Bundesliga Kuranyi wie gelähmt beim Spießrutenlauf


Kaum Ballkontakte, jeder begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert der HSV-Fans, und lediglich drei gewonnene Zweikämpfe - das Bild, das Kevin Kuranyi bei seiner ersten Bewährungsprobe nach seiner Selbst-Ausbootung bei der DFB-Auswahl abgab, war trostlos. Statt sich den kritischen Fragen zu stellen, tauchte der Schalker Stürmer einfach ab.

Dem Spießrutenlauf folgte das große Schweigen. Kevin Kuranyi sagte gar nichts. Kein Kommentar zu den ständigen Pfiffen von den Rängen, kein Kommentar zu seiner schwachen Leistung, kein Kommentar zum Punktgewinn von Schalke 04 durch das 1: 1 (1:0) in einem hochklassigen Bundesliga-Spitzenspiel beim Hamburger SV.

Kuranyi wollte am liebsten abtauchen, fliehen wie bei der Nationalmannschaft. Der 26-Jährige erlebt derzeit wohl die härteste Phase seiner Profikarriere und wird das Uefa-Cup-Spiel am Donnerstag (18.15 Uhr/live im ZDF) gegen Paris St. Germain herbeisehnen. Endlich ein Heimspiel, die Hoffnung auf Fans, die ihn lieben und unterstützen. So wie es bereits die etwa 5000 mitgereisten Schalke-Anhänger in der HSV-Arena taten.

Mit ihren "Kuranyi"-Sprechchören kamen sie gegen die Schmähungen der HSV-Fans aber kaum durch. Bei jedem Ballkontakt wurde der Angreifer ausgepfiffen. Es hätte allerdings noch weitaus lautstärker zugehen können, hätte Kuranyi in seiner schwierigen Situation so etwas wie Normalform geboten. 18-mal nur mussten die Hamburger Anhänger die Finger zum Pfeifen in den Mund stecken, mehr Ballkontakte hatte der Deutsch-Brasilianer nicht. Nach 63 Minuten hatte Trainer Fred Rutten ein Einsehen und nahm ihn vom Platz.

Schwächster Mann auf dem Platz

"Ich habe Kevin herausgeholt, weil er körperlich nicht in der Lage war durchzuspielen", sagte Trainer Fred Rutten, "er hat ja zuletzt nach den Vorfällen mit der Nationalmannschaft weniger trainiert." Natürlich schützen die königsblauen Verantwortlichen ihren Torjäger. Tatsächlich gewann Kuranyi in Hamburg von 13 Zweikämpfen nur drei, schoss nur einmal aufs Tor, gab keine Torschussvorlage. Die wenigsten Ballkontakte - schwächster Mann auf dem Platz.

"Es lastet eben unglaublicher Druck auf Kevin", sagte Manager Andreas Müller, "er muss sich mehr bewegen, mehr Bälle fordern." Auch Hamburgs Mittelstürmer-Idol Uwe Seeler war enttäuscht von dem Angreifer: "Ich kenne ihn anders. Offensichtlich kommt er mit dem Drumherum doch nicht so klar."

Die anderen Akteure boten dagegen ein Topspiel. Wie sehr die Befindlichkeit zwischen den Ohren für die Leistung verantwortlich ist, bewiesen im positiven Sinn Piotr Trochowski und Benedikt Höwedes. Beide erzielten am Mittwoch entscheidende Tore für die A- beziehungsweise für die U21-Nationalmannschaft und trafen am Sonntag erneut. "Troche" brachte den HSV in Führung (30.) und wirbelte voller Selbstbewusstsein im Mittelfeld.

Der zur Halbzeit eingewechselte "Bene" glich per Kopfball aus (48.) und meldete Ansprüche auf einen Platz in der Innenverteidigung an: "Natürlich möchte ich mehr spielen. Ich versuche immer, mich in Training und Spiel zu zeigen. Ich denke, dass ist mir heute gelungen." Der 20-Jährige brach wie alle Schalker eine Lanze für "Problem-Stürmer" Kuranyi. "Die Pfiffe hat Kevin nicht verdient", meinte Höwedes, "es war traurig, er hat so viel für Deutschland getan." Manager Müller erwartet von Kuranyi nun aber bald Besserung. "Er muss jetzt hart trainieren, das ist das beste Mittel. Dann merkt er seine Beine und beschäftigt sich nicht mit dem Kopf."

SID SID

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