HOME

Bayern-Debakel in Wolfsburg: Heulen und Jaulen bei den Wölfen

War das ein Triumphgeheul im Tollhaus Volkswagen-Arena! Mit einem 5:1-Paukenschlag gegen die Bayern hat der VfL Wolfsburg die Bundesliga-Spitze erklommen. Felix Magath gelang ein Meisterstück - ausgerechnet gegen seinen alten Arbeitgeber. Für den Rekordmeister lässt die Schmach für das Duell beim FC Barcelona Böses erahnen.

Frank Hellmann, Wolfsburg

Jürgen Klinsmann, das muss einmal gesagt werden, ist ein wahrer Meister. Vielleicht nicht in fußballtaktischen Dingen, aber in Sachen Selbstbeherrschung und Selbstdisziplin macht dem 44-Jährigen so schnell niemand etwas vor. Das war in Zeiten als Spieler nicht immer so, wie man beim FC Bayern München wegen einer im Vereinsmuseum stehenden und etwas ramponierten Werbetonne nur allzu gut weiß. Als Trainer schon. Anders ist nicht zu erklären, dass der schwäbische Bäckersohn, der sich vor allem in Kalifornien zum abgeklärten Weltmann hat schulen lassen, an diesem Tag nicht aus der Haut fuhr. Nur die Hände, die ab und an unruhig an den Knien nestelten, verrieten, dass ihm der Akt schwerer fiel als gewohnt.

Der Mann hatte ja nicht die 1:5-Demütigung beim VfL Wolfsburg zu ertragen; der Mann stand ja nicht nur alleingelassen von Vorstand und Mannschaft vor der Presse; nein, der Mann saß auch noch neben Felix Magath am selben Tisch in einem Raum und sollte sagen, wie er das vom Kollegen fand: Dass Magath tatsächlich in der 89. Minute noch seinen Ersatztorwart André Lenz für Stammkeeper Diego Benaglio eingewechselt hatte, um dem unterbezahlten 35-Jährigen ein bisschen Einsatzprämie und verdiente Anerkennung zu erteilen. So etwas tut man bei Kirmes- und Abschiedsspielen oder am letzten Spieltag, aber nie und nimmer mitten in der Saison. Es war ein Akt der Verhöhnung, aber Klinsmann beteuerte ungerührt: "Fürs Wolfsburger Publikum war das ein besonderer Moment, uns war das egal."

Klinsmann: "Das schmerzt sehr"

Vielleicht steckte in dieser Aussage sogar ein bisschen Wahrheit. Denn beim ambitionierten Großklub an der Säbener Straße hat man zur Unzeit so viele Sorgen, dass man sich über Kleinigkeiten wie eingewechselte Ersatztorleute des Gegners nicht aufregen sollte. "Das schmerzt sehr, das schmerzt vor allem im Hinblick auf Barcelona", hatte Klinsmann in der ersten Analyse über den Niedergang im östlichen Niedersachsen treffend kommentiert, "es wird berechtigte Kritik kommen, was sich zweite Halbzeit abgespielt hat." Das lässt nämlich eben für das Aufeinandertreffen am Mittwoch im Camp Nou, dem Showdown in der Königsklasse im K.o.-System, nicht viel Gutes erahnen. Agieren die Bajuwaren in Katalonien so bewegungsarm wie in Wolfsburg, verteidigen sie so ungeordnet und undiszipliniert, dann werden sie gegen die derzeit spielstärkste Vereinsmannschaft der Welt wohl zweistellig die Segel streichen.

"Wir müssen das schlucken und das intern hart aufarbeiten", betonte Klinsmann, der nicht verraten wollte, was die mit versteinerten Mienen in die Kabine gehuschten Vorstände Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge hinter verschlossenen Türen gesagt hätten. "Nächste Frage!" baffte er nur. Ihm, dem vermeintlichen Reformer, bläst ein eisiger Wind ins Gesicht - jetzt wo es frühlingshaft warm geworden ist und zwei Wettbewerbe mit Bayern-Beteiligung in die entscheidende Phase geht. Zumindest der nationale Titel ist Pflicht für die Münchner, doch in dieser Verfassung bleibt er blanke Utopie. Der kleinlaute Klinsmann: "Der VfL Wolfsburg steht dort, wo wir stehen wollten." Und das zu Recht.

