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Michael Schumacher bei Ferrari: Das fünf Millionen Euro-Missverständnis

Ferrari-Berater Michael Schumacher steht offenbar vor dem Rauswurf. Nach dem katastrophalen Abschneiden der "Scuderia" in Australien und Malaysia und sportlich groben Fehlentscheidungen gerät der erfolgreichste Pilot aller Zeiten zunehmend in die Kritik. Die Szene lästert schon über den Rekord-Champion.

Als Rennfahrer war Michael Schumacher der Regenkönig, am Kommandostand ist er nur noch der Bademeister. Der erfolgreichste Formel-1-Fahrer aller Zeiten zerstört mit offenbar krassen Fehlentscheidungen sein eigenes Denkmal. Nach dem Pannenrennen in Malaysia scheinen Schumachers Tage als Ferrari-Barater gezählt. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hat für diese Woche eine Krisensitzung einberufen. Einer der Tagesordnungspunkte dürfte Schumachers Zukunft in Maranello sein.

Ferrari so schlecht wie zuletzt 1992

Der "Frührentner" ist mit einer Gage von angeblich fünf Millionen Euro immer noch einer der bestbezahlten Ferrari-Mitarbeiter. Schumachers Vertrag läuft zum Jahresende aus, eine Verlängerung gilt als unwahrscheinlich. Sogar eine vorzeitige Trennung ist angesichts der Talfahrt und der globalen Finanzkrise derzeit nicht auszuschließen. Die Ferrari-Strategen hatten Schumacher als "Geheimwaffe" extra nach Australien und Malaysia geschickt. Doch der Schuss ging nach hinten los. Nach zwei Rennen sind die Roten neben Force India das einzige Team, das noch keinen Punkt gewonnen hat. So schlecht war Ferrari letztmals 1992 in eine Saison gestartet. Schumacher wird in Italien bereits verspottet (Gazzetta dello Sport: "Hat Schumacher die Strategie bestimmt?"),

Krasse Fehlentscheidungen

Experten und auch ehemalige Fahrerkollegen lassen kein gutes Haar an dem siebenmaligen Weltmeister. "Ich wundere mich, dass man mit so einer Beratung so einen Scheiß machen kann", sagte der frühere Formel-1-Pilot Marc Surer recht drastisch am Premiere-Mikrofon. Der Schweizer meinte die Situation im Qualifying, als Felipe Massa zurück in die Garage beordert wurde, weil man dachte, seine Zeit reiche, um eine Runde weiterzukommen. Stattdessen musste der Brasilianer tatenlos zusehen, wie er bis auf Rang 16 durchgereicht wurde. Sogar Schumi-Freund Niki Lauda polterte bei RTL: "Er hätte die Situation erkennen müssen, das war nur peinlich." Aber es kam noch schlimmer: Kimi Räikkönen, der bei Ferrari 2007 Schumachers Platz übernommen hatte, musste den nächsten Fauxpax ausbaden. Der Finne wurde in Runde 19 in die Box geholt, anstatt mit Slicks wurde er mit Regenreifen auf die zu diesem Zeitpunkt trockene Piste zurückgeschickt. Aber der Monsun von Malaysia kam erst viel später, und deshalb funkte Räikkönen SOS: "Meine Reifen sind total kaputt."

Kein Kommentar von Teamchef Stefano Domenicali

Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali war fassungslos. Wer aber hat die Fehlentscheidung der Roten zu verantworten? "Das möchte ich nicht in der Öffentlichkeit diskutieren", sagte der Italiener nach dem Rennen. Und was für eine Rolle spielte Schumacher? Domenicali: "Ich habe mit dieser Frage gerechnet, aber ich möchte sie nicht beantworten." Er meinte lediglich: "Wir müssen uns aus dieser Situation herausarbeiten, ohne Panik. Es ist an der Zeit, dass jeder seine Verantwortung übernimmt. Ich übernehme meine, und so sollten es alle tun, die mit mir zusammenarbeiten." Schumacher suchte nach Ausreden: "Es war ein Lotteriespiel, das wir leider nicht gewonnen haben", sagte der 40-Jährige. Italienische Journalisten fragen sich nun, wie Schumachers Aufgabenbereich genau definiert ist. Der reagierte darauf genervt: "Ich möchte das nicht beantworten. Eine interne Angelegenheit." Sogar Schumis Hausblatt legt plötzlich den Rückwärtsgang ein. "Vom Regen-König zum Regen-Depp?" titelte die "Bild"-Zeitung. Räikkönen wurde als 14. gewertet, doch während seine Kollegen noch in den Autos saßen und vergeblich auf einen Neustart warteten, war der Finne längst verschwunden und umgezogen. Er lutschte in der Garage lieber ein Eis und grinste vor sich hin. Massa landete auf einem enttäuschenden neunten Rang. Der Brasilianer nahm Schumacher in Schutz. "Mit Michael hatte das nichts zu tun, das war eine Entscheidung des Teams", meinte er zum Qualifying-Debakel. WM-Spitzenreiter Jenson Button konnte sich einen Seitenhieb auf Schumacher nicht verkneifen. "Wir brauchen bei uns keinen Berater wie Michael Schumacher, um schnell zu sein. Wir wissen selbst wie wir Rennen und Titel gewinnen können. Nein, wir brauchen wirklich nicht noch einen Ex-Fahrer, der uns hilft", wird der Brite in der Bild-Zeitung zitiert.

Ralf Loweg/SID / SID

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