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"Dieser bescheuerte Videobeweis" Fünf aberkannte Tore in drei Spielen: Der Krieg des Mario Gomez gegen den VAR

Mario Gomez hadert auf seine alten Tage mit dem VAR
Mario Gomez hadert auf seine alten Tage mit dem VAR
© Uwe Anspach / DPA
Mario Gomez ist wütend: In den vergangenen drei Spielen sind dem Angreifer des VfB Stuttgart fünf Treffer durch den Videobeweis aberkannt worden. 

Mario Gomez war nach dem 1:1 gegen den SV Darmstadt 98 außer sich. "Die Leute kommen ins Stadion, weil sie Tore sehen wollen. Und wenn wir jedes Mal wegen zwei Zentimetern zurückpfeifen – das ist ein Witz", schimpfte der ehemalige Nationalspieler in Diensten des VfB Stuttgart am Montagabend.

Der Grund für seinen Zorn: In der 66. Minute war ein Tor des Angreifers nach Videobeweis wegen einer hauchdünnen Abseitsstellung nicht gegeben worden.

Mario Gomez: "Für Stürmer ist es eine Katastrophe"

Derzeit liege so viel Druck "auf diesem bescheuerten Videobeweis", wetterte der Stürmer weiter. "Das ist einfach so ein Bullshit!" Wenn es keinen Videobeweis gäbe, dann wäre das für ihn in Ordnung, denn dann würden sich die Entscheidungen für und gegen die Stürmer ausgleichen, sagte er.

Um die Wut von Gomez zu verstehen, muss man wissen, dass es bereits dass fünfte Tor innerhalb von drei Spielen war, das ihm wegen einer knappen Abseitsstellung aberkannt wurde. In der vergangenen Woche war es ein Treffer gegen Nürnberg. Zuvor gegen Sandhausen gelang Gomez das außergewöhnliche Kunststück, dass ihm gleich drei Tore in einem Spiel nicht zugestanden wurden. Man könnte sagen: Der 34-Jährige hat, was den VAR angeht, eine echte Horrorquote vorzuweisen.

"Für uns Stürmer ist es eine Katastrophe“, hatte Gomez schon nach der Partie gegen Sandhausen die Eingriffe des VAR heftig kritisiert. "Das System, wie es ist, ist einfach scheiße“ und er sei froh, "nicht mehr zehn Jahre" damit spielen zu müssen.

+++ Lesen Sie hier die Kritik von stern-Stimme Philipp Köster am VAR +++

Gomez gehört zu einer Vielzahl von Kritikern

Gomez gehört zu der Vielzahl der Kritiker, die den Videobeweis weder in seiner Anwendung noch mit Blick auf die technische Reife für geeignet halten. Sie monieren, dass die kalibrierte Linie bei Abseitsentscheidungen gar nicht präzise genug sei, um Zentimeterentscheidungen zu treffen. Ein weiteres Argument der Fußball-Traditionalisten lautet: Der VAR zerstöre den Geist des Fußballs, weil man nicht mehr unmittelbar nach dem Tor jubeln könne, sondern bei strittigen Situationen immer erst auf die Entscheidung des VAR warten müsse.

Hinzu kommt, dass nicht immer deutlich wird, wann der Videobeweis angewendet wird, auch wenn sich das im Vergleich zur rumpeligen Vorsaison verbessert hat. 

Im Spiel zwischen Dortmund und Mainz am vergangenen Wochenende gab es solch eine heiß diskutierte Szene. Der Mainzer Abwehrspieler Jerry St. Juste begrub eine Flanke von Marco Reus mit tatkräftiger Unterstützung der Arme unter seinem Körper – für alle, die die Szene gesehen hatten, ein klares Handspiel. Nur nicht für den Schiedsrichter Benjamin Cortus und den VAR Benjamin Brand. Beide waren der Auffassung, dass St. Juste die Hände nicht regelwidrig einsetzte. Strenggenommen war es eine menschliche Fehlentscheidung, wie es sie von Anbeginn des Fußball gibt.

Was Mario Gomez in seinen Wut-Aussagen natürlich unerwähnt ließ: Im Spiel gegen Nürnberg wurde dem VfB Stuttgart auch ein Strafstoß durch den VAR wegen eines zunächst übersehenen Handspiels zugesprochen. Stuttgart glich aus und gewann am Ende 3:1. Es gilt also die alte Fußball-Weisheit: Alles gleicht sich unter dem Strich irgendwie aus.

Quellen: DPA, "Stuttgarter Nachrichten", "Eurosport", "Sportbuzzer", "Sportbuzzer"

tis

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