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Bundesliga: VfB Stuttgart nach Rüssmann Rauswurf

Nach der Trennung von Sportdirektor Rolf Rüssmann, steuert der Erstligist VfB Stuttgart in eine ungewisse Zukunft. Rüssmann sei nicht mehr teamfähig gewesen, so der Vorstand.

Nur noch zwei Vorstandsmitglieder, kein Manager mehr, finanzielle Nöte und ein halbes Dutzend auslaufender Spielerverträge: Der VfB Stuttgart steht ungeachtet der erfolgreichen Hinrunde in der Fußball-Bundesliga vor einer ungewissen Zukunft. «Rolf Rüssmann ist nicht mehr teamfähig gewesen», begründete Präsident Manfred Haas am Freitag die Entlassung des Sportdirektors. Einen Nachfolger konnten er und der Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Hundt bei einer Pressekonferenz in Uhingen nicht präsentieren. Das Kontrollgremium habe diese Frage noch nicht erörtert.

Probleme nicht gelöst


In der spartanischen Lehrwerkstatt von Hundts Unternehmen versuchten Haas und Hundt, den Rauswurf Rüssmanns zu rechtfertigen. Der VfB-Präsident räumte ein, dass diese Entscheidung «für Außenstehende unverständlich erscheint». Der Sportdirektor sei regelmäßig mit Problemen in die Öffentlichkeit gegangen, habe diese aber nicht gelöst. «Viele Themen standen an, lagen auf einem Schreibtisch und kamen dort nicht herunter», kritisierte Haas.

Als Beispiele nannte der VfB-Chef die geforderte Liquiditätshilfe der Stadt Stuttgart («Das habe ich dann als Feuerwehrmann gelöst»), den Marketing-Bereich («Er wollte ihn übernehmen, seither herrschte Stillstand»), die Verhandlungen mit dem Hauptsponsor Debitel und über Gehalts-und Prämienverzicht sowie der «Rentenvertrag» mit Spielmacher Krassimir Balakow. Eine «ganzheitliche, finanzierbare Sportstrategie» von Rüssmann gebe es bis heute nicht. Der geschasste 52-Jährige hatte behauptet, ein Konzept vorgelegt zu haben.

Rüssmanns Aufgaben übernehmen vorläufig dessen Assistent Jochen Schneider, Trainer Felix Magath und Finanz-Vorstand Ulrich Ruf. Nachdem in Rüssmann ein hauptamtliches Vorstandsmitglied ging, besteht das Präsidium nur noch aus Haas und Ruf, da zuvor schon Marketing-Fachmann Peter Godenrath seinen Hut hatte nehmen müssen.

Riesen Deckungslücke


Die Verantwortlichen stehen nun unter Zeitdruck. Bis zum 15. März müssen sie bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Lizenzierungsunterlagen einreichen. «Allerspätestens Mitte, Ende Januar muss alles stehen», weiß Haas. Nach seinen Angaben hat der VfB in dieser und der nächsten Saison eine Deckungslücke von 20,6 Millionen Euro, die jedoch weitgehend refinanziert seien. Auf Grund der Kirch-Krise fehlen dem Club in der laufenden Runde 5,3 Millionen Euro, in der kommenden 7,3. Dazu kommt der insgesamt 8 Millionen teure Einkauf des portugiesischen Abwehrspielers Fernando Meira. Zudem plagen die Schwaben Verbindlichkeiten von 16,6 Millionen Euro.

Im Gegensatz dazu ist für die kommende Saison nicht ein einziger Euro aus Transfereinnahmen eingeplant. Die Verträge von Kapitän Zvonimir Soldo, Silvio Meißner, Viorel Ganea, Bradley Carnell, Jochen Seitz (zu Schalke 04) und Sean Dundee laufen im Sommer aus. Für diese Profis gibt es keine Ablösesummen. «Da haben wir eine etwas unglückliche Situation», räumte Haas ein. Die anderen Spieler sollen - ebenso wie Soldo - weitgehend gehalten werden. «Ich habe keinen Einblick in die vertragliche Situation und muss mich in meinem Urlaub erst einmal einlesen», meinte der zusätzlich belastete Felix Magath.

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