3. Liga Neustart für die Liga der Vergessenen


Die neue Dritte Liga geht in ihre erste Saison. Im Vorfeld diskutierten Verantwortliche, Vereine und Teams heftig über die Reform der Spielklasse. Den Fans ist das egal. Alles, was sie interessiert, startet heute in Erfurt mit einem Derby: Sie wollen Fussball.

Es ist soweit: Der Ost-Kracher Rot-Weiß Erfurt gegen Dynamo Dresden eröffnet die Premieren-Saison der neuen dritten Profiliga. Für die Fans der beiden Traditionsmannschaften dürfte der Start der neuen Klasse dabei Nebensache sein. Sie wollen den Ball rollen sehen.

20.000 Zuschauer füllen heute das ausgeverkaufte Erfurter Steigerwald-Stadion, darunter etwa 2500 Anhänger aus Dresden - eine explosive Mischung. Das lehrten viele Begegnungen der letzten Jahre in der alten Regionalliga.

Steigerwald-Stadion wird zum Hochsicherheitstrakt

Deshalb herrscht heute ein hohes Sicherheitsaufgebot. Polizei und Ordnungskräfte sollen dafür sorgen, dass zum Auftakt der neuen Liga, nicht sofort die alten Schlagzeilen anstelle des Sportlichen treten.

So beobachten allein 200 Sicherheitskräfte in Erfurt die Fans auf denn Rängen, das Stadion gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Deshalb versucht RWE-Trainer Karsten Baumann die Bedeutung der Premiere in den Vordergrund zu stellen: „Wir freuen uns riesig auf dieses historische Ereignis“.

Ausschreitungen, Hetzjagden und Prügeleien, wie sie beispielsweise in Dresden, Berlin und Magdeburg in den letzten Jahren noch regelmäßig pro Saison vorkamen, soll ein neues Sicherheitskonzept der Dritten Liga verhindern. Damit wollen die Verantwortlichen des DFB auch den Fans einen Neuanfang ermöglichen. Für die Anhänger ist es einfach, sie müssen ihre Chance lediglich nutzen.

Neuanfang auch für die Vereine

Wesentlich schwerer haben es da die 20 Vereine. Verfolgt man einmal die Namen, die sich in der Tabelle aufgereihen, gleicht deren Drittklassigkeit einem Trauerspiel: Fortuna Düsseldorf, Stuttgarter Kickers, Union Berlin, Carl Zeiss Jena – um nur einige zu nennen. Zusammen gewannen alle Traditionsteams 17 Meistertitel und 14 Liga-Pokals.

Nun kämpfen viele der ehemaligen acht Nord- und acht Süd-Regionalligisten, sowie der vier Zweitligaabsteiger immer wieder um ihr wirtschaftliches Überleben. Noch während der letzten Saison beantragte beispielsweise der Vfb Lübeck die Insolvenz. Und Dynamo Dresden rette erst kurz vor Beginn der neuen Spielzeit ein Millionendarlehen der Stadt.

Mehr Einnahmen durch höhere Fernsehgelder

Gerade in solchen Fällen soll das Modell der neuen Dritten Liga helfen. Die Fernsehgelder erhöhen sich für die Vereine auf zehn Millionen Euro pro Jahr. Das ist 55,5 Prozent mehr Geld als in den alten beiden Ligen in der letzten Saison. Zudem soll die dritte Profi-Klasse durch ihre höhere Attraktivität mehr Zuschauer in die Stadien locken. Ob die neue Liga das Problem letztendlich lösen kann, muss sich aber erst beweisen.

Trotzdem bestimmt heute eine finanzielle Zwei-Klassengesellschaft das Bild der Liga. Mit 7,5 Millionen Euro führt Eintracht Braunschweig die Etat-Tabelle an, als Schlusslicht dümpeln die Kickers aus Emden mit 2 Millionen.

Deshalb wird am Ende der Spielzeit wohl nur etwa die Hälfte der Teams in eine ernstzunehmende Konkurrenz um die zwei Aufstiegsplätze treten. Zwischen dem Drittplatzierten und dem Drittletzten der zweiten Liga entscheidet schließlich eine Relegation. Wer oben mitmischen wird, wollten die Trainer der Teams diesmal nicht prognostizieren. „ Ich erwarte eine breite Spitze“ mehr mochte auch Norbert Meier, Trainer von Fortuna Düsseldorf das Neuland der Liga nicht kommentieren.

Neuanfang für die Verantwortlichen

Der DFB möchte die vor zwei Jahren beschlossene neue Spielklasse so schnell wie möglich etablieren. Sportlich soll sich der Leistungsunterschied zur zweiten Bundesliga immer mehr verringern. Dies gilt ebenso für die Vermarktung.

„Ich bin überzeugt davon, dass wir alle mit einer sehr positiven Grundstimmung in die Premieren-Saison starten werden. Diese Aufbruchstimmung benötigen wir auch, denn die 3. Liga soll eine Qualitätsmarke werden“, verspricht DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Ähnlich den höheren Klassen tragen die Teams deshalb ein Freitagsspiel, sieben Partien am Samstag, und zwei am Sonntag aus.

Von Sebastian Pittelkow

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