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Tiefer Fall Borussia Mönchengladbach in der Krise: Der Trennungsschmerz von Rose lähmt den Verein

Gladbachs Trainer Marco Rose
Gladbachs Trainer Marco Rose
© Wolfgang Rattay / AFP
Seit Trainer Rose seinen Abschied für den Sommer verkündet hat, schlittert Borussia Mönchengladbach immer tiefer in die Krise. Gleichzeitig proben die Fans den Aufstand und wittern Verrat. Dennoch will Sportdirektor Eberl die Saison mit dem Coach beenden.

Mittlerweile schreibt Max Eberl offene Briefe an die eigenen Fans. "Wenn ich lese, dass Fans 'der Stecker gezogen' wurde, weil unser Trainer uns verlässt und sie sich nicht mehr für die laufende Saison interessieren, weil dieser Trainer noch bei uns auf der Bank sitzt, dann fehlt mir das Gefühl von Zusammenhalt und Kampfgeist für Borussia", kritisierte der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach in dem Brief, den er am Sonntagabend an alle Fanclubs verschicken ließ.

Er ist die Antwort auf Aussagen eines Fan-Vertreters, der in einem Interview erklärt hatte, erst wieder mitfiebern zu können, wenn die aktuelle Saison mit Rose beendet sei – und damit offenbar vielen Borussen-Anhängern aus dem Herzen sprach. Denn die Fans sind wütend – besonders auf Trainer Marco Rose, der im Sommer zur anderen Borussia aus Dortmund wechseln wird. Am vergangenen Samstagabend während des Spiels gegen Leverkusen (0:1 verloren) verstärkte die Polizei ihre Präsenz vor dem Stadion, weil man Ausschreitungen aufgebrachter Anhänger befürchtete. Diese blieben aber aus.

Die Fans wittern Verrat

Seit der Abgang am 15. Februar bekannt wurde, ist die heile Welt der Gladbacher aus den Fugen geraten. Die Fans fühlen sich durch den Trainer verraten, der in ihren Augen den Verein nur als Karrierestation betrachtet hat. Der sportliche Absturz ist seitdem in vollem Gange, was die Anhänger wiederum in ihrer Kritik bestärkt.

Die nackten Fakten der Krise: In der Bundesliga setzte es vier Niederlagen in Folge. Zuvor hatte Gladbach schon das Derby gegen den 1. FC Köln verloren - eigentlich ein Unding für Fohlen-Fans. Viele Anhänger lasteten die Pleite vor allem Rose an, weil er in das Spiel mit dem rheinischen Rivalen mit einem angeblich allzu sehr durcheinander gewirbelten Team gegangen war. In der Tabelle ist die Mannschaft auf den zehnten Platz abgerutscht. Im Pokal flog man ausgerechnet gegen den BVB raus und in der Champions League dürfte nach der 0:2-Hinspielniederlage gegen Manchester City ebenfalls demnächst Schluss sein. Der Absturz der Mannschaft habe "dramatische Formen" angenommen, wie das Fachblatt "kicker" schreibt. Dabei wollten die Gladbacher eigentlich ihren Platz unter den Bundesliga-Topteams festigen und erneut den Sprung in die Champions League schaffen. Davon kann derzeit keine Rede mehr sein.

Viele Spieler laufen ihrer Form hinterher

Die Gründe für die Krise sind vielfältig. Viele Spieler laufen ihrer Form hinterher, besonders die Offensive mit Marcus Thuram und Alassane Plea hat ihre Torgefährlichkeit eingebüßt. Wichtige Spieler wie Florian Neuhaus oder Denis Zakaria sind nicht in topform - vieles funktioniert nicht mehr so gut wie in der vergangenen Saison, als am Ende Platz vier zu Buche stand. Dabei haben die Gladbacher noch zu Beginn des Jahres eine Erfolgsserie hingelegt (sechs Siege und zwei Unentschieden in Folge), die Hoffnung auf erneute Champions-League-Qualifikation machte. Doch seit der Derby-Niederlage gegen Köln und der Bekanntgabe des Rose-Wechsels läuft es nicht mehr. 

Ob Briefeschreiben dem Team aus der Misere hilft, bleibt fraglich. Die Fans geben sich unversöhnlich, während Eberl fast schon trotzig betont, dass er mit Rose die Saison zu Ende spielen möchte. Auch der Coach lässt jeden Zweifel abblitzen. Ans Aufgeben denke er nicht, verkündete Rose. Ob das realistisch ist, ist eine andere Frage. Mit jeder weiteren Niederlage dürfte der Druck - trotz aller Beteuerungen - steigen. In Augsburg haben sich die Fohlen auch in weit besseren Phase schon häufig schwer getan. 

Quellen: DPA, "kicker", "FAZ"

tis

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