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FORMEL 1: Training: Coulthard hängt sie alle ab

Der schottische Trainingsschnellste düpierte die Favoriten: Michael Schumacher wurde nur Dritter. Auf Rang zwei schaffte es immerhin Williams-Pilot Montoya.

Ferrari-Star Michael Schumacher hat in Montreal der silbernen und weiß-blauen Konkurrenz den Vortritt überlassen müssen. Der viermalige Weltmeister aus Kerpen belegte am Freitag im Freien Training zum Großen Preis von Kanada hinter McLaren-Mercedes-Mann David Coulthard und Juan Pablo Montoya im Williams-BMW nur den dritten Platz. Immerhin hatte der souveräne WM-Spitzenreiter im Familien internen Duell die Nase vorne: In 1:15,788 Minuten ließ er Ralf Schumacher auf Rang 5 knapp hinter sich. 'Schumi II' hatte im Vorjahr auf dem Circuit Gilles Villeneuve beim historischen ersten Doppelerfolg eines Bruderpaars in der Geschichte der Formel 1 vor 'Schumi I' triumphiert. Heinz-Harald Frentzen (Mönchengladbach) belegte im Arrows-Cosworth in 1:16,793 Minuten den zehnten Platz. Sauber-Pilot Nick Heidfeld (Mönchengladbach) kam mit 1,843 Sekunden Rückstand auf Rang 14.

Silberpfeile rechnen nicht mit Pole

»Das war ein produktiver erster Tag. Wir waren gut unterwegs«, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nach der überraschenden Bestzeit zufrieden. Außer Monaco-Sieger Coulthard (Großbritannien) überzeugte auch dessen finnischer Teamkollege Kimi Räikkönen als Vierter. »Aber Favorit für die Pole-Position am Samstag sind wir trotzdem nicht«, meinte Haug. Hier haben die weiß-blauen und roten Konkurrenten bessere Karten als die Silberpfeile.

Williams hofft auf Sieg

»Es ist schön, nach Montreal zurückzukommen«, erinnerte Ralf Schumacher mit breitem Grinsen an seinen Vorjahressieg. Dank des etwa 30 PS stärkeren BMW-Motors und der besser haftenden Michelin-Reifen dürften die Weiß-Blauen auf der Powerstrecke trotz der Trainingsniederlage erneut Vorteile gegenüber den roten Rennern haben. »Dem entsprechend groß ist die Hoffnung, wieder zu gewinnen.« Zu denken gibt Ralf Schumacher allerdings, dass Ferrari auf der vermeintlichen Williams-BMW-Strecke Imola, wo er 2001 ebenfalls gesiegt hat, diese Saison einen Doppelerfolg feierte. »Wir haben einige Verbesserungen und sind sicher konkurrenzfähig. Ob es reicht, hängt auch davon ab, was Bridgestone für Reifen bringt.« Der 'rote' Schumacher schätzt seinen Bruder und dessen Teamkollegen Juan Pablo Montoya als schärfste Konkurrenten ein. Angesichts der Fortschritte des Ferrari-Reifenpartners Bridgestone ist der viermalige Kanada-Gewinner allerdings davon überzeugt, »ein Wörtchen um den Sieg mitreden zu können«. Im Vorjahr sei Ferrari hier unter Rennbedingungen nicht konkurrenzfähig gewesen. »Aber wir haben inzwischen viel verbessert.« So wünscht sich Schumacher für den achten Saisonlauf am Sonntag (Start: 19.00 Uhr MESZ/live in RTL und Premiere World) nur, dass »ich statt der Nummer 2 die Nummer 1« werde.

Wieder Titelhoffnung für Schumi

Im Titelrennen ist diese Frage angesichts seines komfortablen Vorsprungs von 33 Punkten gegenüber seinem Bruder und Montoya (je 27) längst entschieden. Theoretisch kann der souveräne Spitzenreiter (60 Punkte) sogar schon vor dem Großen Preis von Deutschland mit dem legendären Argentinier Juan Manuel Fangio gleichziehen und zum fünften Mal Weltmeister werden. Dass Michael wieder triumphiert, ist laut Ralf Schumacher nur noch Formsache. »Wenn alles normal läuft, ist die WM entschieden«, sagt er. Wo das passiert, ist laut 'Schumi I' egal: »Ob ich in Hockenheim die WM gewinne, ist nicht so wichtig. Hauptsache, ich hole den Titel überhaupt.«

Stallorder bleibt Thema

Die Stallregie von Spielberg war auch in Montreal noch ein Thema: Schumacher verteidigte zum x-ten Mal den Ferrari-Befehl an den führenden Rubens Barrichello, beim Großen Preis von Österreich vor vier Wochen den Deutschen in der letzten Runde vorbei und so siegen zu lassen. »Ich fahre für das Teaminteresse, nicht für mich«, sagte Schumacher, räumte aber ein: »Unter den gleichen Bedingungen würden wir nicht nochmals das Gleiche tun.« Zugleich versicherte er: »Österreich wird mich in meiner Karriere nicht verfolgen.«

Elmar Dreher

Wissenscommunity