Formel 1-Kolumne Silberpfeile triumphieren


Die Hitzeschlacht von Sepang hat eines deutlich gemacht: Mit dem Erfolg von Alonso im McLaren-Mercedes hat die Formel 1 ein echtes Duell an der Spitze bekommen - Ferrari dominiert nicht allein. Die Sensation des Tages war aber der zweite Silberpfeil-Pilot.
Von Elmar Brümmer

Ein hübscher Einfall des neuen Hauptsponsors von McLaren-Mercedes, zum ersten gemeinsamen Formel-1-Sieg eine T-Shirt-Edition auf den Markt des Fahrerlagers zu werfen. Nur die Farbe irritiert ein bisschen: Das leuchtende Orange-Rot kennt man sonst nur von den Warnwesten, die man im Kofferraum mitführen muss. Teamchef Ron Dennis hätte sie zwar morgens bei der Anfahrt zur Rennstrecke von Sepang gut gebrauchen können, als seine S-Klasse ein Plattfuß ereilte - aber ansonsten waren die Pannen beim zweiten Grand Prix des Jahres eher beim großen Rivalen Ferrari zu suchen.

Das Bild von Malaysia ist der exakte Gegenentwurf vom Saisonstart in Australien: So einsam, wie sich Kimi Räikkönen vor drei Wochen an der Spitze gefühlt haben muss, erging es auch Weltmeister Fernando Alonso bei seinem ersten Sieg ganz in Silber. Und wie beim Finnen funktionierte auch beim Spanier über weite Strecken der Boxenfunk nicht. Mit der Alleinstellung kommen echte Champions aber offenbar bestens zurecht. Jedenfalls hat durch den - zu diesem Zeitpunkt eher unerwarteten Konter - von McLaren und den dritten Rang Räikkönens mit einem offenbar von der Power her stark gedrosselten Ferrari die Weltmeisterschaft schon früh im Renn-Jahr genau das bekommen, was sie so dringend braucht: Ein echtes Duell.

Reichlich dazu beigetragen hat der Zweitplatzierte, die eigentliche Sensation des Tages. In seinem zweiten Rennen schaffte es Lewis Hamilton nicht nur, den Silberpfeil direkt hinter dem großen Kollegen Alonso ins Ziel zu bringen, der 22-Jährige leistete vor allem durch seinen frechen Start Schützenhilfe. Wie Alonso zog er an Felipe Massa vorbei - allerdings auf der riskanten Innenseite der Kurve, und auch danach wehrte er den Brasilianer ab. Und nicht nur das: Er jagte Massa in einen Fahrfehler, der ihn auf Rang fünf hinter Nick Heidfeld zurückfallen ließ.

Hamilton fuhr das härteste Rennen seines Lebens

In der Folge wehrte sich Hamilton auch tapfer gegen den heranstürmenden Kimi Räikkönen - und verdiente sich "im härtesten Rennen seines Lebens" bereits das Kompliment eines echten Mannschaftsspielers. Wären Massa und Räikkönen als erste aus der ersten Kurve gekommen, das ahnte auch Sieger Fernando Alonso, wären sie kaum einzuholen gewesen. Darin könnte auf Sicht der große Trumpf von McLaren liegen: Zwei ausgeglichene Fahrer, dazu noch zwei mit Star-Faktor. Felipe Massa hingegen fehlt es weiterhin an Reife, er wird noch ein paar Nachhilfestunden bei Michael Schumacher nehmen müssen.

Punkte, die in diesem frühen Stadium der Saison gemacht werden, wenn sich das Feld noch sortieren muss, erweisen sich gegen Ende einer Weltmeisterschaft als besonders wichtig - das weiß vor allem Alonso aus den letzten Jahren. Das ist auch so ziemlich das einzig Positive, das Kimi Räikkönen aus Malaysia mitnimmt. Er hat den angeschlagenen Motor seines Ferrari ins Ziel gebracht und das Oster-Maximum herausgeholt. Ob die bestechende Tagesform von McLaren-Mercedes schon eine echte Wende in der Kräfteverteilung der Königsklasse war, ist abzuwarten. Im Vorjahr war Ferrari an gleicher Stelle auch schon eingebrochen, aber nur vorübergehend. Aber der Große Preis von Malaysia zeigt in jedem Fall, dass Wendungen im Formel-1-Jahrgang 2007 an der Tagesordnung sein können. Die McLarens können die Warnwesten anbehalten.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker