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Bundesliga im Check: 1. FC Nürnberg: Der geliehene Klassenerhalt

Nürnberg und der Abstiegskampf in der Bundesliga - eine endlose Geschichte. In diesem Jahr wird es richtig schwer, denn die Leihgaben haben den Verein wieder verlassen. Und die sorgten in erster Linie für den Klassenerhalt.

Von Daniel Barthold

Was ist neu?
Beim FCN herrscht hohe Fluktuation, der Kader wurde stark verjüngt - notgedrungen. 14 Neuzugänge und 12 Abgänge: Da muss Trainer Dieter Hecking ganz neu anfangen. Und unter den Neueinkäufen ist kein Hochkaräter. Das Budget ließ es nicht zu. Julian Schieber vom VfB Stuttgart ist noch nicht mehr als ein Talent, Per Nilsson von Hoffenheim maximal Liga-Durchschnitt und der belgische Nationalspieler Timmy Simons, aus Eindhoven gekommen, wird im Dezember 34. Vielleicht schlägt er aber ein wie der ähnlich betagte Sami Hyypiä im vergangenen Jahr in Leverkusen.

Unter den Abgängen sind dagegen Leistungsträger: Abwehrspieler Dennis Diekmeier verließ Nürnberg für 2,2 Millionen Euro Richtung Hamburg wie auch die ausgeliehenen Mickael Tavares und Eric-Maxim Choupo-Moting. Zurück nach München gings für die bayerischen Leihgaben Andreas Ottl und Breno. Vor allem die Münchener, aber auch Choupo-Moting sorgten für die Stabilisierung in der Rückrunde. Diekmeier war ohnehin einer der stärksten Nürnberger.

Was ist gut?
Nürnberg hielt in der vergangenen Saison die Klasse. Immerhin - als Aufsteiger gehörten die Franken zu den Top-Abstiegskandidaten, ließen aber Hertha und Bochum hinter sich und konnten sich in der Relegation souverän gegen die starken Augsburger durchsetzen. Aus dem Saisonfinish könnte die Mannschaft also Selbstvertrauen schöpfen.

Ein Pluspunkt ist auch der Trainer: Hecking genießt das Vertrauen in der Mannschaft und arbeitet daran, Kontinuität in das von ständiger Berg- und Talfahrt geprägte Nürnberger Umfeld zu bringen. Eine starke Saison 2009/2010 spielte Keeper Raphael Schäfer, der mit Glanzparaden mitentscheidend für den Klassenerhalt der "Clubberer" war. Er ist einer der wenigen Topleute. Ebenso der Schweizer Stürmer Albert Bunjaku. Die Entdeckung der Vorrunde trat zum Schluss zwar kaum noch in Erscheinung, hat aber jede Menge Potenzial.

Darüber verfügen auch eine ganze Reihe junger Spieler, allen voran der 19-jährige Ilkay Gündogan. Der Kader (Durchschnittsalter 24,43 Jahre) ist durchaus talentiert.

Was ist schlecht?
Ob die vielen jungen Spieler im Kader sich ausgerechnet im Abstiegskampf beweisen können, ist zweifelhaft. Es ist nicht unbedingt die Umgebung, in der Talente reifen können. Darüber hinaus hat Nürnberg wenig Qualität. Spieler wie Marek Mintal und Angelos Charisteas scheinen ihre besten Zeiten weit hinter sich gelassen zu haben. Mit Stürmern wie Christian Eigler und Isaac Boakye ist mehr als Abstiegskampf bis Spieltag 34 nicht drin.

Kein Wunder, dass der Club mit 32 Toren in der vergangenen Saison die wenigsten Tore von allen Teams erzielt hat. Das Umfeld ist zudem schwierig, Geduld war noch nie die Stärke der Club-Verantwortlichen. Zwar steht die ganze Region hinter dem Verein, wenn es aber nicht läuft, schlägt die Frustration häufiger in Gewalt um. So randalierten Nürnberg-Fans nach der 0:4-Heimniederlage gegen den HSV und beim Auswärtsspiel in Bochum.

Was ist möglich?
Nicht viel. Für Nürnberg geht es einzig und allein um den Klassenerhalt. Heckings Ziel: "Drei Clubs hinter uns lassen." Der FCN gehört zu den großen Abstiegskandidaten der Bundesliga-Saison 2010/2011.

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