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Bayern gegen Hoffenheim: Warten auf den Videobeweis

Das Spiel gegen die Bayern hätte 2:1 für Hoffenheim enden müssen. Doch wieder mal haben Schiedsrichter ein klares, ein entscheidendes Tor übersehen. Es ist höchste Zeit, solche Fehlentscheidungen durch Technik zu korrigieren.

Ein Kommentar von Oliver Trust, Sinsheim

In der Gruppenphase der Europa League wird der europäische Verband UEFA ab Mitte September spezielle Richter testen, die bei strittigen Tor-Entscheidungen entscheiden helfen. Das Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga am Samstag hat gezeigt, wie wichtig eine grundlegende Änderung der bestehenden Regeln ist. Die Partie gegen die Bayern hätte 2:1 für Hoffenheim enden müssen. Bleibt die Frage, was hilft gegen Fehlentscheidungen wie in der zehnten Minute, als Schiedsrichter Babak Rafati und seine Assistenten den klaren Kopfballtreffer von Josip Simunic übersahen: Ein Chip im Ball (wegen technischer Probleme noch ungeeignet), der Videobeweis oder doch die Tor-Assistenten?

Die Frage, wohin Bayern München unter Trainer Louis van Gaal steuert, trat in den Hintergrund. Nur Bayern-Manager Uli Hoeneß kündigte selbstbewusst an: "Wir werden bald vorne weg marschieren." Eine Ansicht, die nach dem schwachen Ligaauftakt der Münchner fast so kurios erscheint wie das nicht anerkannte Tor.

Es war einer der wenigen Momente, in dem Louis van Gaal überhaupt lächelte. Neben ihm hatte der Hoffenheimer Trainer Ralf Rangnick ein Plädoyer für den Videobeweis gehalten: "Der wird kommen. Das dauert dann keine fünf Sekunden." Van Gaal stand derweil auf, verbeugte sich und meinte zu Rangnick: "Ich nehme meinen Hut und ziehe ihn vor Ihnen. Er sitzt so ruhig da und ist überhaupt nicht böse."

"Wir haben Glück gehabt"

Rangnick hätte Grund genug gehabt. Die zehnte Minute: Wohl keiner der 30.150 Zuschauer hatte gesehen, dass der Ball die Linie um einen halben Meter überflogen hatte. Als Bayern-Torwart Michael Rensing seinen Rettungsversuch startete, musste er mit dem linken Arm weit nach hinten greifen. Uli Hoeneß hingegen hatte beste Sicht. Seit dieser Saison sitzt er nicht mehr auf der Trainerbank, sondern nimmt vor seinem Abschied als Manager Ende des Jahres auf der Tribüne Platz. "Dass der Ball im Tor war, habe ich gesehen." Hoeneß sprach sich wie Franz Beckenbauer für den Videobeweis aus.

Es war eine breite Front, die sich in Sinsheim für Videobeweis, Torkamera oder Chip im Ball einsetzte. Gegner fanden sich keine. Dafür weitere Tor-Zeugen. "Das muss man sehen, der stand schon im Tor und nimmt den Arm nach hinten", ärgerte sich Hildebrand. "Wir haben Glück gehabt", meinte Bayern-Keeper Rensing. "Ich habe in der Situation zum Assistenten geschaut und hatte auch das Gefühl, dass er drin gewesen sein könnte."

So schleppend wie die Umsetzung einer Torkamera oder des Videobeweises voranschreitet, so schleppend tasten sich auch die Bayern in Richtung Van Gaals Zielen nach modernem Fußball mit schnellen Pässen vorwärts. Dass Hoeneß so forsch voranpreschte, erschien wie eine im Moment der Not gezündete Imagekampagne. Eine typische Hoeneß-Reaktion?

"Hoffenheim war kaputt und ist von einer Verlegenheit in die nächste gerauscht", so Hoeneß. Damit meinte er wohl die zweite Hälfte, als die Hoffenheimer leicht abbauten, weil sie hohem Tempo Tribut zollen mussten und die Bayern bei ihrem langsamen Spielaufbau nicht mehr störten. Mehr aber auch nicht. Die Münchner zeigten nie, dass sie Fußball mit der gleichen Geschwindigkeit spielen können, wie ihn Wolfsburg, Stuttgart und Hoffenheim zeigen.

"Manche Dinge brauchen in Deutschland länger"

Trotz der Führung durch Ivica Olic (25.) wirkte die Münchner Innenverteidigung oft überfordert. Im Mittelfeld, in dem der junge Alexander Baumjohann auf der "Zehn" spielte und Kapitän Mark van Bommel in der 28. Minute für einen Ellbogencheck im eigenen Strafraum die Rote Karte hätte sehen müssen, entstanden kaum zündende Ideen. Vorne blieb der 35-Millionen-Mann Mario Gomez blass. Wieder wurde offenbar, wie sehr die Bayern auf eine kreative Kraft wie Franck Ribery angewiesen sind, der allerdings verletzungsbedingt fehlte.

"So etwas kenne ich aus dem American Football", sagte Beckenbauer zu Van Bommels Ausraster. Aber auch dessen rustikale Spielweise konnte das 1:1 durch Chinedu Obasi nicht verhindern. Ibisevic legte quer, der Nigerianer traf.

1899-Coach Rangnick nahm Remis und verweigertes Tor erstaunlich ruhig auf und hat dafür ein Lob verdient. Im Gegensatz zu manch anderem Vorfall, hatte sich Rangnick diesmal im Griff. "Manche Dinge brauchen in Deutschland etwas länger", sagte er und meinte die Einführung von Videobeweis und Torkamera. Das war just der Moment, in dem Louis van Gaal das zweite Mal an diesem Tag lächelte.

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