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Abschied vom Kapitän Steh auf, wenn du am Boden bist: Schweinsteigers größte Länderspiele

Bastian Schweinsteiger
Feierlaune: Bastian Schweinsteiger in kompletter Fan-Montur nach dem deutschen 3:2-Sieg über die Türkei im EM-Halbfinale 2008
© Daniel dal Zennaro/EPA/DPA
Kaum ein Spieler hat die deutsche Nationalmannschaft so geprägt wie Bastian Schweinsteiger. Anlässlich seines Abschiedsspiels erinnern wir an die größten Spiele des Kapitäns im DFB-Trikot. Zeitreise durch eine Erfolgs-Ära.

Sein Debüt im DFB-Trikot gab der 19-jährige Bastian Schweinsteiger rund um die verkorkste EM 2004. Damals war er vor allem ein Versprechen, schürte bei den Fans die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für den deutschen Fußball. In seiner Anfangszeit gab er den Schweini von "Schweini & Poldi", später entwickelte er sich im Mittelfeld zum Thronfolger des jahrelang unangefochtenen Michael Ballack. Seine filmreife Karriere, die von so großen Erfolgen wie heftigen Rückschlägen erzählt, krönte er in der Nacht von Rio mit dem Gewinn des WM-Titels 2014.

Am Abend absolviert der Kapitän in Mönchengladbach gegen Finnland sein 121. und letztes Länderspiel. Zum Abschied erinnern wir an die fünf legendärsten Momente von Bastian Schweinsteiger im Trikot der Nationalmannschaft. 

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Platz 5

Niederlande - Deutschland 1:2

EM 2012, Vorrunde

Charkow, 13. Juni 2012

Zur EM 2012 in Polen und der Ukraine reist Bastian Schweinsteiger 2012 physisch und psychisch angeschlagen, die Saison hat ihm alles abverlangt: gebrochenes Schlüsselbein, gerissenes Außenband, Bluterguss in der Wade. Vor allem aber hat er im Champions-League-Finale von München gegen den FC Chelsea nur wenige Wochen zuvor den entscheidenden Elfmeter verschossen. Dass ein angeschlagener Schweinsteiger am gefährlichsten ist – für seine Gegner, wohlgemerkt – wird im Vorrundenspiel gegen die Niederlande deutlich. So souverän wie filigran zieht er die Fäden im deutschen Mittelfeld, selten trat er in 120 Länderspielen dominanter auf. Nur folgerichtig, dass er beide Gomez-Tore zum 2:1-Sieg geradezu zidanesk auflegt.

Platz 4

Deutschland - Portugal 3:1

WM 2006, Spiel um Platz 3

Stuttgart, 8. Juli 2006

Die Geschichte von Bastian Schweinsteigers Nationalmannschaftskarriere ist eine Geschichte der Antworten – auf verfrühte Abgesänge; auf Experten, die ihm keine großen Titel zutrauen. Schon früh in seiner Karriere demonstriert der damalige "Schweini", wie gut er aufstehen kann, wenn er am Boden ist. Bei der Heim-WM 2006 zieht Bundestrainer Jürgen Klinsmann dem unbeständigen Jungspund im Halbfinale gegen Italien den gefestigter wirkenden Tim Borowski vor. Schweinsteiger wird später eingewechselt, spielt schwach und kann die 0:2-Niederlage nicht verhindern. Nur ein paar Tage darauf macht er im Spiel um Platz 3 plötzlich sein bis dahin bestes Länderspiel beim 3:1 gegen Portugal: Drei seiner fulminanten Distanzschüsse bedeuten "zweieinhalb Tore" (das zwischenzeitliche 2:0 wird von Petit abgefälscht und offiziell als Eigentor gewertet) und besorgen den euphorischen Schlussakt des "Sommermärchens".

Platz 3

Portugal - Deutschland 2:3

EM 2008, Viertelfinale

Basel, 19. Juni 2008

Noch beeindruckender gerät Schweinsteigers "Wiederauferstehung" im EM-Viertelfinale 2008: Längst gehört er zu den Spielern, denen man die großen Dinge zutraut. Allein, er wird den Erwartungen noch zu selten gerecht. Beim Turnier in Österreich und der Schweiz läuft es zunächst besonders schlecht, bei der Niederlage im zweiten Match gegen Kroatien wird er sogar des Feldes verwiesen und verpasst deshalb das so wichtige letzte Vorrundenspiel gegen Österreich. Zum Viertelfinale gegen Portugal ist Schweinsteiger wieder spielberechtigt, Bundestrainer Löw vertraut ihm von Beginn an. Der damals 23-Jährige zahlt es ihm mit einer brillanten Leistung zurück, erzielt das 1:0 und bereitet sowohl das 2:0 durch Klose als auch Ballacks 3:1 (Endstand 3:2) vor. (Hier geht es zu den Highlights des Spiels)

Platz 2

Argentinien - Deutschland 0:4

WM 2010, Viertelfinale

Kapstadt, 3. Juli 2010

Spielerisch war Schweinsteiger für Deutschland nie stärker als hier: In einer Partie, die erst recht mit ein paar Jahren Abstand zu den stärksten Länderspielen der DFB-Geschichte gezählt werden muss, einer Partie also, in der im deutschen Spiel keine Schwachstelle auszumachen ist, gibt Schweinsteiger den unangefochtenen Herrscher im Mittelfeld. Zum Highlight einer Leistung, die an Effizienz und Dominanz nicht zu überbieten ist, gerät der Messi-Moment des 25-Jährigen: Vor dem 3:0 narrt er die komplette Abwehr der Albiceleste, dribbelt sich bis zur Grundlinie durch und legt dem ewig torungefährlichen Arne Friedrich dessen erstes und einziges Länderspieltor auf. Ein besonders spektakulärer Beleg für die längst bekannte Tatsache, dass Schweinsteiger zu den Spielern gehört, die ihre Teamkollegen besser machen.

Platz 1

Deutschland - Argentinien 1:0 n. V.

WM 2014, Finale

Rio de Janeiro, 13. Juli 2014

Der Wille, die Kampfkraft, das Blut: Bastian Schweinsteigers Auftritt im WM-Finale 2014 ist der Stoff, aus dem Fußball-Legenden gestrickt werden. Dass Jerome Boateng an diesem Abend in Rio mit Abstand der beste Spieler der deutschen Elf ist, dass Mario Götze als Einwechselspieler das goldene Tor zum ersehnten Titel erzielt – es verblasst alles angesichts des "Schmerzensmannes" Schweinsteiger, der sich in jeden Infight mit den rustikalen Argentiniern wirft. Der Mann, der wenige Jahre zuvor noch von Boulevardjournalisten als "Chefchen" verspottet wurde, macht sich auf der größten aller Bühnen gerade. Er zeigt dem Gegner, den Kritikern, aber vor allem den Fußball-Fans, die immer auf seiner Seite waren, dass er dieses Match nicht verloren geben wird. Seine ganze Karriere ist eine Geschichte der Antworten. Und Bastian Schweinsteiger weiß ganz genau, dass er an diesem 13. Juli 2014 diese eine Antwort gibt, auf die ihm wirklich niemand mehr widersprechen kann. 

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