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1. Bundesliga Drei Fragen an den 31. Spieltag - Abstiegskampfedition


Viermal werden wir noch wach, heißa, dann ist Heidenheimtach. Zehn Bundesligisten können theoretisch noch absteigen. Drei davon sind zum Objekt unserer gewohnt investigativen Fragen an den Spieltag geworden. Diesmal dabei: Kaiserslautern vs. Natur, die Angst des Hamburgers vor Hannover und warum Köln auf Sardinien liegt.

Fünf Fragen ans Topspiel der Bundesliga gab es am Dienstag bei uns. Das ist nicht nur auf Gegenliebe bei den Lesern gestoßen. Ob die Bekundungen, man wolle lieber über Mainz gegen Köln lesen, wirklich ernst gemeint waren, oder ob sie gar Anlass für einen ärztlichen Hausbesuch sein sollten, wollen wir an dieser Stelle nicht erörtern. Schließlich ist Ihr Wunsch uns Befehl. Der Kunde ist König. Der Gast hat immer Recht. Und was wissen wir schon?

Daher sind wir vor dem 31. Spieltag dahingegangen, wo die Zahnbürste nicht hinkommt. Wo der Hase aufgebahrt wird, nachdem er versucht hat, dem Fuchs Gute Nacht zu sagen. In den Abstiegskampf. Schalke gegen Dortmund? Pah. Darüber können Sie auf schattenparker.de lesen. In unseren drei Fragen geht es schonungsloserdings nur um die Spiele, in denen das Abstiegsgespenst vor Ort ist. "Drei Fragen?" hören wir Sie klagen, "muss ich etwa vor der Mittagspause noch arbeiten?". Keine Angst, versichern wir da, kurz fassen können wir uns ohnehin nicht, und: Drei Absteiger, drei Fragen, so bleibt das kosmische Gleichgewicht intakt.

1) Hat Hamburg einen Überwertigkeitskomplex?

Die Leier mit den Hamburger Spielern, die den Abstiegskampf nicht annehmen würden, wird in unserer Redaktion ungefähr so gerne gehört wie eine Lesung der "Satanischen Verse" in einer pakistanischen Koranschule. Darum soll es hier also nicht gehen. Sicher - der HSV spielt momentan immer mal wieder wie ein Absteiger. Unbestreitbar. Das tun allerdings drei andere Teams auch. Und die haben momentan weniger Punkte. Also warten wir in dieser Hinsicht mal ab. Und kommen zum Spiel der beiden HSVs.

Hamburger glauben bekanntlich, in der "schönsten Stadt der Welt" zu leben. Hanseatisches Understatement ist eine Sache. Aber die Vorstellung, in einem attraktiveren Gemeinwesen zu residieren als der Rest Deutschlands, kann man wenigen Hamburgern austreiben.Vergleicht man nun Hamburg mit Hannover, so finden sich zudem nicht viele Connoisseure, die die architektonischen und kulturellen Vorzüge der niedersächsischen Hauptstadt ausgerechnet gegen Hamburg aufrechnen wollen.

Damit soll gewiss nicht unterstellt werden, Hannoveraner kämen ohne dicke Hose an die Elbe oder würden davor zurückschrecken, ihre hanseatischen Nachbarn beim Aussteigen aus dem Metronom mit einem freundlichen "Hurra! Hurra! Die Roten, die sind da!" einzustimmen. Aber metakulturell gesehen wäre ein gewisser Respekt beim Besuch der größeren Stadt zumindest nicht völlig abwegig.

Was das nun alles mit Fußball zu tun hat? Erstaunlich wenig, wo Sie schon fragen. Denn die Bilanz des HSV gegen Hannover 96 im 21. Jahrhundert ist nicht weniger als desolat. So, als zitterten den Hamburgern vor dem Besuch der coolen Kids aus der "Leinemetropole" immer schon die Knie wie Levante-Profis vor dem Gastspiel des FC Barcelona. Zwei Siege aus den letzten 18 Spielen, so sieht die verheerende Bilanz der Rothosen gegen die Roten Trikots aus. Nur ein Heimsieg seit 2002 gelang den Hamburgern gegen Hannover.

Sollte diese Schwarze Serie auch am Wochenende anhalten, dann spricht man vielleicht demnächst vom "kleinen HSV", wenn Hamburg in Sandhausen gastiert.

2) Ist es für einen FCK-Profi gegen Nürnberg wahrscheinlicher, ein Tor zu erzielen oder von einem Blitz getroffen zu werden?

