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3:1-Sieg gegen Villarreal: Ribéry macht die Bayern wieder glücklich

Die Niederlage gegen Dortmund ist abgehakt: Die Bayern spazierten gegen Villarreal vorzeitig ins Champions-League-Achtelfinale - und können weiter am Aufbauprogramm für einen Superstar arbeiten.

Von Tim Schulze

Es kommt selten vor, dass der Gastclub einen großen Teil seines Kartenkontingents wieder zurückgibt. Aber die Fans des FC Villarreal hatten wohl schon geahnt, dass eine Fahrt nach München nicht viel bringen würde. 3500 Tickets wurden zurückgegeben – vollkommen zurecht, wie sich herausstellte. Denn die spanischen Fans hätten sonst eine weitere, nicht Champions-League-reife Vorstellung ihrer Mannschaft gesehen. Mit spielerischer Leichtigkeit und einem überragenden Franck Ribéry gewann der FC Bayern das Spiel gegen den Tabellenzwölften der spanischen Liga mit 3:1 und zog vorzeitig als Gruppensieger in das Achtelfinale ein, während Villarreal weiter ohne einen einzigen Punkt als abgeschlagener Gruppenletzter dasteht.

Dass die stark ersatzgeschwächten Spanier in München nicht gerade als Angstgegner wahrgenommen wurden, war klar. Und so konzentrierten sich die Diskussionen vor dem Spiel auf das Thema Arjen Robben. Bayern-Coach Jupp Heynckes hatte dem lange verletzten Superstar schon im Spiel gegen Dortmund am vergangenen Wochenende das Comeback gegönnt – die Partie ging verloren und Robben zeigte eine schwache Leistung. Dennoch setzte Heynckes gegen Villarreal wieder auf seinen Superstar: "Arjen muss ich so schnell wie möglich ranführen", verkündete der Coach. Die vergangenen Partien hatten deutlich gemacht, dass der Ausfall von Bastian Schweinsteiger nicht ohne weiteres zu kompensieren ist. Heynckes braucht seine niederländische Spitzenkraft für den Hinrunden-Endspurt möglichst schnell wieder in Topverfassung, und das funktioniert nur über Einsätze. Außerdem entschärft der erfahrene Fußballlehrer im Vorfeld einen möglichen Konfliktherd: Ein unzufriedener Robben auf der Einsatzbank kann zu einer Belastung werden.

Müller muss weichen


Der Leidtragende war Thomas Müller, der einwickelt in eine wärmende Decke auf der Bank Platz nahm und sah, wie Toni Kroos auf der Zehner-Position das Spiel der Bayern pass- und stilsicher lenkte. Im defensiven Mittelfeld durfte der junge David Alaba seinen Dienst verrichtete neben Anatoliy Timoshchuk. Müller wurde dann 20 Minuten vor Schluss für Robben eingewechselt und durfte ein wenig anschwitzen, da war das Spiel gegen die erschreckend schwachen Spanier allerdings schon gelaufen. Robben zeigte immerhin zwei seiner gefürchteten Tempodribblings und spielte passabel mit - mehr nicht. Sein Aufbauprogramm wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Dafür war sein Gegenpart auf der linken Seite der beste Spieler der Bayern. Schon in der dritten Spielminute erzielte Ribéry nach einem Zuspiel von Toni Kroos mit einem eleganten Heber über Villarreals Keeper Diego Lopez hinweg die Führung. Statt eines Torjubels setzte der Franzose zu Liegestützen an - das Tor reichte ihm offensichtlich nicht, um warm zu werden. Auch die restlichen 87 Minuten des ungleichen Spiels nutzte Ribéry, um zu dribbeln, zu laufen und Torchancen zu kreieren - da wollte einer der Kälte und der schmachvollen Niederlage gegen Dortmund trotzen. Ribéry und seine Mitspieler hatten sich fest vorgenommen, mit einem Sieg "der Sack zu zumachen" ( Kroos) und spielten entsprechend druckvoll. Sogar Robben hatte in dieser Anfangsphase eine gute Torgelegenheit, die Lopez diesmal parierte. Von den Spielern des FC Villarreal war nicht viel zu sehen, kein Wunder, sie stellen die bisher schlechteste spanische Mannschaft, die je in der Champions League gespielt hat. Das Abstauber-Tor durch Gomez (24.) nach einem Pfostenschuss von Timoshchuk war die Vorentscheidung. Die Bayern schalteten und walteten nach Belieben. In dieser Phase hatte die Partie eher den Charakter eines Freundschaftsspiels gegen einen unterklassigen Gegner.

Seelenfrieden wieder gefunden


Villarreals Trainer Juan Carlos Garrido wütete an der Außenlinie, brachte sein Team aber nur dazu, durch rüde Fouls auf sich aufmerksam zu machen. Nur gegen Ende des ersten Durchgangs erspielte sich Villarreal eine Torchance durch Marco Ruben. Bayern-Keeper Manuel Neuer wird sich bei diesen Temperaturen über ein bisschen Bewegung gefreut haben. Nach Wiederanpfiff ließ es die Mannschaft von Jupp Heynckes dann gar zu lässig angehen und kassierte prompt den Anschlusstreffer durch Jonathan de Guzman (50.). Aber die Bayern zeichnete an diesem Abend aus, dass sie sofort reagierten und das Tempo wieder anzogen. Nach einer Flanke von Lahm versuchte Ribéry mit einem sehenswerten Seitfallzieher sein Glück, verzog aber leicht. Wenig später war der französische Nationalspieler wieder zur Stelle. Erneut war es Toni Kroos, der Ribéry in Szene setzte - sein zweiter Treffer war die endgültige Entscheidung (69.). Neuer musste noch einmal gegen Ruben ran und parierte wieder sicher (80.).

Am Ende hatten die Bayern die Niederlage gegen Dortmund wett gemacht und wieder ihren Seelenfrieden gefunden. "Wir sind sehr stolz und glücklich, dass wir schon vor dem letzten Spieltag als Gruppensieger feststehen", sagte Gomez nach seinem 20. Treffer im 20. Pflichtspiel. "Alles in allem können wir sehr zufrieden sein, wir haben das Spiel gewonnen, das wollten wir." Die erste Saisonetappe ist erfolgreich absolviert. Jetzt können sie bis Weihnachten in Ruhe das Aufbauprogramm für Robben weiterfahren. Der nächste Gegner in der Bundesliga heißt Mainz 05.

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