Manipulations-Verdacht Alonso attackiert - Briatore versöhnlich


Neuer Zündstoff bei Renault: Fernando Alonso hat Schumi hart angegriffen: Zidane habe sich mit mehr Ruhm verabschiedet als Schumacher. Flavio Briatore hatte seiner Wut zuvor bereits Luft gemacht.

Nach der Niederlage in Monza ist Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso im Titelkampf mit Michael Schumacher verbal in die Offensive gegangen und hat den Rekordchampion heftig kritisiert. Zugleich zollte der spanische Renault-Pilot seinem zum Saisonende zurücktretenden Ferrari-Rivalen aber auch höchsten Respekt. "Michael ist der am meisten bestrafte und unsportlichste Fahrer der Formel-1-Geschichte", sagte der 25 Jahre alte Alonso dem Sender "Radio Marca" und zog einen Vergleich zum französischen Fußball-Nationalspielers Zinedine Zidane, der im WM-Finale in Berlin nach einem Kopfstoß die Rote Karte gesehen hatte: "Zidane hat sich mit mehr Ruhm verabschiedet als Schumacher."

Andererseits könne man sehen, "dass er der schnellste Pilot der vergangenen zehn Jahre war. Es ist eine Ehre und ein Vergnügen gewesen, gegen ihn anzutreten", sagte Alonso weiter. Für jeden komme die Zeit zum Abschied: "Man muss seine Entscheidung respektieren. Die Formel 1 wird ausgeglichener sein."

Alonso soll Massa behindert haben

Der 37jährige Schumacher hatte am Sonntag nach seinem Sieg beim Großen Preis von Italien in Monza seinen Abschied zum Saisonende angekündigt. Vor den letzten drei WM-Läufen in China, Japan und Brasilien hat Alonso nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den Kerpener, der sich mit dem achten Titel einen weltmeisterlichen Abgang verschaffen will.

Alonso war in Monza wegen angeblicher Behinderung von Schumachers Teamkollegen Felipe Massa in der Qualifikation von den Rennkommissaren vom fünften auf den zehnten Startplatz zurückgestuft worden. "Die Begründung für die Sanktion liegt jenseits der Wahrheit", meinte Alonso. Im Rennen arbeitete sich der Spanier noch bis auf Platz drei vor, ehe ein Motorschaden ihn stoppte.

Briatores Vergleich sei "ein Witz" gewesen

Sein Teamchef Flavio Briatore schlug indes versöhnliche Töne gegenüber dem Internationalen Automobil-Verband (FIA) an, nachdem er der FIA Manipulation zu Gunsten von Ferrari unterstellt hatte. "Im Vergleich zu dem, was in der Formel 1 passiert, bringt mich der Fußballskandal zum Lachen", hatte er dem italienischen Sender RAI gesagt.

Die FIA kündigte bereits Untersuchungen wegen der Bemerkungen an. Der 56jährige relativierte seine Aussagen. "Wir haben nie geglaubt, dass irgendwas gegen Renault manipuliert wird", ließ Briatore über Renault mitteilen. Der Vergleich mit dem Fußball-Skandal sei "ein Witz" gewesen.

Alonso pausiert wegen Knieverletzung

Auch Alonso findet die Beschlüsse der FIA-Offiziellen verdächtig. "Es hat viele Entscheidungen zu Gunsten einiger gegeben und zu Ungunsten anderer", sagte der WM-Führende. Sogar die italienischen Zeitungen hätten nach Monza geschrieben, dass dies "nicht gut für die Formel 1 war". In dieser Saison wurden allerdings auch Ferrari und Schumacher mehrfach bestraft.

Alonso widersprach seinem Chef Briatore, dass die WM längst für Schumacher entschieden sei. "Das Team und ich, wir sind zu 100 Prozent, sogar zu 110 Prozent sicher, dass wir es schaffen werden", meinte er in einer Renault-Pressemitteilung. "Die Renaults waren in den letzten drei Rennen sehr, sehr schnell, beinahe so schnell wie Ferrari oder sogar noch schneller. Für die letzten drei Rennen, denke ich, sind wir die Favoriten."

In der Vorbereitung auf den WM-Endspurt muss Alonso allerdings eine Pause machen. Wegen einer leichten Knieverletzung wird er an den Renault-Tests in Jerez nicht teilnehmen. Schumacher wird am Mittwoch und Donnerstag in Le Castellet Testfahrten absolvieren.

Claas Hennig, DPA DPA

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