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HSV taumelt Abstieg entgegen Todeszuckungen mit Hoffnung auf Happy End


Der HSV steht kurz vor dem Super-Gau: Nach der Niederlage gegen Stuttgart können die Hamburger den Klassenerhalt nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Doch der Dino atmet noch - ein bisschen.
Ein Kommentar von Tim Schulze

Nach der bitteren Niederlage gegen Stuttgart geht jetzt das große Rechnen los. Drei Punkte im letzten Spiel gegen Schalke? Wie sieht es dann aus in der Tabelle? Wie müssen die Konkurrenten im dramatischen Abstiegskampf spielen, damit der HSV sich nach einer langen, desaströsen Saison noch an ihnen vorbeischummelt auf den rettenden 15. Platz. Oder zumindest auf den Relegationsplatz? Doch egal, wie intensiv die HSV-Fans jetzt alle möglichen Ergebnisse durchrechnen, eine bittere Erkenntnis bleibt schon jetzt: Die Hamburger können den Abstieg nicht mehr aus eigener Kraft schaffen.

Das Horrorszenario ist, genau wie in der vergangenen Saison, wieder bedrohlich nah: Der einzige Club der Bundesliga, der seit der ersten Spielzeit 1963/64 dabei ist, könnte tatsächlich nach der Sommerpause zu Auswärtsspielen nach Sandhausen und Heidenheim reisen.

Tristesse statt Befreiungsschlag

Dabei hatte der HSV zuletzt in drei Spielen sieben Punkte geholt. Es gab Siege gegen Augsburg und Mainz und ein Unentschieden gegen Freiburg. Nach Stuttgart waren die Hanseaten mit der Hoffnung gereist, hier endgültig den großen Befreiungsschlag zu landen. Mit einem Sieg gegen den direkten Konkurrenten wären die Hamburger durch gewesen. Das Team von Bruno Labbadia ging sogar früh in Führung, aber selbst das reichte nicht. Stattdessen: zwei Gegentore vor der Halbzeitpause, ein blutleerer Auftritt ohne Torschuss in der zweiten Halbzeit.

Vielleicht haben sich die Hanseaten schon wieder zu sicher gefühlt. Es ist unter den Anhängern des Clubs ein gängiger Witz, nach einem Sieg sofort vom internationalen Geschäft zu reden, um dann bitterböse darüber zu lachen. Damit wird natürlich eine Eigenart bei manch einer Führungspersönlichkeit oder auch im Umfeld des Vereins aufs Korn genommen, immer schon vom zweiten oder dritten Schritt zu schwadronieren, bevor der erste überhaupt getan ist.

Ein Beispiel dafür aus jüngster Vergangenheit: Laut HSV-Bossen war Wunschtrainer Thomas Tuchel quasi schon verpflichtet. Zu diesem Zeit standen die Hamburger auf dem Relegationsplatz und der neue Interimstrainer hieß Peter Knäbel, eigentlich Manager des Clubs und zuvor noch nie als Trainer tätig gewesen. Doch alles drehte sich um Tuchel und die nächste Saison. Das war fahrlässig.

Labbadia hatte HSV schon aufgerichtet

Das ist nur ein Beispiel für die zahllosen Fehler, die der Club in der Vergangenheit begangen hat. Sie alle erneut aufzuzählen, macht kaum Sinn. Allein die Tatsache, dass mit Bruno Labbadia der vierte Trainer in dieser Saison beim HSV auf der Bank sitzt, spricht für sich. Es sind Fehler, die in der Summe den historischen Abstieg bedeuten könnten. Labbadia hatte den HSV zwischenzeiltlich wieder aufgerichtet. Jetzt hat der Coach, der wohl auch mit in die 2. Liga gehen würde, eine Woche Zeit, die Mannschaft auf das Spiel gegen Schalke vorzubereiten. Doch selbst ein Sieg vor eigenem Publikum könnte diesmal zu spät kommen.

Sollten die Hamburger doch noch in ihre 53. Bundesliga-Saison gehen, ist den Fans nur zu wünschen, dass ihr Verein in Zukunft weniger mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam macht, sondern ausnahmweise mal mit sportlichen Erfolgen. Das wär' mal was erfrischend Neues!


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