Es ist allerdings immer noch ein bisschen putzig - optisch wie akustisch - wie dort der Bundesliga-Fußball inszeniert wird. Vor einer Partie dröhnt infernalisches Wolfsgeheul aus den Lautsprechern, über die Videowände flimmert ein grüner Mond, und über den Rasen schwebt ein ferngesteuertes Mini-Luftschiff mit VW-Emblem. Doch es gibt solche Tage, an denen solche künstliche Stimmungsmacher vollkommen überflüssig sind. So geschehen eben an diesem 4. April 2009, der in seiner Art als Meilenstein in die Wolfsburger Vereinsgeschichte eingehen wird. Wann sind die Menschen in der vollbesetzten Volkswagen-Arena so lange geblieben? Sie haben gejohlt und gejubelt, vor Glück gejauchzt und voller Inbrunst geklatscht. Schon als um 16.59 Uhr die Blitztabelle erschien und der VfL Wolfsburg über dem Rest der Liga thronte, erhoben sich die Zuschauer von den Plätzen. Später hat man im Stadion den Singsang "Oh wie ist das schön" gehört und Sprechchöre auf Felix Magath als bester Mann vernommen. In den Katakomben fielen sich gegen 17.30 Uhr Vereinsangestellte mit Freudentränen in den Augen in die Arme, in der Eile wurden Plastikbecher mit Bier gefüllt und irgendwo im Innenraum geleert. Man wusste nur, dass es nicht der allmächtige Magath war, denn der trank später lieber seinen obligatorischen Tee.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Grafite die Bayern mit dem "Tor des Jahres" demütigt

"Das ist natürlich ein ungewöhnlicher Tag", beschied der 55-Jährige mit sanfter Stimme und ein Lächeln umspielte seine Lippen, "so ein 5:1 gibt es ganz, ganz selten und darauf dürfen wir stolz sein." Man habe sich, so analysierte er in seiner Eigenschaft als Fußballlehrer, in einen Rausch gespielt, aber er möchte bitteschön die Dinge richtig einordnen. Der FC Bayern, wo er bekanntlich im Januar 2007 auch deshalb entlassen wurde, weil er in der Champions League zu wenig erreichte, sei mit den Gedanken schon in Barcelona gewesen, "ich weiß selbst, wie schwierig eine solche Situation ist." Was der Alleinentscheider in Wolfsburg ausdrücken wollte: Niemand solle jetzt Luftschlösser bauen, "es gab diese Saison schon mehrere Tabellenführer, die abgerutscht sind", lautete Magaths Mahnung.

Doch die Euphorie seiner Spieler mochte auch er nicht bremsen. "Niemand hat gedacht, dass wir 5:1 gegen Bayern gewinnen können", sagte Edin Dzeko, der zweifache Torschütze. "Ein 5:1 gegen Bayern muss man feiern." Was seine Spielkameraden auch taten: Nämlich beim nachträglich begangenen Geburtstag des Brasilianers Grafite, der am Donnerstag 30 geworden war, genau wie Dzeko auch zweimal ins Schwarze getroffen hatte und passend am Samstagabend zur Party geladen hatte. Sinnigerweise dürfte viel Frohsinn auf der Fete des früheren Mülltütenverkäufers aufgekommen sein.

Bestimmt haben die Kicker auch noch mal herzhaft darüber gelacht, was in der ominösen 77. Minute passierte, in der sich in wenigen Sekunden der Wolfsburger Triumph und die Münchner Tragödie vereinte. Grafite hatte gerade den Ball vom ehemaligen Bayern-Spieler Zvjezdan Misimovic im Strafraum bekommen, und im ersten Moment erschloss sich nicht sofort, was der im August 2007 für stolze 7,5 Millionen Euro vom französischen Provinzklub UC Le Mans gekaufte Stürmer damit machen wollte. Grafite tat dann dies: Er umkurvte Andreas Ottl, dann umspielte er Christian Lell; als sich Michael Rensing ihm mit dem gesamten Torwartkörper in der Waagerechten in den Weg warf, schlug Grafite einen eleganten Haken, befand sich nun aber irgendwie zu weit weg vom Ziel, der Oberkörper zeigte zur Eckfahne, zur Sicherung der Torlinie hatte sich Breno und Ottl aufgemacht.

