HOME

Bundesliga: Hoeneß und die Nordverschwörung

Das 6:0 von Werder Bremen gegen den HSV hat Bayern Münchens Chancen, die Bremer noch von der Spitze zu verdrängen, stark reduziert. Bayern-Manager Uli Hoeneß ist außer sich: "Der HSV hat sich abschlachten lassen."

Uli Hoeneß schimpfte über das Geschehen im Norden und übte sich in Verschwörungstheorien. Sein FC Bayern München hatte dem Manager mit dem 2:1 (1:1) bei Absteiger 1. FC Köln zwar das nahezu perfekte Geschenk zu 25 Amtsjahren in der Fußball-Bundesliga gemacht. Die Meisterschafts-Minichance schien eine Woche vor dem Gipfeltreffen noch einmal gewahrt, wäre dem Bayern-Macher nicht das 6:0 Werder Bremens gegen den Hamburger SV in die Quere gekommen. "Dafür habe ich kein Verständnis. Es ist katastrophal, dass so etwas passiert", echauffierte sich Hoeneß über das vermeintlich böse Zusammenspiel der Nordclubs und erinnerte daran: "So hat Hamburg schon einmal mit einem 0:5 in Bremen vor ein paar Jahren die Meisterschaft entschieden."

"Haben sich abschlachten lassen"

Hoeneß wusste mit der Sekunde des Abpfiffs in Bremen: Sechs Zähler Rückstand und die nunmehr um zwölf Treffer schlechtere Tordifferenz gegenüber dem designierten Nachfolger sind nur durch ein Fußball-Wunder wie vor drei Jahren gegen Schalke wett zu machen. "Es ist sehr seltsam, dass sich der HSV so abschlachten lässt. Das ist nicht okay. Die Verantwortlichen in Hamburg müssen sich fragen, ob das in dieser Saisonphase in Ordnung ist."´

"'Schiebung' habe nicht gesagt"

Auch am Sonntag hatte sich der Manager nicht beruhigt und polterte weiter gegen die Hanseaten. Nach dem Training des Rekordmeisters sprach er von einer "Riesensauerei". Den vermeintlichen Vorwurf der Schiebung im Meisterkampf dementierte Hoeneß aber energisch. "Nein, das habe ich nie behauptet. Und ich habe das Wort Schiebung auch nie in den Mund genommen", sagte er. Werder Bremen habe eine Kungelei auch gar nicht nötig. Unverständlich sei aber, wieso HSV-Coach Klaus Toppmöller in der entscheidenden Phase der Meisterschaft den völlig unerfahrenen Torwart Tom Starke eingesetzt habe. "Die Bundesliga kann kein Tummelplatz für irgendwelche Tests sein", monierte Hoeneß.

Selbst für den Bayern-Manager ist Werder nun der Favorit: "Bremen hat eine sehr gute Ausgangsposition." Alles andere als ein klarer Bayern-Sieg am kommenden Samstag im "Spiel der Spiele" der 41. Bundesliga-Saison macht den ungeliebten Konkurrenten zum Meister. Deshalb heizt Hoeneß zusätzlich die Stimmung auf: "Wir müssen die jetzt wegfegen."

Die Protagonisten auf dem Rasen sehen noch eine "letzte Möglichkeit". Oliver Kahn erkennt noch einmal die "große Chance, auf drei Punkte ran zu kommen". Michael Ballack will nach dem Aus des Cupverteidigers im Viertelfinale des DFB-Pokals bei Alemannia Aachen und dem frühen Scheitern in der Champions League an Real Madrid nur noch eines: "Gewinnen und die Meisterschaft noch einmal spannend machen." Und Jens Jeremies ist überzeugt, es noch zu schaffen: "Es ist angerichtet."

Dietmar Fuchs und Wolfgang Müller, DPA / DPA

Wissenscommunity