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Bayern-Star: "Keine Lust mehr am Leben"

Für Kevin Kuranyi brach eine Welt zusammen, ein Argentinier aus der Bundesliga hat sogar allen Lebensmut verloren. Mit der Bekanntgabe der WM-Kader zerstörten die Nationaltrainer die Fußball-Träume der Nicht-Nominierten.

Für Kevin Kuranyi ist nach dem persönlichen WM-Aus eine Welt zusammengebrochen. Mit der Absage von Bundestrainer Jürgen Klinsmann habe er "nie und nimmer" gerechnet, erklärte der Schalker auf seiner persönlichen Internetseite: "Immer wieder habe ich mir die Frage gestellt: Warum ausgerechnet ich?" Er wisse zwar, dass er keine überragende Saison gespielt habe und dass seine zehn Tore keine optimale Ausbeute gewesen seien. "Aber auch in diesem Jahr habe ich mich weiter entwickelt", betonte Kuranyi.

"Mein Leben ganz diesem Beruf gewidmet"

Auch in den anderen Nationalteams gab es große Enttäuschungen. Besonders hart traf es einen südamerikanischen Bundesligaspieler vom Deutschen Meister. Die überraschende Ausbootung aus dem argentinischen WM-Kader hat Martin Demichelis vom FC Bayern München in eine Sinnkrise gestürzt. "Es ist nicht nur, dass ich keine Lust mehr zum Spielen habe. Ich habe keine Lust mehr am Leben", sagte der völlig deprimierte 25 Jahre alte Mittelfeldspieler am Montagabend dem argentinischen Fernsehsender TyC Sports: "Wer mich kennt, weiß, dass ich mein Leben ganz diesem Beruf gewidmet habe."

Kurz zuvor war der einzige potenzielle Bundesliga-Legionär des zweimaligen Weltmeisters von Coach Pekerman unterrichtet worden, dass er die WM nur vom Fernseher aus verfolgen kann. "Mich hat diese Nachricht tief getroffen", gab Demichelis zu. Nach dem Freudenrausch über die historische Verteidigung des Doubles mit Arbeitgeber Bayern binnen sechs Tagen erlebt ein nun ein Wechselbad der Gefühle.

Keine Lust auf gar nichts

"Ich habe jetzt weder Lust zu verreisen, noch auf irgendetwas", sagte Demichelis. Eigentlich war er davon ausgegangen, demnächst die Koffer zu packen und am 31. Mai in Herzogenaurach mit dem Titel- Mitfavoriten die Zelte für die WM aufzuschlagen, zur Vorbereitung auf die Hammer-Gruppe C mit Afrika-Vizemeister Elfenbeinküste, Serbien & Montenegro sowie den Niederlanden. Beim bis dato letzten Testspiel gegen Kroatien hatte Demichelis noch in der Startformation gestanden.

Sämtliche Hoffnungen auf die WM endeten auch für Routinier Javier Zanetti und Juan Sebastian Véron von Inter Mailand. Das Italien-Duo hatte wie Demichelis nicht zu den 16 Spielern gezählt, die Pekerman eine Woche zuvor in Madrid zu einem zweitägigen Taktik- und Schulungs-Lehrgang einbestellt hatte. Der dort ebenfalls fehlende Pablo Aimar vom FC Valencia, für den sich sogar Weltfußballer Ronaldhino ausgesprochen hatte, wurde hingegen nominiert. Überraschend erhielt zudem Inter-Profi Julio Cruz für den hochkarätigen Sturm um Chelsea-Star Hernan Crespo den Zuschlag.

"Aufgebot gegen die Gespenster"

"Ein Aufgebot gegen die Gespenster" titelte die argentinische Zeitung "la Nacion" und spielte damit auf das klägliche Ausscheiden vor vier Jahren in Japan und Südkorea an, als die "Albiceleste" die Gruppenphase nicht überstand. Pekerman setzt neben den Jungstars wie dem filigranen 18-jährigen Lionel Messi vom Champions-League-Finalisten FC Barcelona oder dem bulligen Carlos Tevez (22/Corinthians Sao Paolo) vor allem auf jene Spieler, mit denen der 56-Jährige als Junioren-Auswahltrainer bereits Weltmeister-Meriten sammelte.

Kapitän Juan Pablo Sorin, Regisseur Juan Riquelme (beide FC Villarreal) und dessen Nebenmann Esteban Cambiasso (Inter Mailand), Fabricio Coloccini (Deportiva La Coruna) und Javier Saviola (FC Sevilla) werden die Korsettstangen im Team des erfolgreichsten Nachwuchs-Nationaltrainers der Welt sein, der nun auch bei den Erwachsenen die Trophäe holen will: "Es ist ein Kader, der mir viel Selbstvertrauen gibt. Ich spüre, dass die Spieler Lust haben." Nur Demichelis hat sie im Moment nicht mehr.

DPA / DPA

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