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1. Bundesliga: Werder Bremen gewinnt das Nord-Derby gegen den HSV

Werder Bremen hat das 95. Nord-Derby gegen den HSV gewonnen und der Roten Laterne nachdrücklich den Verbleib in der Hansestadt Hamburg ans Herz gelegt. Claudio Pizarro erzielte beim 2:0-Erfolg die beiden Treffer des Tages und versetzte den Rothosen damit den nächsten Tiefschlag. 

Das Derby gegen Werder Bremen sollte der Wendepunkt für den HSV und Trainer Michael Oenning sein, doch dank Claudio Pizarro gewannen die Grün-Weißen den 95. Vergleich beider Teams mit 2:0 und schlossen zu den Bayern auf. Die Hamburger bleiben sieglos auf Platz 18 der Tabelle.

In einer hitzigen, aber nicht unfairen Partie waren die Gastgeber aus Bremen das aktivere Team und zeigten die strukturiertere Spielanlage. In Claudio Pizarro hatten die Bremer dazu einen Vollstrecker, der beide Tore erzielte (52./ 78.) und den Unterschied zwischen beiden Teams verdeutlichte. Denn dem HSV fehlte einfach der Spieler, der den Unterschied ausmachen kann.

Damals, ja damals hat es geklappt

Erinnerungen wurden wach an die Saison 2006/07, als der HSV als Tabellen-Letzter ins Weserstadion reiste und dort völlig überraschend mit 1:0 durch einen Treffer von Rafael van der Vaart gewann. Die Unterschiede zu damals sind natürlich groß, denn erstens spielt der Niederländer nicht mehr bei den Rothosen und Fußballspiele sind nur in den wenigsten Fällen vergleichbar.

Um den Rivalen aus dem Norden nicht wieder den Einstieg in eine Aufholjagd zu gönnen, stellte Werder Trainer Thomas Schaaf seine Mannschaft um. Da Per Mertesacker sich gen London verabschiedet hatte und Linksverteidiger Lukas Schmitz verletzt passen musste, rückten Aleksandar Ignjovski und Sebastian Prödl in die Viererkette.

Beim HSV stellte Michael Oenning ebenfalls auf zwei Positionen um. Dennis Diekmeier musste verletzt passen, für ihn bekam Michael Mancienne eine neue Chance und Paolo Guerrero sollte als zweite Spitze im 4-4-2 neben Mladen Petric für mehr Entlastung und Gefahr sorgen, da Heung-Min Son ebenfalls verletzt fehlte.

Feuer in der Partie

Der HSV versteckte sich als klarer Außenseiter in der Anfangsphase keineswegs, schien die Pause nach dem unglücklichen 3:4 gegen den 1. FC Köln gut verarbeitet zu haben. Aber auch Werder, im 4-4-2 mit Raute angetreten, mühte sich von Beginn an, die Kontrolle zu übernehmen. Mehr als kleinere Aktionen von Philipp Bargfrede (5.), David Jarolim (7.) und Claudio Pizarro (17.) gab es aber nicht zu bestaunen.

Es war Feuer in der Partie und bereits im Mittelfeld sorgten die Nord-Rivalen für enge Räume und eine Vielzahl an Zweikämpfen. Für Liebhaber vieler Strafraumszenen war die Zeit noch nicht gekommen, für die Freunde des gepflegten Zweikampfes war das 95. Derby eine wahre Wonne. Um beide Gruppen zufriedenzustellen, versuchte sich Arnautovic nach einem Freistoß per Gewaltschuss (23.), den Jaroslav Drobny allerdings entschärfte.

Nicht so richtig glücklich über die Dichte der Schlagzahl an Zweikämpfen war Schiedsrichter Manuel Gräfe, der bereits nach 28 Minuten und einigen ernsten Worten vier Gelbe Karten zücken musste. Die Unterbrechungen taten dem Spielfluss natürlich nicht gut und von einem flüssigen Spiel war man weiter entfernt, als die 120 Kilometer Abstand zwischen beiden Stadien der Kontrahenten. Der Lattenkracher per Kopf von Sokratis (38.) war dann nochmals ein Wachmacher und als dann auch Marko Marin sich Gelb abgeholt hatte, ging es torlos, aber 2:2 nach Verwarnungen, in die Halbzeit.

Pizarro, der Mann des Spiels

Und die Arbeit für Gräfe wurde nicht weniger, denn direkt nach Start von Hälfte zwei verweigerte der Berliner einem Treffer von Pizarro die Anerkennung, denn der Peruaner hatte sich bei seinem Kopfball bei Heiko Westermann aufgestützt (48.). Doch nur Sekunden später durfte er dann jubeln, als er nach einem Pfostentreffer von Marin goldrichtig stand und nur einzunicken brauchte (52.).

Das Tor fiel nicht unverdient, da die Gastgeber mehr für das Spiel taten, mehr Ballbesitz hatten und auch in der Statistik der Torschüsse die Nase vorn hatten. Die Rothosen brachen zwar nicht auseinander und schienen auch nicht übermäßig geschockt, doch fehlte es im Spielaufbau an Ideen und der Übernahme an Verantwortung. Und da auch im zweiten Abschnitt mit Torraum-Szenen gegeizt wurde, waren es die Gelben Karten, die Farbe in die Partie brachten.

Bargfrede, Marcell Jansen und Jarolim verdienten sich die zweifelhafte Ehre und die Frage stand im Raum, mit wie vielen Spielern das Match beendet werden würde. Neben Gräfe zeigte auch Tim Wiese sportliche eine Höchstleistung, als er per grandiosem Reflex gegen Petric rettete (72.). Auf der Gegenseite rettete Drobny per Fußabwehr gegen Aaron Hunt (77.). Doch Sekunden später war er machtlos, als Pizarro eine Ecke per Brust annahm, Dennis Aogo sehr alt aussehen ließ und aus gut 16 Metern stramm den Torwinkel auf Festigkeit prüfte (78.).

Als Naldo dann auch noch seinen Auftritt bekam (86.), war die Messe gelesen, der Dreier eingetütet und der zweite Tabellenplatz zurückerobert. Für den HSV blieb die Erkenntnis, dass man irgendwie zwar mithalten konnte, aber dann doch über keinen Spieler verfügt, der in engen Situationen als Rückhalt für das Team herhalten kann.

Gunnar Beuth

sportal.de / sportal

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