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Bundesliga

Bundesliga im stern-Check FC Bayern kommt das Mia-san-mia abhanden – ausgerechnet zum Haaland-Comeback

Erling Haaland zeigt bei Torjubel mit dem Finger auf ein imaginäres Ziel
Hat die Bayern im Visier: BVB-Topstürmer Erling Haaland ist zurück – rechtzeitig vor dem "Classico" am kommenden Samstag.
© Martin Rose / Getty Images
Geisterspiel in Leipzig, volle Hütte in Köln – Corona schüttelt die Bundesliga wieder durch. Der FC Bayern hat andere Sorgen, er steckt in Selbstzweifeln. Ausgerechnet vor dem "Classico" gegen den BVB, der just jetzt wieder auf Haaland bauen kann.

So lief der Spieltag

Alle Ergebnisse des 13. Spieltags, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger der Spieltags 

Ist das schon eine Identitätskrise? Dem FC Bayern ist jedenfalls das Mia-san-mia irgendwie abhanden gekommen. Nichts, was auf den neun Plätzen geschah, wirkte so nachhaltig nach wie die Farce einer Jahreshauptversammlung, die schon seit vergangenem Donnerstag den FC Bayern durchrüttelt. Die Versammlung, der Streit um das Qatar-Airways-Sponsoring, die Impf-Unruhen – das alles ist an dem Club und auch der Mannschaft alles andere als spurlos vorüber gegangen. Der Rekordmeister ist auf Selbstfindung, ist an einem Punkt, an dem er sich entscheiden muss, ob er unpersönlicher Big-City-Club sein will oder ein volksnaher Verein, wie er in die "Weltstadt mit Herz" durchaus passt.

Doch geht das so künftig noch, wenn man im Konzert der ganz Großen auf Dauer mitspielen will? Und wenn nicht: Ziehen die Mitglieder, die Fans da mit? Schon bald wolle man ein neues Leitbild der Öffentlichkeit vorstellen, ließ Vorstandschef Oliver Kahn am Sonntag wissen, immer noch erschüttert von der Versammlung. An diesem Leitbild hätten die Mitglieder schon mitgewirkt, so der ehemalige Weltklasse-Torhüter. Überhaupt: Er wolle mehr Dialog, beteuert Kahn. Er will aber auch die Erfolge, das ist Bayern-DNA. "Für die Außenwirkung war das auf jeden Fall nicht gut. Da muss man kein Experte sein", ließ Thomas Müller vor den Sky-Kameras nach dem Mühsam-Sieg gegen Bielefeld durchblicken, dass auch die Stars beschäftigt, für welchen Club sie künftig wohl spielen werden. Das alles auch noch vor dem "Classico" am kommenden Samstag. Ein Hauch von Spannung liegt in der Luft.

Gewinner des Spieltags

Denn bei soviel bayerischen Selbstzweifeln dürfen die Dortmunder wirklich hoffen, endlich mal wieder ein echter Konkurrent zu sein. Für ein paar Stunden haben sie nach ihrem 3:1 in Wolfsburg schon daran schnuppern dürfen, wie es sich anfühlt, wenn man an den Bayern vorbeizieht und ganz oben steht. Nächste Woche soll es dann soweit sein. Träumen kostet schließlich nichts und ist erlaubt. Und der, der rund um den Borsigplatz die Träume lebendig hält, ist Erling Haaland. Die norwegische Tormaschine ist just zum "Classico" nach langer Verletzung endlich wieder da. Nicht mal zehn Minuten brauchte der 21-Jährige, um seinen nächsten Treffer zu markieren – den 50. im 50. Bundesligaspiel. Das hat noch keiner geschafft. Haaland ist also zurück und er trifft sofort. "Erling gibt dir Energie. Erling wollte sogar noch länger spielen. Dann kommt er rein und schießt sofort ein Tor. Das ist der Unterschied, den er macht. Wir sind froh, dass er wieder da ist", so BVB-Coach Marco Rose. Mit anderen Worten: Ohne Haaland ist der BVB nur die Hälfte wert, aber mit ihm ist er jetzt eben wieder voll da. Also dann: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Verlierer des Spieltags

