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Bundesliga-Kommentar: Neue Besen kehren - so lala

Die Woche der Trainer ist vorüber. Wieder traten zwei Vereine mit neuen Trainern an, zwei Topklubs verlängerten die Verträge ihrer Übungsleiter – aber brachte das den gewünschten Effekt? Bei den Bayern regiert jedenfalls Ratlosigkeit.

Von Nico Stankewitz

Vielleicht sind die Trainerwechsel so etwas wie das Überthema der Saison, in der vergangenen Woche gab es jedenfalls einige besonders hübsche Kapriolen zu bewundern. Mit Borussia Dortmund ist einer der Branchenriesen in bedrohliche Schieflage geraten, als Nothelfer (und dritten Trainer der Saison) verpflichtete man ausgerechnet Thomas Doll, der den HSV in Rekordzeit von der Champions League auf den letzten Tabellenplatz geführt hatte und der auch nach seinem BVB-Einstand noch auf seinen zweiten Saisonsieg wartet. Fortschritte nach dem ersten Spiel unter Doll: Nicht erkennbar.

Auch bei Arminia Bielefeld regieren Verwirrung und Verzweiflung: Nach der kurzfristigen Beförderung des ewigen Co-Trainers Frank Geideck zum Chef machte Manager Saftig schon nach wenigen Wochen die Rolle rückwärts und zwar (akrobatisch!) gleich in doppelter Hinsicht: Geideck wurde auf seine alte Position zurückgesetzt und als Nachfolger sein Vorvorvorgänger "Power-Ernst" Middendorp verpflichtet. Damit dürfte sich auch eine Abkehr vom "Systemfußball" der Ära Rapolder/von Heesen verbinden, der in den vergangenen Jahren regelmäßig gute Resultate einbrachte. Fortschritte nach dem ersten Spiel unter Middendorp: Nicht erkennbar.

Hitzfeld: Ratlosigkeit trotz Vertragsverlängerung

Der noch amtierende deutsche Meister bot zum wiederholten Mal ein Bild des Jammers, nicht weil man durch ein spektakuläres Fallrückziehertor von Christoph Preuß mit 0:1 in Rückstand geriet, sondern weil wie schon häufig in dieser Saison unkreatives und uninspiriertes Gekicke geboten wurde und man deshalb erneut eine verdiente Niederlage einstecken musste. Von den verbliebenen Meisterträumen wird der FC Bayern sich mit diesen Leistungen schon sehr bald verabschieden müssen.

Die Hitzfeld-Bilanz ist für Bayern-Verhältnisse mehr als dürftig, denn auch der alte Meistertrainer holte nur zehn Punkte aus immerhin sieben Spielen, die Ausgangsposition des FCB in der Liga hat sich nicht verbessert. Aber die Wurzel liegen tiefer: Die verkorkste Transferpolitik des und den schwächsten Bayernkader der vergangenen 15 Jahre haben Rummenigge und Hoeneß zu verantworten, nicht Magath oder Hitzfeld. Zudem fehlt erstmals seit der Rückkehr von Lothar Matthäus 1992 ein Leitwolf, eine unbestrittene Führungspersönlichkeit im Kader. Auf Matthäus folgte Effenberg, auf Effenberg Ballack, seit dessen Abschied ist das Team führungslos. In der Vergangenheit war bei den Bayern immer die Notwendigkeit von deutlichen Hierarchien in der Mannschaft klar, diesmal wurde die Situation in der Mannschaft sträflich unterschätzt. Es fehlt an Spielerpersönlichkeiten, hier besteht auch der größte Nachholbedarf für Transfers im kommenden Sommer.

Gewinner: Schalke und Werder

Die beiden Topteams marschieren wieder an der Spitze und legen durch die Niederlagen von Stuttgart und Bayern etwas Luft zwischen sich und die Verfolger. Im Moment spricht viel für einen Zweikampf um die deutsche Meisterschaft, aber die Münchner könnten sich mit einem Erfolg über Schalke nach der Länderspielpause nochmal eine allerletzte Chance besorgen.

Beide Spitzenteams präsentierten sich stark verbessert gegenüber den Auftritten zuvor und haben nach diesem Spieltag alle Karten in der eigenen Hand. Nachteilig könnte sich für Werder der UEFA-Cup auswirken, bei der dünnen Spielerdecke der Bremer eine nicht zu unterschätzende Mehrbelastung. Neben den ohnehin verletzten Klasnic, Baumann, Borowski und Hunt fehlten beim Sonntagssieg gegen Mainz auch Owomoyela (Grippe), Schulz (Muskelverletzung) und Niemeyer (Spunggelenksverletzung) – das sind schon bemerkenswerte Ausfälle.

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