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Bayern-Sieg gegen Dortmund Ausgerechnet Götze!


Der ehemalige Dortmunder Mario Götze brachte im Spitzenspiel Bayern München auf die Siegerstraße. Doch noch zwei weitere Akteure spielten für den Bayern-Sieg eine entscheidende Rolle.
Von Thomas Krause

Wie nachhaltig echte Liebe in enttäuschte Liebe umschlagen kann, machten die Dortmunder Fans Mario Götze schon vor dem Anpfiff klar. "Fick Dich, Götze!" stand in roten Buchstaben auf einem Banner, mit dem der von Borussia Dortmund zu den Bayern gewechselte Götze an alter Wirkungsstätte empfangen wurde. Was ihn erwarten würde, hatte Götze schon Tage vor der Partie geahnt: "Das wird einer der schwersten Momente meiner Karriere", sagte er.

Doch Bayern-Trainer Pep Guardiola schonte ihn noch ein wenig und setzte ihn zunächst auf die Bank. Von dort aus sah Götze, wie die Bayern zunächst überlegen waren, der BVB aber die beste Torchance hatte. Erst nach zwanzig Minuten hatten die Dortmunder in die Partie gefunden, die Bayern agierten daraufhin etwas zaghafter. Gefährliche Angriffe der Bayern waren in den ersten 45. Minuten Mangelware. Aber auch der BVB zeigte ungewöhnlich viele Ballverluste in der Vorwärtsbewegung. So ging es torlos in die Pause.

Guardiolas Geniestreich

Nach Wiederanpfiff machte Götze sich dann warm. Doch statt einen Spießrutenlauf vor der mit 25.000 Dortmunder Fans besetzten Südtribüne zu absolvieren, machten er seine Übungen im Kabinengang des Signal-Iduna-Parks. In Minute 55 war es dann soweit: Pep Guardiola nahm mit Mario Mandzukic den einzigen Bayern-Stürmer vom Platz und wechselte Mario Götze ein, der vom Dortmunder Anhang mit einem gellenden Pfeifkonzert begrüßt wurde. Doch Guardiola wechselte nicht nur einen Spieler, sondern auch das System: Götze agierte als falsche Neun.

Die Systemumstellung von Pep Guardiola sollte sich als Geniestreich erweisen. Nur zehn Minuten dauerte es, da zog Götze von der Strafraumgrenze aus ab. Er traf nicht nur neben dem linken Pfosten ins Tor, sondern auch ins Herz der Dortmunder Fans, die geschockt verstummten. Doch so recht mochte Götze seinen Führungstreffer zum 1:0 nicht bejubeln. Fast schon entschuldigend hob er die Hände, bis seine Mannschaftskameraden ihn in einer Jubel-Traube verschwinden ließen.

Erster Gratulant bei Götze war Arjen Robben, der auf der linken Seite fast alle Angriffe der Bayern initiiert hatte. In der 85. Minute belohnte sich Robben dann für seine Leistung: Thiago passte in Robbens Lauf, der Niederländer enteilte der Dortmunder Hintermannschaft und überwand BVB-Torwart Roman Weidenfeller mit einem Heber aus spitzem Winkel. Die Entscheidung.

Spiel auf Augenhöhe mit klarem Sieger

Zwei Minuten später erhöhte Thomas Müller nach Vorlage von Philipp Lahm sogar auf 3:0 für die Bayern. Ein Ergebnis, dass nach Einschätzung von Robben fast zu hoch ausfiel angesichts des Spielverlaufs: "Wir müssen auch nicht übertreiben. Es schaut aus wie ein klarer Sieg, aber es war ein Spiel auf Augenhöhe." Über die Höhe des Ergebnisses wollte sich BVB-trainer Jürgen Klopp nach Abpfiff keine Gedanken machen: "Die Höhe ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Ich glaube, dass wir bis zum 1:0 die größeren Chancen hatten." Chancen, die der BVB aber teils großzügig vergab. "Wir erzielen im Moment nicht die entscheidenden Tore, weil wir nicht zielstrebig sind. Wir müssen den Ball auch mal mit der Pike reinmachen. Bitter ist, dass wir über 80 Minuten ein sehr gutes Spiel gemacht haben und nicht belohnt worden sind", klagte BVB-Keeper Roman Weidenfeller.

Dortmund hat an diesem 13. Spieltag mehr als nur den zweiten Tabellenplatz an Bayer Leverkusen verloren. Die sieben Punkte Rückstand auf die Bayern dürften auch den Abschied von den Meisterschaftsambitionen bedeuten. Und am Dienstag kommt es in der Champions League zum entscheidenden Spiel gegen den SSC Neapel. Sollten die Dortmunder auch dieses Spiel verlieren, wäre die Saison 2013/14 schon vor dem Ende der Bundesliga-Hinrunde für den BVB gelaufen.

Aber auch bei den Bayern war nicht alles eitel Sonnenschein. "Die erste Halbzeit, die ersten 30 Minuten - nein", sagte Pep Guardiola nach Abpfiff auf die Frage, ob er mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden sein. Trotz dieser Kritik waren die Bayern in jeder Beziehung überlegen. Die Meisterschale dürfte ein weiteres Jahr in München bleiben. Und auch in der Champions League dürften die Bayern es wieder sehr weit bringen.

Götze schweigt

Der Mann dieses Abends wollte sich nach dem Spiel allerdings nicht äußern. Was hätte Mario Götze auch sagen sollen? Die Bayern mit seinem Tor auf die Siegerstraße gebracht zu haben, dürfte einen der schwersten Momente seiner Karriere kaum einfacher gemacht haben.

mit DPA

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