Bundesliga-Auftakt Ohne Revanchegelüste zum Meister


Mit einem Duell zwischen Meister und Vize-Meister startet die Fußball-Bundesliga in ihre 45. Saison. Sowohl der VfB Stuttgart als auch Schalke 04 stapeln ordentlich tief. Kein Wunder: Stuttgart muss auf wichtige Spieler verzichten, und in Schalke ebbt die Kritik an der Transferpolitik nicht ab.

Die Meisterschale sorgte bereits vor dem Bundesliga-Auftakt für Ärger. Der amtierende Meister VfB Stuttgart wird das gute Stück nämlich zum Auftaktspiel zur 45. Bundesliga-Saison im heimischen Stadion präsentieren. Neben dem Abspielen der Nationalhymne und einem Showprogramm gehört die Präsentation der "Schale" zum Eröffnungsprogramm, für das die Deutsche Fußball Liga (DFL) verantwortlich ist. VfB-Manager Horst Heldt kritisiert, dass das Ding "den Schalkern direkt vor die Nase gesetzt wird, bringt weitere Brisanz ins Spiel", das in 94 Länder live übertragen wird.

Aber vielleicht sollten sie sich in Stuttgart nicht so aufregen. Beide Teams werden nur als Kandidaten für den Platz hinter Topfavorit Bayern München gehandelt. Für die viel geliebte Brisanz im mit 56.000 Zuschauern seit Wochen ausverkauften Stuttgarter Daimlerstadion (20.30 Uhr/ARD und Premiere) sorgt eher Kevin Kuranyi. Der neue Chef und Wortführer auf Schalke hält seine Kritik an der Schalker Transferpolitik aufrecht, was seine Vorgesetzten nicht gern hören. Beim VfB dagegen hat man vor dem Duell mit einem Lieblingsgegner andauernde Personalsorgen.

Veh: "Ich mache mir keine großen Sorgen"

"Sicher war die Vorbereitung nicht normal, aber deswegen mache ich mir keine großen Sorgen", sagte Stuttgarts Trainer Armin Veh mit der Gelassenheit eines "Trainers des Jahres", obwohl er auf Stürmer Mario Gomez und Spielmacher Yilidiray Bastürk verzichten muss. Gomez, frisch gekürter "Fußballer des Jahres", hat seit über zwei Wochen wegen Oberschenkelproblemen nicht mit der Mannschaft trainiert. Bastürk zwackt es ebenfalls im Oberschenkel. Für ihn wird Neuzugang Ciprian Marica neben Cacau stürmen. "Ich sehe in dem Spiel keinen Favoriten. Wir haben mit Sicherheit eine sehr gute Mannschaft und wollen mit Macht gewinnen", sagte Veh und zeigte sich trotz der Verletzten gut gelaunt: "Ich freue mich auf das Spiel."

Während VfB-Teammanager Horst Heldt sowohl über die frühe Ansetzung des Spitzenspiels, als auch die Zurschaustellung der Meisterschale nicht besonders glücklich war, kommen Zeitpunkt und Gegner für Schalkes Trainer Mirko Slomka gerade recht: "Meister gegen Vizemeister. Etwas Besseres kann es nicht geben. Wir können uns gleich in einem Spitzenspiel präsentieren, das ganz Deutschland an den Fernsehschirmen verfolgen wird."

Slomka hegt keine Revanchegelüste

Obwohl der VfB den Revierclub erst im Schlussspurt vom ersten Rang verdrängte, hegt Slomka keine Revanchegelüste: "Stuttgart hat sich die Schale verdient, der VfB hat sie uns nicht geklaut." Die bisher mäßigen Auftritte der Schwaben taugen für den Schalke-Coach ebenfalls nicht als Gradmesser: "Das ist der deutsche Meister - ohne Wenn und Aber. Die Mannschaft, die sie am Freitag aufbieten werden, wird mit dem Team aus den Spielen im Ligapokal und im Pokal kaum zu vergleichen sein."

Der Titelverteidiger geht erneut ohne Saisonziel ins Rennen. "Wir wollen einfach nur leidenschaftlichen Fußball spielen", gibt Veh die Linie vor. "Wir haben starke Konkurrenz. Unser vorrangiges Ziel ist es nicht, Meister zu werden", sagt Sami Khedira, der beim 3:0 im Vorjahr gegen Schalke zwei Treffer erzielte. Überhaupt haben die Gäste eine schlechte Bilanz beim VfB: Von 37 Auswärtsspielen in Stuttgart konnte Schalke bisher lediglich drei gewinnen. Zuletzt gab es drei Niederlagen und 0:8 Tore, dem ehemaligen Stuttgarter Kuranyi gelang im blau-weißen Trikot im Daimlerstadion noch nie ein Tor. Mit Hilfe von Mesut Özil, der im Zweikampf mit Neuzugang Ivan Rakitic im Kampf um die Spielmacherposition derzeit die Nase vorn hat, soll dieser Negativtrend gestoppt werden.

Vor den Augen von Joachim Löw

Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw wollen sich weitere Spieler für höhere Aufgaben empfehlen, so neben Khedira auch Serdar Tasci, der den verletzten Matthieu Delpierre in der Innenverteidigung ersetzt. Während auch Yildiray Bastürk (Zerrung) ausfällt, kommt für Ewerthon (Trainingsrückstand) ein Einsatz von Beginn an noch zu früh. Beste Karten im Sturm hat der dritte Neuzugang Marica. Der Rumäne hinterließ im Training und den Vorbereitungsspielen noch den fittesten Eindruck. Der neue Torwart Raphael Schäfer hat beste Erinnerungen an Auftaktspiele im Daimlerstadion: Vor einem Jahr gewann er mit dem 1. FC Nürnberg beim VfB mit 3:0.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

VfB Stuttgart:

Schäfer - Osorio, Meira, Tasci, Magnin - Pardo - Hilbert, Khedira, Hitzlsperger - Cacau, Marica

FC Schalke 04

: Neuer - Rafinha, Bordon, Krstajic, Pander - Ernst, Kobiaschwili - Özil - Asamoah, Kuranyi, Lövenkrands

Schiedsrichter

: Fandel (Kyllburg)

Marc Zeilhofer und Heinz Büse/DPA/tis DPA

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