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Bayern München: Hoeneß rastet aus

Der Druck bei den Bayern ist gewaltig: Trotz des erlösenden Sieges gegen Karlsruhe herrscht beim Rekordmeister keine Erleichterung. Der Sieg war alles andere als souverän, es rumpelt weiter gewaltig in der Truppe von Jürgen Klinsmann. Manager Uli Hoeneß rastete nach dem Spiel sogar vollkommen aus.

Einen Schritt aus der Krise getan, Jürgen Klinsmann aus der Schusslinie genommen, endlich wieder ein Tor von Miroslav Klose bejubelt - eigentlich hätte Uli Hoeneß nach dem schmeichelhaften 1:0 (0:0) des Rekordmeisters Bayern München beim Karlsruher SC rundum zufrieden sein können. Doch die Negativ-Schlagzeilen der vergangenen Wochen haben beim Manager offenbar tiefe Spuren hinterlassen. Denn nach der Partie rastete Hoeneß aus und attackierte vor der versammelten Journalistenschar einen Mitarbeiter.

"Sie sind wirklich vom FC-Bayern-TV? Sie müssen sich in der nächsten Woche einen neuen Job suchen", antwortete der dünnhäutige Manager auf die Frage des Bayern-Reporters, ob er die "Dusel-Bayern" erlebt habe. Arbeitsrechtliche Konsequenzen hatte die Szene aber nicht. Laut Bayern-Mediendirektor Markus Hörwick sei Hoeneß zwar verärgert gewesen, habe sich aber später zu einem Interview mit dem freien Bayern-Mitarbeiter getroffen; die Angelegenheit wurde dabei ausgeräumt.

Die Frage des Reporters war berechtigt

Dabei war die Frage des Bayern-TV-Reporters durchaus berechtigt. Außer dem ersten Tor von Nationalstürmer Klose (86.) seit dem 3. Spieltag war dem Meister, der nach drei Partien ohne Sieg wieder drei Punkte einfuhr, vor 30.500 Zuschauern im ausverkauften Wildparkstadion nicht allzuviel gelungen. Das sah auch Präsident Franz Beckenbauer so. "Es war von beiden Seiten kein berauschendes Spiel. Es hat mich fast schon gewundert, dass die Bayern in der Endphase noch das Tor gemacht haben", erklärte der "Kaiser". Beckenbauer machte die hohe Belastung der Nationalspieler in den vergangenen Tagen für die durchwachsene Vorstellung des Titelverteidigers verantwortlich: "Die konditionelle Verfassung ließ am Ende nach und deshalb gab es viele Abspielfehler. Das späte Tor zeigt aber, dass die Moral intakt ist."

Der Erfolg konnte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass beim Meister längst nicht alles rund lief. Symptomatisch dafür war der missglückte Salto von Klose, der bei seiner traditionellen Turneinlage nach einem Treffer auf dem Hosenboden landete. Im Hinblick auf diese Szene konnte sich Beckenbauer einen lakonischen Seitenhieb nicht verkneifen: "Das kommt davon, wenn man so wenig Gelegenheit dazu hat."

Hoeneß glaubt an bessere Zeiten

Für Hoeneß stand dagegen nach der Partie fest, dass Klose zukünftig wieder mehr Gründe zum Jubeln haben wird. "Am Ende hatten wir ein bisschen Glück. Aber ich glaube, dass es jetzt ganz sicher aufwärts gehen wird. Das Selbstvertrauen wird mit dem Erfolg zurückkommen", sagte der Manager.

Ganz so zuversichtlich wie Hoeneß sah Klinsmann die Lage allerdings nicht. "Es gibt immer noch Verbesserungsmöglichkeiten", meinte der frühere Bundestrainer, der aber davon überzeugt ist, dass "wir auf dem richtigen Weg sind". Ob Klinsmann Recht behält, wird sich wohl schon am Dienstag im Champions-League-Spiel gegen den AC Florenz zeigen.

Toni und Ribery fit für die Champions League

Dort kann der Trainer, der wieder auf seinen zuletzt auf die Ersatzbank verbannten Kapitän Mark van Bommel baute ("So ist Mark unangefochten und gesetzt"), auf jeden Fall auch auf die in Karlsruhe angeschlagen ausgewechselten Topstars Luca Toni (Rippe) und Franck Ribery (Sprunggelenk) zurückgreifen. Der Klub gab bereits am Samstagabend Entwarnung.

Auch im Fall von Klose, der sich beim Torjubel verletzt hatte. Nachdem er von einer Spielertraube begraben wurde, humpelte er aufgrund eines Krampfes vom Platz. Aber auch er gab grünes Licht für Dienstag. Zudem erhielt er vom Bayern-Trainer am Sonntag trainingsfrei und konnte gleich nach dem Spiel zum 60. Geburtstag seiner Mutter nach Kaiserslautern fahren.

KSC-Trainer war nicht zufrieden

Während Klinsmann nach der Kritik der jüngsten Vergangenheit ("Wir haben gehofft, dass die zwei Wochen schnell vorbeigehen") durchatmen konnte, war KSC-Trainer Edmund Becker im Anschluss an die unntötige Pleite nach zuletzt zwei Siegen sauer: "Es ist schon ärgerlich, dass wir es nicht schaffen, bis zum Schluss konzentriert zu bleiben und immer wieder späte Gegentore bekommen."

Alexander Sarter/SID / SID

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