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Bundesliga-Check: 1. FC Kaiserslautern Kurz und Kuntz im Klassenkampf


Authentisch, bescheiden, sparsam - so haben es Trainer Marco Kurz und Manager Stefan Kuntz in der letzten Saison geschafft, den chronisch klammen 1. FC Kaiserslautern bis auf Rang sieben der Tabelle zu hieven. Zeiten ändern sich. Jetzt droht der Abstieg.

Eine echte Räuberpistole aus dem Pfälzer Wald: Ein Torwart und seine beiden Mitspieler feiern, trinken, crashen mit dem BMW-M3-Nobelwagen und werden von der Polizei im Bordell gestellt. Fahrerflucht, kein Kavaliersdelikt. Genau das erlaubte sich während der Vorbereitung der zum Ersatzkeeper degradierte Tobias Sippel mit den Kollegen Ivo Ilicevic und Thanos Petsos. Das Erstaunliche daran: Selbst diese Episode brachte die Verantwortlichen beim 1. FC Kaiserslautern nicht aus der Ruhe, der Vorfall störte die Lauterer Vorbereitung kaum. Und das ist auch gut so, schließlich wartet auf die Pfälzer wieder einmal eine verdammt haarige Saison.

Was ist neu?

Nach den Abgängen der Angreifer Srdjan Lakic (VfL Wolfsburg), Erwin Hoffer (Eintracht Frankfurt) und Jan Moravek (Schalke 04) kamen mit dem Israeli Itay Shechter aus Tel Aviv, dem deutschen U21-Internationalen Richard Sukuta-Pasu (Bayer 04 Leverkusen) sowie dem Kameruner Dorge Rostand Kouemaha (FC Brügge) gleich drei Neue für die Spitze. Diese gilt es nun zu integrieren, wobei sich Shechter zu einem neuen Leistungsträger entwickeln könnte, zumindest hat er bei Kurz schon jetzt ein gutes Standing. Bei Talent Sukuta-Pasu und dem kantigen Kouemaha wird man allerdings abwarten müssen, wie sie sich entwickeln.

Für das zentrale Mittelfeld wurde mit Gil Vermouth ein zweiter Israeli verpflichtet. Dem 26-Jährigen werden große technische Fähigkeiten assistiert, er soll das Spiel der "Roten Teufel" in Zukunft lenken. Allerdings ist Vermouth noch nicht ganz fit, er musste sich vor knapp zwei Monaten an der Leiste operieren lassen. Zur Überraschung könnte der Deutsche-Türke Olcay Sahan vom MSV Duisburg werden.

Was ist gut?

Aus Marco Kurz ist mittlerweile ein hervorragender Übungsleiter geworden, der es versteht in Sachen Technik, Taktik und Motivation das Beste aus seinen Spielern herauszuholen. Kurz vertraut während des Spiels auf größte Flexibilität und lässt abwechselnd und je nach Spielsituation ein 4-1-4-1- oder 4-4-2-System spielen. Anders ausgedrückt: Eine sattelfeste Abwehr mit dem großen Torwart-Talent Kevin Trapp, davor ein laufstarkes Mittelfeld mit Christian Tiffert als Anführer – so soll es auch dieses Mal wieder funktionieren.

Nicht mehr ganz so neu aber dennoch enorm wichtig ist die sachliche Arbeitsweise, die mittlerweile rund um das Fritz-Walter-Stadion Einzug gehalten hat. Wo früher Präsidenten wie Jürgen "Atze" Friedrich oder René C. Jäggi doch eher salopp mit den Scheinen umgesprungen sind, legt das neue Management mit Alt-Nationalspieler Kuntz an der Spitze höchsten Wert auf Solidität. Noch immer haben die Lauterer mit etwa zwölf bis 15 Millionen Euro einen Mini-Etat, mit dem Kuntz und Co. aber effizient umzuspringen wissen. Das kommt gut an bei den Fans und stärkt auf bemerkenswerte Art und Weise die Identität des kleinen Kult-Vereins.

Was ist schlecht ?

Bis auf Sukuta-Pasu sind alle Neuzugänge ohne Bundesliga-Erfahrung. Der Abgang von Torjäger Lakic trifft den FCK zudem hart. Im Sturmzentrum fehlt jetzt der Abnehmer für lange Bälle. Auch das spielerische Potenzial der Lauterer ist begrenzt. Kampf und Leidenschaft vom ersten bis zum letzten Spieltag sind angesagt. Vieles wird vom Start abhängen. Gelingt der nicht, könnte die Stimmung schnell kippen.

Was ist möglich?

Es wird wieder eine schwere Saison für den 1. FC Kaiserslautern. Allerdings besitzt die Mannschaft große Erfahrung im Abstiegskampf und wird auch in brenzligen Situationen nicht die Nerven verlieren. Am Ende steht die Rettung.

Von Jens Fischer

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