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1. Bundesliga: HSV unterliegt auch in Wolfsburg

Lange Zeit sah es für den Hamburger SV beim VfL Wolfsburg nicht schlecht aus. Nach einer torlosen ersten Hälfte wurde die Wolfsburger Führung im Gegenzug beantwortet. Dass es am Ende doch eine 1:2 Niederlage setzte, lag an einer altbekannten Schwäche.

Trotz einer ansehnlichen Leistung verlor der HSV beim VfL Wolfsburg mit 1:2 (0:0). In der ersten Hälfte verbuchte einzig die Truppe von Felix Magath Chancen. Nach der Pause gingen die Wölfe auch durch einen Kopfball von Mario Mandzukic in Führung.

Doch schon im Gegenzug glich Marcus Berg aus. Der HSV verteidigte über weite Strecken sein Tor bei gegnerischen Standards souverän. Doch dann patzte Jaroslav Drobny, als Marcel Schäfer einen Freistoß von der rechten Seite direkt aufs kurze Eck zog und den letzten Dinosaurier der Bundesliga ein Stück weiter Richtung 2. Liga schoss.

HSV trifft auf die eigene Club-Geschichte

An der Elbe lagen bei vielen Fans in der vergangenen Woche die Nerven blank. Ein Hamburger Radiosender hatte gar die Stadionhymne umgetextet und diese an die 2. Liga angepasst. Nach nur einem Punkt aus fünf Partien hofften die Anhänger daher auf einen Befreiungsschlag in Wolfsburg. Ausgerechnet dort trafen die Hanseaten auf den Mann, der wie kaum ein anderer für den größten Triumph der Vereinsgeschichte steht, den Sieg im Europapokal der Landesmeister 1983.

Wolfsburg Trainer Felix Magath schoss damals gegen Juventus den einzigen Treffer in der Partie. Unter der Woche fand er beruhigende Worte für seinen ehemaligen Club. Dieser könne nicht absteigen, da die Mannschaft zu gut sei, sendete er warme Worte gen Norden. Sein Team hatte vor dem Spieltag zwei Siege in Folge gefeiert und sich somit wieder kleine Chancen aufs europäische Parkett eröffnet.

Fink tauscht auf fünf Positionen

Magath nahm deshalb auch nur einen Wechsel vor. Der zuletzt gesperrte Ashkan Dejagah verdrängte Kapitän Christian Träsch auf die Bank. Ganz anders agierte Thorsten Fink auf der anderen Seite. Gleich fünf Neue brachte er mit Heiko Westermann, Dennis Aogo, Marcell Jansen, Tomas Rincon und Marcus Berg von Beginn an.

Die Wolfsburger verteidigten erneut sehr hoch stehend und ließen dem Gast dadurch kaum Räume. Nach Balleroberungen wurde schnell umgeschaltet, doch auch die Hamburger Deckung stand gut und ließ in der ersten Viertelstunde bis auf eine scharfe Hereingabe von Marcel Schäfer wenig zu. Diese verpasste Patrick Helmes nach energischem Antritt am Fünfer nur um einen halben Schritt.

Wenige Chancen im ersten Durchgang

Einen ersten Ansatz zeigten die Gäste nach gut 20 Minuten bei einer Jansen-Flanke, die am zweiten Pfosten bei Berg landete. Doch für diesen war einerseits der Winkel ungünstig, außerdem war die Wolfsburger Deckung zur Stelle. Die Partie wurde ruppiger. Rincon und Mladen Petric fanden sich nach Fouls auf dem Rasen wieder. Schiedsrichter Felix Brych ließ aber vorerst noch die Karten in der Brusttasche stecken.

In der 28. Minute starteten die Wolfsburger den ersten guten Angriff. Mario Mandzukic zog im Halbfeld das Tempo an, setzte Schäfer in der linken Strafraumhälfte ein. Dieser suchte erneut Helmes im Zentrum, doch der Stürmer verpasste erneut um wenige Zentimeter. Fünf Minuten später kam Helmes dann sechs Meter vor dem Tor nach einer Kopfballverlängerung von Mandzukic zum Abschluss. Doch nun bekam er nicht genug Druck hinter den Ball.

Fünf Minuten vor dem Pausenpfiff hielt Mandzukic noch einmal aus 25 Metern drauf. Der Ball flog aber weit über das Tor. Nach einer eigentlich schlechten Hasebe-Flanke, die viel zu hoch angesetzt war, setzte sich Mandzukic hinter dem zweiten Pfosten im Luftduell durch. Über Umwege kam der Ball zu Felipe, der aber eine Direktabnahme nichts aufs Tor brachte. Da der HSV sich im ersten Durchgang keine einzige Chance erspielen konnte, holten sich die Fans ihre Pausenwurst ab, ohne vorher einen Treffer gesehen zu haben.

Berg beantwortet Mandzukics Führung im Gegenzug

Der zweite Durchgang begann furios. Mancher Fan hatte seinen Platz noch nicht eingenommen, da stand es schon 1:1. Erst setzte sich Dejagah in der 46. Minute gegen Aogo in der eigenen Hälfte durch, marschierte auf dem rechten Flügel und bediente Mandzukic mit einer perfekten Flanke auf den zweiten Pfosten. Der Stürmer hielt seine Birne hin und traf aus fünf Metern gegen den chancenlosen Jaroslav Drobny.

Während sich Fink noch beim vierten Offiziellen beschwerte, weil er ein Foul vom Flankengeber an Aogo gesehen haben wollte, antwortete sein Team in der 47. Minute sportlich. Westermann schickte Berg steil und der so lange verletzte teuerste HSV-Einkauf der Geschichte überwand mit einem eleganten Heber den etwas voreilig aus dem Tor geeilten Diego Benaglio und erzielte seinen ersten Saisontreffer.

Es war die einzige Chance bis dato für die Hanseaten. Und auch in der Folge war es erneut der VfL, der zur nächsten Möglichkeit kam. Akrobatisch spielte Helmes von der Grundlinie zum elf Meter vor dem Tor wartenden Mandzukic. Der Torjäger scheiterte aber am heraneilenden Michael Mancienne, der den Ball zur Ecke blockte.

Der HSV und die Standards

Apropos Eckball. Die Hamburger verteidigten bei Wolfsburger Standards sehr viel überzeugender ihr Terrain, als es im bisherigen Saisonverlauf der Fall gewesen war. In der 70. Minute wurde es dann aber doch gefährlich nach einer kurz ausgeführten Ecke. Felipe streckte seinen Kopf in eine Rodriguez-Hereingabe. Helmes stand jedoch im Weg.

Und doch war es wieder ein Standard, der den Dino schockte. Von der rechten Seite visierte Schäfer in der 75. Minute per Flachschuss das kurze Eck trotz des ungünstigen Winkels an. Drobny war überrascht, griff daneben und schon zappelte der Ball im Netz.

Die Wolfsburger spielten weiter nach vorne, drängten auf die Entscheidung. So waren sie aber auch hinten auf einmal offen. Petric verpasste aber den Erfolg zweimal knapp. So blieb am Ende nur eine weitere Niederlage für die Gäste, was den Traditionsverein weiter in die Bredouille bringt.

Denn am nächsten Spieltag wird es zum aktuellen Tabellenletzten Kaiserslautern gehen. Wenn auch dort verloren wird, werden die Fans des Dinos noch trauriger werden. Der VfL Wolfsburg hingegen bestätigte den Trend nach oben und freut sich auf das Auswärtsspiel bei einem weiteren Abstiegskandidaten: Hertha BSC Berlin.

Uwe Toebe

sportal.de / sportal

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