Bayern vs. Barcelona Schlag ins Gesicht


Im Rückspiel gegen Barcelona wird Kahn-Nachfolger Michael Rensing wieder auf der harten Ersatzbank Platz nehmen (ab 20.45 Uhr im Liveticker von stern.de). Die neue Nummer eins der Bayern heißt Jörg Butt. Dafür kehren zwei Hoffnungsträger in die Mannschaft zurück und sollen für Schadensbegrenzung sorgen.

Vor dem Rückspiel gegen Barcelona gleicht der FC Bayern einer gewaltigen Baustelle. Nach dem desaströsen 0:4-Debakel im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales gegen die Katalanen ist alles anders. Es gibt viele offene Fragen, aber nur wenige Antworten. Aber zumindest in der Torwart-Diskussion hat Bayern-Coach Jürgen Klinsmann für klare Verhältnisse gesorgt. Michael Rensing wurde zur Nummer zwei degradiert, die neue Nummer eins beim Rekordmeister heißt bis zum Saisonende Jörg Butt.

Gewogen und für zu leicht befunden. So lautet das bittere Urteil über Rensing. Lange hatte der 24-Jährige auf seine Chance im Tor des Fußball-Rekordmeisters gewartet und sie als Kahn-Erbe in dieser Saison auch bekommen, vor den wichtigsten Spielen des Jahres wurde er aber zugunsten des zehn Jahre älteren Jörg Butt auf die Bank verbannt. "Michael Rensing hat großes Potenzial, aber in einem Prozess gibt es Momente, da geht es wie jetzt ums reine nackte Ergebnis. Und da muss ich seine Entwicklung hinten anstellen und den spielen lassen, der ihm noch einen Schritt voraus ist", begründete Klinsmann - mehr rasieren geht nicht.

Dass Butt "noch einen Schritt voraus ist", dürfte für den seit 2000 in München spielenden Junior ein Schlag ins Gesicht sein. Der Keeper, der in Leverkusen von René Adler aus dem Tor verdrängt worden war und bei Benfica Lissabon nur Ersatz war, soll besser sein als er? Trug Rensing den "Schock" aus dem Hinspiel in Barcelona noch professionell gefasst zur Schau, so schwieg er vor dem Rückspiel in der Allianz Arena am Dienstagabend. Nach dem 0:4 in Spanien war der ehemalige U-21-Nationaltorhüter noch von einer einmaligen Sache ausgegangen, nun scheinen seine Tage als Nummer 1 beim Lieblingsclub gezählt. Die Namen von Robert Enke (Hannover) und anderen Torhütern geistern seit Tagen in München umher.

Enke liebäugelt seit längerem mit einem Wechsel, obwohl er sich in Hannover heimisch fühlt. Der 31-Jährige, der Bayerns Torwarttrainer Walter Junghans noch aus der gemeinsamen Zeit bei Benfica kennt, will bei der WM in Südafrika unbedingt im DFB-Tor stehen. Seine Chancen würden mit internationalen Vereins-Einsätzen, die er mit den Münchnern haben würde, deutlich steigen. Bundestrainer Joachim Löw beschränkte jüngst den Kandidatenkreis neben Enke auf den Leverkusener Adler, Bremens Tim Wiese und Schalkes Manuel Neuer - den Namen des für die Zukunft lange hochgehandelten Rensing hatte er nicht auf dem Zettel.

Schon vor der Saison soll Klinsmann erwogen haben, Jens Lehmann im Bayern-Tor zu installieren, im Herbst hätte er angeblich gerne Amateur-Torwart Michael Kraft in den Kasten gestellt, nun ersetzte er den Fan-Liebling. Zwar betonte der Trainer weiter das große Potenzial des von ihm zurückgestuften Schlussmanns, aber lieber setzt er auf "Ruhe" und "Gelassenheit" von Butt, der "aufgrund seines Typs und seines Intellekts einer unserer Leader ist". Und derzeit auch ein bisschen das Gesicht des FC Bayern: Denn die Gesichtsschrammen Butts, die ihm Barca-Stürmer Thierry Henry im Hinspiel unabsichtlich zufügte, drücken symbolisch den Zustand der angekratzten Bayern aus.

Für die Bayern kann es im Rückspiel nur darum gehen, sich würdig aus dem Elite-Wettbewerb der europäischen Großclubs zu verabschieden. Klinsmann kann fast aus dem Vollen schöpfen. Mit Lucio und Philipp Lahm wird vor allem die Abwehr wieder über mehr Qualität verfügen. Bei den Katalanen ist der Einsatz des französischen Fußball-Nationalspielers Thierry Henry fraglich. Der Stürmer blieb am Montag wegen Fiebers im Hotel. Trotzdem warnt Barca-Trainer Josep Guardiola seine Truppe vor einem Schaulaufen. "Wir dürfen nicht glauben, wir haben 4:0 gewonnen und das wird ein Selbstläufer. Das wird es nicht, wir müssen erst arbeiten", sagte der Trainer am Montagabend in der Allianz Arena. "Wenn Klinsmann die Sache schon abgehakt hätte, würde er die B-Elf schicken, das wird er wohl nicht machen."

DPA/tis DPA

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