Um diese Frage zu beantworten, muss ein gewisser Rechercheaufwand in die Wege geleitet werden. Beginnen wir mit der Wahrscheinlichkeit, ein Tor zu erzielen. Sehen wir uns zunächst die FCK-Spieler an, die bereits mehr als ein Saisontor im Briefkopf stehen haben, denn das geht schnell. Dorge Kouemaha (zwei Saisontore): gegen den Club immer noch verletzt. Itay Shechter (Rekordschütze mit drei Treffern): Kann wohl auch nicht spielen. Christian Tiffert (zwei Tore): Nach jetzigem Stand wohl nach seinem Muskelfaserriss noch nicht wieder fit. Florian Dick (zwei Tore): gelbgesperrt.

Bleiben also nur noch Spieler übrig, die höchstens ein Saisontor erzielt haben. Sollte deshalb Raphael Schäfer einen Blitzableiter statt seiner Handschuhe mit zwischen die Pfosten nehmen, um die Prozente richtig zu spielen? Die Chancen, dass ein beliebiger bereits erfolgreicher Lauterer noch einmal trifft, liegen gegen den FCN vereinfacht gerechnet bei 3,3 Prozent. Also die Wahrscheinlichkeit für jeden Spieler einzeln. Die Gesamtwahrscheinlichkeit, dass einer der Unglücksraben knipst, ist natürlich höher.

Wie wahrscheinlich ist es aber, vom Blitz getroffen zu werden? Der National Weather Service der USA hat auf Basis aller bekannten Fälle, in denen Amerikaner zwischen 2001 und 2010 Blitzopfer wurden, errechnet, dass die Chance, in einer Lebensspanne von 80 Jahren getroffen zu werden, bei rund 0,01 Prozent liegt.

Wenden wir diesen Wert auf unsere Frage an, so reduziert sich schon die Wahrscheinichkeit, im Jahr 2012 vom Blitz getroffen zu werden, für einen potenziell 80 Jahre alt werdenden Menschen auf 0,00013 Prozent. Soll der Blitzeinschlag dann auch noch genau am 14. April erfolgen, dann sind wir bei Chancen, das Schaltjahr berücksichtigt, von 0,00000035 Prozent. Da erscheint es auf einmal richtig plausibel, Pierre de Wit am Samstag jubelnd abdrehen zu sehen.

3) Wie viel Serie A steckt im FC Köln?

Wenn Historiker einmal die Annalen der Saison 2011/2012 studieren werden, dann gibt es seit dieser Woche eine Chance, dass sie nicht zum Schluss kommen werden, Hertha BSC sei der am schlechtesten geführte Club der Bundesliga. Michael Preetz kann sich bei den Verantwortlichen des 1. FC Köln bedanken (und das heißt wohl bei Geschäftsführer Claus Horstmann, dem einzigen verbliebenen Entscheider, wie es aussieht).

Nicht einmal zwei Wochen, nachdem Kölner Boulevardmedien genau das schon vermeldet hatten, hat der Club nun doch noch Trainer Stale Solbakken durch Frank Schaefer ersetzt. Vor zwei Wochen hätte diese Maßnahme deutlich mehr Sinn gemacht, um dem vermeintlichen Retter die beiden relativ machbaren Spiele gegen Bremen und in Mainz zu geben, um dringend benötigte Punkte zu holen.

So aber muss Schaefer in Mönchengladbach starten - mit dem Derby, das Köln in den letzten fast 20 Jahren nur ein einziges Mal am Niederrhein gewinnen konnte, bei einer Mannschaft, die im eigenen Stadion nur eine Niederlage in den letzten 12 Monaten hinnehmen musste. Es folgen Heimspiele gegen Stuttgart und Bayern, dazwischen noch ein Auswärtsauftritt in Freiburg.

Fast genau vor einem Jahr, nach dem 31. Spieltag 2010/11, war Schaefer in Köln zurückgetreten. Nachfolger Volker Finke holte dann noch drei Siege und hielt den FC in der Liga. Mitte März wurde ja nun auch Finke gefeuert - um Trainer Solbakken den Rücken zu stärken. Der holte nach Finkes Rauswurf aus fünf Spielen noch einen Punkt.

Nun also wieder Schaefer - fast wie bei den drei Serie A-Clubs, die aktuell einen Trainer beschäftigen, den sie in DIESER Saison schon einmal entlassen hatten. Hoffnung erwächst eigentlich nur aus dem Umstand, dass Bayern bei seinem Gastspiel in Köln am letzten Spieltag nun vielleicht um nichts mehr spielen wird, sondern sich schon aufs Pokafinale, und eventuell sogar das Champions League-Finale vorbereitet. Auch Freiburg könnte theoretisch am 33. Spieltag schon gerettet sein, was ein schweres Restprogramm auf einmal zumindest etwas machbarer aussehen lässt.

Daniel Raecke

sportal.de sportal

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