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Absturz von Schalke 04: Magath ist das größte Problem

Alarm auf Schalke: Nach der 1:3-Pleite gegen Dortmund ist das Team von Alleinherrscher Felix Magath am vörläufigen Tiefpunkt angekommen. Es krankt in allen Mannschaftsteilen - aber auch der Trainer selbst ist angeschlagen.

Von Klaus Bellstedt

Vierte Niederlage in Serie, der schlechteste Bundesliga-Start der Klubgeschichte: Beim Tabellenletzten FC Schalke 04 gehen nach der peinlichen 1:3-Pleite ausgerechnet gegen den Erzrivalen aus Dortmund langsam aber sicher die Lichter aus. In fast allen Mannschaftsteilen herrscht Notstand. Aber auch Trainer Felix Magath gibt derzeit ein zweifelhaftes Bild ab. Eine Analyse.

Problemzone Abwehr

In keinem anderen Mannschaftsteil spiegelt sich die Krise der Schalker deutlicher wieder als in der Defensive. Das Defensivverhalten des gesamten Teams, das über Jahre eines der größten Qualitätsmerkmale der Schalker war, hat sich mit dem von Felix Magath eingeführten Ideologiewandel scheinbar aufgelöst.

15 Spieler hat der Trainer vor der Saison abgegeben. Darunter mit Rafinha, Bordon und Westermann wichtige Teile der besten Defensive der letzten Saison. Und die Neuen? Eine Ansammlung von Fehlgriffen! Neun Gegentore in vier Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Drei Beispiele: Mit Nicolas Plestan hat Magath kurz vor Ende der Transferperiode eine Alternative auf der Innenverteidigerposition verpflichtet, mit dem 34 Jahre alten Hans Sarpei ebenfalls kurzfristig einen Außenverteidiger. Während Plestan in seiner zweiten Partie für Schalke beim 1:3 gegen Dortmund fahrig agierte und in der zweiten Hälfte vom Platz flog, offenbarte Sarpei wie schon gegen Hoffenheim erhebliche Defizite in Sachen Schnelligkeit. Der "Kicker" gab Sarpei am Montag folgerichtig die Spielnote 6.

Und dann wäre da noch die auf Schalke heiß umstrittene Personalie Christoph Metzelder. Der von Real Madrid verpflichtete Profi war eigentlich als Stabilisator und Abwehrchef eingeplant, doch beim vermasselten Saisonstart hat sich Metzelder als größter Risikofaktor erwiesen. Beim 1:2 in Hamburg "glänzte" der Ex-Nationalspieler und Ex-Dortmunder mit einem erschreckenden Stellungsspiel und bedenklichem Zweikampfverhalten, nach dem 1:2 gegen Hannover 96 wurde er nach noch schlechterer Leistung von den Schalke-Fans gar ausgepfiffen. In Hoffenheim wurde Metzelder dann von Magath auf die Rechtverteidigerposition abgeschoben - und zur Pause verletzt ausgewechselt. Im Derby blieben dem weiterhin verletzten Abwehrspieler so wenigstens die Pfiffe der eigenen Fans erspart. Gut möglich, dass die Verpflichtung von Christoph Metzelder als größtes Missverständnis aller Zeiten in die Geschichte von Schalke 04 eingehen wird.

Problemzone Mittelfeld

Die Doppel-Sechs mit Rakitic und Kluge versagte im Derby total. Eh erstaunlich, dass Magath mit Rakitic einen seiner wenigen halbwegs kreativen Spieler auf diese Position verbannt hatte. José Manuel Jurado, Ende August noch für sündhaft teure 13 Millionen Euro von Atletico Madrid verpflichtet, schmorte gegen Dortmund wieder 90 Minuten auf der Bank. Der Mann also, der den spielerischen Aufschwung maßgeblich gewährleisten sollte. Und das kämpferische Element im Mittelfeld? Nicht vorhanden. Fehlt "Kampfschwein" Jermaine Jones wie gegen den BVB, fehlt die Grätsche im Spiel von Königsblau.

Problemzone Sturm

Klaas Jan Huntelaar wurde in der Hoffnung verpflichtet, als Brechertyp bestens zum wendigen Raúl zu passen. Die Wahrheit: Gegen Dortmund geisterten die beiden vermeintlichen Superstars wie Gespenster durch den gegnerischen Strafraum. Während Huntelaar wenigstens noch den Anschlusstreffer zum 1:3 erzielen konnte, fehlte Raúl schon wieder die Bindung zu seinen Mitspielern. Der Spanier hat noch nicht bewiesen, dass er mit 33 in der Lage ist, Bundesliga-Topniveau zu spielen.

Problem(zone) Felix Magath

Nach der Pleite im Derby leistete Magath vor dem "Sky"-Mikrofon den verbalen Offenbarungseid. "Die Niederlagen haben Spuren hinterlassen. Die Truppe ist völlig verunsichert. So habe ich die Mannschaft noch nie erlebt." Nach einem der "schlimmsten Tage" seiner Trainerlaufbahn wirkte der einstige Heilsbringer des Vizemeisters erstmals in seiner Amtszeit richtig angeknockt und ratlos.

Eine Antwort auf die dringendste Frage, wie er die vor der Saison für 36,2 Millionen Euro aufgepimpte Mannschaft bis zum Spiel beim SC Freiburg am Mittwoch wieder aufrichten will, blieb er schuldig. Zweifel, an seinem Konzept mit dem Total-Umbruch hegt der Alleinherrscher bisher aber nicht. "Man darf jetzt nicht alles grundsätzlich infrage stellen. Ich muss das Spiel erst analysieren, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Wir müssen was verändern." Aber was? Magath weiß es nicht - und das ist vielleicht das Gefährlichste an der Situation beim Tabellenletzten.

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