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BUNDESLIGA: Rekorde und Optimismus, Skepsis und Sparkurs

Vor dem Anpfiff der 40. Saison mit dem offiziellen Eröffnungsspiel zwischen Titelverteidiger Borussia Dortmund und Hertha BSC ist klar: die fetten Jahre sind vorbei.

Millionen von Fans fiebern der Auftaktpartie im Westfalenstadion entgegen, doch angesichts der wachsenden Sorgen um die finanzielle Potenz der Vereine und der Diskussionen um TV-Mindereinnahmen, »Schwarzgeld-Affäre« und notwendige Sparmaßnahmen ist die Vorfreude nicht ungebrochen.

Sogar Kanzler mahnt Zurückhaltung an

Sogar Bundeskanzler Gerhard Schröder mahnt trotz des Erfolges der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Asien die in den vergangenen Jahren ständig boomenden Branche zur Zurückhaltung. »Aber ich habe das Gefühl, dass die Vereine jetzt ein wenig zur Besinnung kommen, was astronomische Spielergehälter und Transfersummen betrifft, nachdem die Einnahmen aus den Fernsehübertragungen nicht mehr so kräftig sprudeln«, sagte Schröder in einem Interview mit der 'Sport-Bild'. Die deutschen Vereine »scheinen mir gut beraten, in diesem Bereich etwas mehr Vernunft walten zu lassen«, sagte er Regierungschef mit Blick auf den drohenden Kollaps in einigen ausländischen Ligen.

Etats auf Rekordniveau

Die 18 Eliteclubs schraubten ihre Etats mit über 650 Millionen Euro erneut auf Rekordniveau. Die TV-Mindereinnahmen von rund 25 Prozent konnten sie durch gestiegene Werbeeinnahmen bei den Trikot-Sponsoren (88,9 Millionen Euro) und den Verkauf von über 300.000 Dauerkarten teilweise ausgleichen. Dennoch: die fetten Jahre sind vorbei, wie die strikten Sparkurse und die Zurückhaltung auf dem Transfermarkt dokumentieren. So senkten die Clubs ihre Ausgaben für neue Spieler gegenüber dem Vorjahr (rund 150 Millionen Euro) auf etwa 105 Millionen Euro. Rund 75 Prozent dieser Summe investierten allein die fünf Topclubs der Vorsaison: Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Bayern München, Hertha BSC Berlin und FC Schalke 04.

Strukturproblem der Liga

»Nur nach dem Bundesligaskandal war die Situation ähnlich schwierig wie jetzt«, meinte Dortmunds Manager Michael Meier. Gerd Niebaum ergänzte im Wirtschaftsmagazin 'Focus-Money': »Der Zusammenbruch von Kirch ist jetzt auch ein Strukturproblem der Liga.« Der BVB-Präsident bestätigte Verhandlungen mit den Profis über Prämienkürzungen, die andere Clubs wie der VfB Stuttgart oder Energie Cottbus schon zur Maxime erhoben haben.

Liga noch nicht überm Berg

Heribert Bruchhagen, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), sieht die Liga trotz des vielerorts eingeschlagenen Sparkurses noch nicht über den Berg. »Aus der Krise konnten wir uns noch nicht ganz befreien. Uns stehen zwei schwierige Jahre bevor, in denen wir uns auf Extremsituationen einstellen müssen«, sagte Bruchhagen, der sich zudem um die derzeit 108 arbeitslosen Fußball-Profis sorgt.

Rummenigge sieht's anders

Der Vorstandschef des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, mag sich den düsteren Prognosen nicht anschließen: »Ich sehe den Fußball in Deutschland vor rosigen Zeiten. Bis 2006 werden wir die beste Stadionstruktur der Welt haben. Die Zuschauer kommen in Strömen und die Sponsoren werden bestens bedient.« Dagegen spricht, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander klafft, und mit dem VfL Bochum und Werder Bremen zwei Clubs noch immer keinen Trikotsponsor präsentieren können.

Tipp: Bayern werden wieder Meister

So unterschiedlich die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage ist, so einig sind sich die Experten über die ungebrochene Anziehungskraft des Premium-Produkts Bundesliga und den sportlichen Ausgang der Spielzeit 2002/2003. Sollten die Trainer Recht behalten, wird Rekordmeister Bayern München am 24. Mai 2003 zum 18. Mal die Meisterschale entgegen nehmen. In einer dpa-Umfrage sprachen sich alle 14 Fußball-Lehrer, die einen Tipp abgaben, für die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld als hohen Favoriten aus. »Die Bayern können sich nur selber schlagen«, sagte Bayer-Coach Klaus Toppmöller, der mit Michael Ballack und dem Brasilianer Ze Roberto gleich zwei Leistungsträger an den Konkurrenten verlor.

Profis unter Erfolgszwang

Auch die Bayern-Bosse selbst setzen ihre Profis unter Erfolgszwang. Manager Uli Hoeneß erwartet angesichts des »besten Kaders aller Zeiten« (Rummenigge) nichts anderes als die Meisterschaft. »Es gibt keine Ausreden mehr.« Und auch Franz Beckenbauer meint: »Es ist legitim zu sagen, dass wir mit diesen optimalen Neuverpflichtungen zum Titel verpflichtet sind.« Kanzler Schröder wünscht sich ein bis zum Schluss spannendes Finale wie in den Vorjahren, drückt aber erneut dem BVB die Daumen. »Da bekannt ist, dass mein Herz für Borussia Dortmund schlägt, sage ich auch klar, dass ich mich über eine Titelverteidigung der Sammer-Elf natürlich sehr freuen würde.«

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