Kann ein einziger Fehlpass eine Karriere kippen lassen? Vielleicht nicht, aber um Florian Neuhaus darf man sich dennoch allmählich Sorgen machen. Sein fulminanter Fehlpass auf den Kölner Mark Uth leitete nicht nur die herbste Derby-Klatsche der Fohlen gegen die Geißböcke seit 1996 ein (damals 0:4), er brachte damit auch erstmals die Gladbach-Fans auf breiter Front gegen sich auf – wie in den sozialen Medien abzulesen war. Es kommt halt nicht gut, sich über angeblich mangelnde Rückendeckung des Vereins zu beklagen, um dann nach einem angeblich guten und klärenden Gespräch so einen Bock zu bauen. Schon seit Monaten steckt Neuhaus im Tief und seine bisher so fulminante Karriere stockt. Lange ging es nur bergauf, die Bayern klopften an, Liverpool angeblich auch, erste Tore in der Nationalelf, doch inzwischen muss der 24-Jährige froh sein, wenn er bei gleichermaßen seit einiger Zeit lahmenden Fohlen Spielzeit bekommt. Neuhaus wäre nicht das erste hoch veranlagte Talent, dessen Karriere scheitert. Sky-Experte Didi Hamann riet schon zum Vereinswechsel. In Gladbach dürfte man eher hoffen, dass Neuhaus im Fohlentrikot die Kurve kriegt.

Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen

Als Bochums Milos Pantovic vor ein paar Wochen gegen Hoffenheim ein Tor aus nicht weniger als 62 Metern erzielte, da war allen klar, dass der Serbe noch seinen Enkelkindern von diesem Treffer erzählen würde. Seit der 82. Minute im Spiel des VfL gegen den SC Freiburg hat die Geschichte für die Kleinen ein weiteres Kapitel. Denn da rutschte der Freiburger Verteidiger Lienhardt nach einem langen Schlag aus, Pantovic schnappte sich das Leder und überwand den weit vor dem Tor stehenden Freiburger Keeper Flekken mit einer Bogenlampe – aus gut 40 Metern! Ein sensationeller Siegtreffer. Später fragten Witzbolde, ob SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wohl bald vor "Long Pantovic" warnen werde. Humor in Pandemie-Zeiten.

Der Tag des offenen Tors

Was für ein wundervolles Torspektakel im Fürther Ronhof. Neun Tore, das gibt es nicht alle Tage; und schon gar nicht in dieser Aufteilung. Mit dem 6:3 zugunsten der TSG Hoffenheim bei der SpVgg Fürth trugen sich beide Clubs in die Liste der 50 torreichsten Partien der Bundesliga-Geschichte ein. Neun Begegnungen mit neun Toren weisen die Statistiken aus, es war erst das dritte 6:3. Das Kunststück gelang dem VfB Stuttgart 2008 gegen Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach 2010 bei Bayer Leverkusen. Die Fürther haben an all' dem allerdings wenig Freude. Dass selbst drei Tore nicht reichen, um einen ersten Saisonsieg einzufahren, das ließ die Franken mehr als nur frustriert zurück. Zu Recht.

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"Abstand halten", mahnt die Anzeige im Leipziger Stadion. Dabei war niemand da, der Abstand hätte halten können. Das Heimspiel von RB gegen Leverkusen war das erste Geisterspiel in dieser Corona-Welle, während ...
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Volle Tribüne in Köln
... man tags zuvor in Köln-Müngersdorf in voller Hütte den fulminanten Derbysieg gegen Gladbach feiern durfte. Dort galt Maskenpflicht auch auf den Tribünen. Wirklich durchsetzen ließ sich das offensichtlich nicht.
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