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FORMEL 1: Schumi II: Keinen Bock auf deutsche Steuern

Ralf Schumacher hat sich mit seinem Umzug nach Salzburg und seiner Kritik am »Steuer-Dschungel« Deutschland den Unmut von Verbänden und Politikern zugezogen.

Steuerflüchtling Ralf Schumacher hat sich mit seinem Wohnsitzwechsel nach Salzburg und seiner scharfen Kritik am »Steuer-Dschungel« Deutschland den Unmut von Verbänden und Politikern zugezogen. Dieter Ondracek, der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, bezeichnete es gegenüber dem Kölner »Express« als »reichlich unverfroren von Herrn Schumacher, den Dschungel als Alibi dafür zu nehmen, in Österreich Steuern sparen zu wollen«. Karl-Heinz Däke, der Präsident des Bundes der Steuerzahler, erklärte: »Da kocht beim normalen und insbesondere beim kleinen Steuerzahler die Wut hoch, weil die nicht die Möglichkeit haben, den Wohnsitz zu verlegen.«

Schumi II will nicht gejagt werden

Der Formel-1-Pilot aus Kerpen hatte bei einer Pressekonferenz zum Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring gesagt: »Deutschland ist einfach der Steuer-Dschungel«. Er habe »keine Lust, das Finanzamt an den Hacken zu haben«, wenn er in Deutschland sei. Er wolle auch nicht so gejagt werden wie Boris Becker oder Steffi Graf. Deshalb habe er »die Chance genutzt, steuerlich ins Ausland zu gehen«.

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Steuerprivilegien

»Schumi II« war Anfang Mai nach vier Jahren im Steuerparadies Monaco nach Hallwang bei Salzburg in eine noble Villa umgezogen. Die österreichischen Finanzbehörden hatten dem 25-jährigen Rheinländer den Wechsel durch große Steuerprivilegien schmackhaft gemacht. Österreichischen Medienberichten zu Folge soll Finanzminister Karl- Heinz Grasser höchstpersönlich mit dem Williams-BMW-Piloten den Steuerdeal ausgehandelt haben.

»Ein Gewinn fürs Land«

Grasser spielt die Sache herunter. »Ralf Schumacher ist sicher kein Liebling des Finanzministers, er wird auch nicht bevorzugt behandelt«, sagte er vor kurzem dem Wiener Magazin »Format«. Der Pilot zahle »nicht unbeträchtliche Abgaben« und habe zudem rund hundert Millionen Schilling (etwa 13,5 Millionen Mark) in seinen neuen Wohnsitz in Hallwang investiert. Damit ist der Grand-Prix-Star laut Grasser »ein absoluter Gewinn fürs Land. Ein kleiner, feiner Wirtschaftsfaktor.«

Wie viel Schumacher im Alpenland tatsächlich in die Staatskasse »löhnen« muss, wird wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Faktisch dürfte es nicht wesentlich mehr sein als in seiner bisherigen Wahlheimat Monaco, die weltweit einen der niedrigsten Steuersätze hat. Denn nach Paragraf 103 des österreichischen Einkommenssteuergesetzes kann der Finanzminister Ausländern nach eigenem Ermessen Steuererleichterungen gewähren, falls deren Umzug nach Österreich im Interesse des Landes liegt. Nach Angaben der Finanzbehörden ist diese Regel bereits »hunderte Male« angewandt worden.

»Es ist verrück«

Schumacher warf den deutschen Finanzbehörden vor, dass hier der eine nicht wisse, was der andere mache. »Seit Jahren sind Gelder von mir eingefroren, weil keiner weiß, was einbehalten werden darf. Es ist verrückt«, nannte er ein Beispiel für seine »Flucht«. Er wolle nicht in Rente gehen und plötzlich vom Finanzamt verfolgt werden, »nur weil die sich 20 Jahre vorher mit ihren eigenen Gesetzen nicht auskannten«.

Seine Kritiker akzeptierten diese Begründung nicht. »Ralf Schumacher soll nicht drum herum reden, er will sich den normalen Steuerpflichten entziehen«, warf ihm der SPD-Bundestagsabgeordnete Julius Beuchel im »Express« vor. Ondracek betonte: »Er will - wie viele Prominente - der deutschen Steuerpflicht entgehen.« Er rief die »Schumi«-Fans indirekt dazu auf, dessen Produkte zu boykottieren. Däke wies auf »negative Auswirkungen auf die Steuermoral der Bürger« hin.

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