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1. Bundesliga: Bundesliga-Vorschau - SC Freiburg

Während alle über Papiss Demba Cisse reden, dreht der Nachfolger auf dem Traingsparcours schon seine Kreise. Neben Neuzugang Garra Dembele steht auch Marcus Sorg im Fokus, der das Kunststück Klassenerhalt wiederholen muss. Wir sagen, ob ihm das gelingen kann.

Während alle über Papiss Demba Cisse reden, dreht der Nachfolger auf dem Traingsparcours schon seine Kreise. Das beschauliche Freiburger Sommertheater dreht sich aber nicht nur um Cisse und Neuzugang Garra Dembele - im Mittelpunkt steht auch Marcus Sorg, der das Kunststück Klassenerhalt wiederholen muss. Wir sagen, ob ihm das gelingen kann.

Gute Sommer-Zeiten

Die beste Nachricht des Sommers für den Sportclub Freiburg ist, dass Papiss Demba Cisse immer noch das Trikot der Breisgauer trägt. 22 Tore gelangen dem Senegalesen in der letzten Spielzeit, er ist die Lebensversicherung der Freiburger. Das weiß auch Sportdirektor Dirk Dufner, der schon im Winter "Mondpreise" (Dieter Hoeneß) und jetzt "Wahnsinnspreise" (Horst Heldt) für Cisse aufrief. Schalke scheint abgeschreckt, ein Wechsel zu Dynamo Kiew scheiterte - vielleicht kommt noch ein Club aus der Premier League, der 15 Millionen Euro für Cisse auf den Tisch legt.

Bis dahin gilt, Cisse bleibt beim Sportclub, auch wenn Dufner rechtzeitig für Ersatz gesorgt hat. Garra Dembele kam für ca. 2,3 Millionen Euro von Levski Sofia. Alles in Allem lief die Sommervorbereitung zufriedenstellend. Freiburg konnte sich in der gewohnten medialen Ruhe, die um den ewigen Underdog herrscht, im Trainingslager in Schruns vorbereiten. Die ersten sechs Vorbereitungsspiele gewann man allesamt, wobei man sich gegen CFR Cluj (2:1) schwer tat. Mit Werder Bremen wartete dann ein Angstgegner auf die Freiburger (vier Heimniederlagen gegen Bremen in der Bundesliga seit 2003, dazu 3:19 Tore).

Torreich wurde es beim Härtetest erneut. Freiburg verlor mit 3:4, obwohl sie lange Zeit das bessere Team waren. "Zwischen der 20. und 75. Minute war es ein sehr guter Auftritt meiner Mannschaft", kommentierte der neue Trainer Marcus Sorg seine Leistung laut badische-zeitung.de. Die Freiburger müssen sich nun, vor allem was die Abstimmung in der Defensive angeht, langsam steigern, haben allerdings einen relativ leichten Aufgalopp in die neue Saison. Im Pokal geht die Reise zur SpVgg Unterhaching, das erste Bundesligaspiel steigt in Augsburg, danach kommt Mainz ins Badenova-Stadion.

Schlechte Sommer-Zeiten

Für Augsburg ist die Bundesliga ebenso Neuland wie für Marcus Sorg, den Nachfolger von Robin Dutt auf dem Freiburger Trainerstuhl. Sorg betreute in den letzten drei Jahren die zweite Mannschaft der Freiburger und soll sich nun schnell aus dem Schatten von Taktikfuchs Robin Dutt freischwimmen. Sorg, der eng mit Dutt zusammengearbeitet hatte, will einiges von seinem Vorgänger übernehmen, aber auch eigene Vorstellungen einbringen. "Wir hatten in den vergangenen Jahren eine herausragende Disziplin in der defensiven Ordnung. Das müssen wir beibehalten. In diesem Bereich gibt es wenig Luft nach oben", lobte Sorg in der Badischen Zeitung die Arbeit seines Vorgängers.

"In anderen Bereichen schon, das zeigt allein der Blick auf die Statistiken. Die Qualität der Zweikämpfe muss verbessert werden. Das war auch ein Schwerpunkt des Trainingslagers in Schruns. Wir müssen körperlich, in puncto Aggressivität zulegen". Marcus Sorg hat also genaue Vorstellungen, in welchen Bereichen er den Hebel ansetzen muss. Eine weitere Problemzone ist die Offensive. Die Abhängigkeit von Cisse untermalt die Statistik deutlich. Jan Rosenthal war zweitbester Torschütze mit fünf Treffern.

