und schilderte die rennentscheidenden Sekunden: »Ich habe sogar gedacht, die Order nicht zu befolgen und bin auch runter vom Gas - aber Rubens noch mehr.«

Zweiter Doppelerfolg für die Scuderia

Der 33 Jahre alte Rheinländer baute seinen Vorsprung in der WM-Wertung weiter aus; für die Scuderia war es der zweite Doppelerfolg in diesem Jahr. Das Williams-BMW-Duo Juan Pablo Montoya/Ralf Schumacher belegte die Plätze drei und vier; der Italiener Giancarlo Fisichella holte als Fünfter zwei WM- Punkte vor McLaren- Mercedes-Pilot David Coulthard. Der Mönchengladbacher Heinz-Harald Frentzen wurde im Arrows-Cosworth Elfter.

Schwerer Unfall durch Fahrfehler

Überschattet wurde das Rennen durch einen schweren Unfall: Heidfeld rutschte mit dem Heck seines Sauber-Petronas in die Seite des Jordan-Honda von Sato. Nach der Kollision in der 28. Runde flogen beide Boliden bei rund 270 km/h praktisch ungebremst von der Strecke und krachten in den Reifenstapel. Juan Pablo Montoya entging der Kollision im Williams-BMW nur um Millimeter. »Nick hat sich verbremst, es war ein Fahrfehler«, sagte Teamchef Peter Sauber. »Er hat eine Prellung am Bein, wird aber heute Abend nach Zürich zurückkehren.«

Schumacher überholte Barrichello in der 71. und letzten Runde auf der Zielgeraden und wurde mit 1:33:51,562 Stunden gestoppt. In der WM-Wertung baute er seine Führung mit nunmehr 54 Punkten vor dem Kolumbianer Montoya (27), seinem Bruder Ralf (23) und Barrichello (12) aus. Pole-Mann »Rubinho« hatte das gesamte Rennen dominiert - dann musste er Schumacher wie 2001 passieren lassen.

Motorschaden in der 24. Runde

Erstmals kam nach 24 Runden Spannung auf - allerdings durch einen Motorschaden am BAR-Honda des Franzosen Olivier Panis. Sein Auto blieb mitten auf der Piste stehen, das Safety Car spannte sich vor das Feld. Dies nutzten die Führenden taktisch klug aus und scherten sofort in die Boxengasse ein. Die Kehrseite der Medaille: Der Vorsprung des Ferrari-Tandems von gut 35 Sekunden auf Ralf Schumacher schmolz praktisch dahin, und der Weltmeister musste den zweiten Platz zunächst wieder seinem jüngeren Bruder überlassen.

Räikkönens fällt zum fünften Mal hintereinander aus

Zu den Frustrierten gehörte auch der Finne Kimi Räikkönen. Der Jungstar musste seinen McLaren-Mercedes bereits in der 6. Runde mit Motorschaden abstellen. Es war schon der fünfte Ausfall Räikkönens in Serie - sogar der siebte für die Silberpfeile in dieser Saison.

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