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Bundesliga: Bremen siegt in Bayern-Manier

Nur phasenweise souverän, teilweise überheblich, aber am Ende dank eines umstrittenen Elfmeters doch wieder erfolgreich: In bester Bayern-Manier marschiert Werder seinem vierten Titel in der Fußball-Bundesliga entgegen.

Nur phasenweise souverän, teilweise überheblich, aber am Ende dank eines umstrittenen Elfmeters doch wieder erfolgreich: In bester Bayern-Manier marschiert der SV Werder Bremen seinem vierten Titel in der Fußball-Bundesliga entgegen. Ein Strafstoß zehn Minuten vor dem Schlusspfiff brachte den enttäuschend aufspielenden Spitzenreiter nach zwei Unentschieden beim 1:0 (0:0)- Auswärtssieg am Samstag gegen den in höchster Abstiegsnot schwebenden Aufsteiger Eintracht Frankfurt auf die Erfolgsspur zurück. "Es ist wichtig, dass wir den Punkt setzen konnten", sagte Trainer Thomas Schaaf zufrieden. Selbst Kollege Ottmar Hitzfeld von Verfolger Bayern München attestierte den Bremern bereits jenes Glück, "das man braucht, um deutscher Meister zu werden".

Hitzfelds Vorlage konterte Werder-Manager Klaus Allofs. "Das Glück kennen die Bayern ja", meinte er im ZDF-"Sportstudio". Angesichts der sieben Punkte Vorsprung vor Verfolger FC Bayern (59) legte er sechs Spiele vor dem Saisonende selbstbewusst nach: "Wir sind voll im Soll. Ich denke, das sollte reichen." Allerdings muss Trainer Schaaf in der Endphase der Meisterschaft vorerst auf Ümit Davala verzichten. Der türkische Abwehrspieler hatte wegen einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit Eintracht-Stürmer Ioannis Amanatidis ebenso wie sein griechischer Gegner die Rote Karte (41. Minute) gesehen.

"Es ist für mich nicht eindeutig, wann Schur seinen Gegenspieler loslässt"

Diskutieren wollte Schaaf nicht über den Spiel entscheidenden Strafstoß, den Frankfurts Kapitän Alexander Schur am eingewechselten Nelson Valdez verursacht und Valérien Ismael (80.) sicher verwandelte hatte. "Es gab in dieser Saison einige klare Elfmeter, die wir nicht bekommen haben", meinte der Coach. Ob der Trikot-Zupfer von Schur tatsächlich vor der 16-m-Linie erfolgte, vermochte Schiedsrichter Jürgen Jansen auch nach dem Studium der Fernsehbilder noch nicht sicher zu beurteilen: "Es ist für mich nicht eindeutig, wann Schur seinen Gegenspieler loslässt - selbst beim Standbild nicht."

"Wir haben bei dem Strafstoß auf jeden Fall gesehen, dass es wichtig ist, in den Strafraum zu gehen", erklärte Schaaf. Denn dies hatten die Gäste in den 79 Minuten vor 33.000 Zuschauern im Waldstadion zuvor kaum getan. Nur in der Anfangsviertelstunde hatten sie ihre Fans mit filigranem Fußball und Finesse verwöhnt. Blass blieb das Trio mit Torjäger Ailton (25 Treffer), Sturmpartner Ivan Klasnic und Spielmacher Johan Micoud. Schaaf wechselte alle drei aus.

"Das ist eine absolute sportliche Schwächung"

Und Frankfurt? Seit vier Spielen warten die Hessen auf einen Punkt, seit 370 Minuten gar auf ein Tor. Dem Zwischenhoch nach der Winterpause folgte der (Rück)-Fall auf die Abstiegsränge. "Die Lage ist bedrohlich", gab der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen freimütig zu. Trainer Willi Reimann, der auf Grund seiner Innenraum-Sperre nach einer Schiedsrichter-Attacke das Spiel erneut aus einem Bau-Container verfolgen musste, wollte Schurs Elfmeter-Zupfer "klar" vor dem Strafraum gesehen haben.

"Wenn ich aber jetzt etwas über den Schiedsrichter sage, würde man es nicht gerade mit Beifall begrüßen", meinte Reimann, dessen Mannschaft sich nach dem deprimierenden 0:2 bei "Schlusslicht" 1. FC Köln zwar wieder gefestigter präsentierte. Doch das Fehlen von Amanatidis ausgerechnet bei dessen Ex-Verein VfB Stuttgart dürfte die Chancen auf ein Tor der Hessen im nächsten Spiel nicht gerade erhöhen. Reimann: "Das ist eine absolute sportliche Schwächung."

Jens Marx, dpa

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