Sorg will also dahin kommen, "die Torquote aus der zweiten Reihe, aus dem Mittelfeld zu erhöhen." Stellt sich nur die Frage, ob die Freiburger dazu das Spielermaterial haben. Der 45-Jährige wird letztlich an seinen Worten gemessen werden, wenn seine offensiven Mittelfeldakteure Anton Putsila, Maximilian Nicu, Cédric Makiadi und Jan Rosenthal in der nächsten Saison nicht öfter treffen als die fünf Mal, die Rosenthal einschoss.

Wer darf sich nicht verletzen?

Wer sich nicht verletzen darf? Hier könnte man reflexartig Papiss Cisse antworten, doch durch die Verpflichtung von Garra Dembele scheint die Gefahr der absoluten Sturmflaute bei einem Ausfall von Cisse zumindest abgemildert. Nicht verletzen dürfen sich eigentlich auch die zwei Spieler, die gerade verletzt sind. Felix Bastians (Leistenoperation) und Heiko Butscher (Achillessehnenreizung) fehlen zu Beginn der Saison, womit Rechtsverteidiger Daniel Williams auf die linke Abwehrseite wechseln muss. Neben den beiden Stammspielern in der Abwehr fehlt derzeit auch Jan Rosenthal (Knie-Arthroskopie).

Die Frage an den Fachmann

Wir haben René Kübler (Badische Zeitung) zwei Fragen zur neuen Saison gestellt. Zunächst wollten wir vom Freiburg-Experten wissen, ob Neueinkauf Garra Dembele Papiss Cisse im Falle eines Last-Minute-Transfers adäquat ersetzen kann? Oder macht die "Lebensversicherung Cisse" den Unterschied zwischen Ligaerhalt und Abstieg aus? René Kübler: "Zweifellos hat Garra Dembélé außergewöhnliche Fähigkeiten. Er ist enorm schnell, dynamisch, zweikampf- und kopfballstark, hat zudem eine beeindruckende Geradlinigkeit im Torabschluss. So gesehen ist er für den SC Freiburg eine qualitativ hochwertige Verstärkung. Was nichts daran ändert, dass die Chancen auf den Ligaerhalt mit Papiss Demba Cissé größer wären als ohne ihn. Ein Sturm-Duo Cissé/Dembélé müsste sich selbst im Vergleich mit der hochkarätigen Bundesliga-Konkurrenz sicher nicht verstecken. Cissés Ballfertigkeit und sein Instinkt sowie Dembélés drangvolles Spiel könnten sich ideal ergänzen."

Das zweite interessante Thema des Freiburger Sommers ist sicherlich der Trainer. Marcus Sorg ist ein unbeschriebenes Blatt. Die Frage ist also, ob das Risiko, einen so unbekannten, auf diesem Level unerfahrenen Trainer ausgewählt zu haben, nicht zu groß ist? René Kübler: "Das Risiko, Marcus Sorg zum Trainer zu machen, ist sicher vorhanden, aber gering. Für einen Klub wie den SC Freiburg mit seiner speziellen Philosophie ist es durchaus sinnvoll, jemanden zu installieren, der sich mit den Gegebenheiten auskennt. Sorg hat in der Vergangenheit auch schon eng mit Robin Dutt zusammen gearbeitet, hat eine ähnliche Auffassung von Fußball. Und schließlich war Dutt selbst, als er einst nach Freiburg kam, im Profifußball ebenfalls ein unbeschriebenes Blatt."

Prognose

Der Abgang von Ömer Toprak (Leverkusen) konnte durch Neuzugang Beg Ferati (FC Basel) abgefedert werden. Dennoch zeigte die Freiburger Defensive in der Vorbereitung noch Abstimmungsschwierigkeiten. Dazu gibt es weitere Baustellen. Ein echter Linksverteidiger ist derzeit nicht einsatzfähig. Dazu kommt die Frage, ob Papiss Demba Cisse noch einmal eine solche Torquote erzielen kann wie im letzten Jahr.

Freiburg überzeugte in der letzten Saison durch eine gute Organisation im Duttschen 4-1-4-1-System. Der neue Trainer Marcus Sorg muss nun eine ähnliche taktische Meisterleistung vollbringen wie sein Vorgänger. Insgesamt fehlt es dem Freiburger Kader, trotz einiger Ausnahmen (Cisse, Baumann, Dembele) an Qualität. Deshalb wird der Sportclub aus dem Breisgau bis zum letzten Spieltag im Abstiegskampf dabei sein und nach dem Erreichen des 16. Platzes seine Bundesligatauglichkeit in einem Relegationsspiel unter Beweis stellen müssen.

Michel Massing

sportal.de / sportal

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