Magisches Dreieck II

Wie Grafite diese Situation auflöste, nämlich einen dreisten Hackentrick anzusetzen ("Meine erste Option"), wird in allen Rückschauen der Saison 2008/2009 zu sehen sein. So gekonnt und doch kurios, so geistreich und doch naiv, wirkte der Versuch. Wie in Zeitlupe kullerte die Kugel in die linke Ecke - weder Breno noch Ottl hatten diesen verlangsamten Lauf des Spielgerätes so erwartet; wie bewegungsgestörte Anfänger schienen sie falsch ausgerichtet, und der letzte vergebliche Grätschschritt des blonden Bayern-Profis war schon das Eingeständnis, diesem Geniestreich nicht gewachsen gewesen zu sein. "Der Ball ist sehr langsam gerollt", gab Grafite später zu. "Mein Mitspieler Andrea Barzagli hat mir berichtet, er habe ihn von hinten reingepustet." Jeder, der diese Schilderung hörte, musste laut lachen.

Doch zu ausufernde Schwärmereien über das "Tor des Jahres" (1:0-Schütze Christian Gentner) übertünchen nur das wahre Erfolgsgeheimnis. Und das beruht nicht auf Einzelaktionen, sondern dem Zusammenspiel zwischen Dzeko, Grafite, Misimovic - das Triumvirat, das in Anlehnung an die schwäbischen Artisten Krassimir Balakov, Giovane Elber und Fredi Bobic schon magisches Dreieck II genannt wird. Kein Trio hat seine Lauf- und Passwege so kongenial aufeinander abgestimmt, kein Trio arbeitet gleichsam so kreativ und effektiv sich gegenseitig zu. Dzeko erzielte die Saisontreffer 14 und 15, Grafite die Bundesligatore 19 und 20, Misimovic gab die Vorlagen Nummer 15, 16 und 17. Die drei Juwelen, ein Brasilianer und zwei Bosnier, die sich in Abwandlung des Wortes "brate" für Bruder lieber "tebra" nennen, mischen die Liga auf. Und das tun sie auf dem Platz spektakulär, daneben eher unspektakulär. Denn was geben die bosnischen Brüder als Ziel aus? "Das nächste Spiel am Samstag in Mönchengladbach zu gewinnen."

Wissenscommunity

Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.
Füllhorn Rente 63 ?
Wer 2018 NEU in den Ruhestand ging a) und die „abschlagsfreie Rente 63“ mit mindestens 45 Versicherungsjahren kassierte, erhielt im Schnitt 1265 Euro monatlich, 1429 Euro (als Mann) bzw. 1096 Euro (als Frau) RENTE. b) und wer die „normale“ Altersrente kassierte, erhielt monatlich im Schnitt 950 Euro, 1080 € (als Mann) bzw. 742 Euro (als Frau) RENTE. Nach Adam Riese bedeutet das, das erst Zeiten ab dem 18. LJ für die Rentenversicherung gewertet werden, dass männliche Nicht-Akademiker über 45 Arbeitsjahre hinweg mehr als 25 Euro monatlich pro Stunde verdient haben müssten. sprich: ab 1973 ! (zu DM-Zeiten 50 DM Stundenverdienst ! ... als Nicht-Akademiker ??) Meine Erfahrung ist, dass man mit 18 zur Armee musste und das anschließende Studium frühestens im 25 LJ beenden konnte -- also in 1981 ! (25 + 45 = 70. LJ mit Altersrente ohne Abzüge). Ergebnis: erst in 2026 könnten vergleichbare Akamdemiker (nach 45 Vers.Jahren) in VOLLE Rente gehen. PS: Nach Rechnung der „Die Linke“ bräuchte man über 37 Jahre hinweg einen Stundenverdienst von mind. 14,50 Euro (29 DM), um NICHT auf die „Grundsicherung für Altersrentner“ angewiesen zu sein; also den statistischen Wert von 800 Euro mtl. Rentenbezug zu überschreiten. Wer erkennt den Zaubertrick der „abschlagsfreien Rente 63“ ? Wer kennt den Zaubertrick, in weniger Zeit, mit weniger Ausbildung, maximale Top-Renten-Ergebnisse zu erzielen ? (welches nicht einmal die gierigsten Börsenbanker und Versicherungsmakler in einer Demokratie für realisierbar hielten) ?