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Bundesliga im stern-Check Friedhelm Funkel und die Frage, was man nicht sagen darf

Friedhelm Funkel
Friedhelm Funkel, seit dieser Woche neuer Trainer des 1. FC Köln: 
© Martin Meissner / various sources / AFP
Was war los am Fußball-Wochenende? Nun: Hansi Flick ist ein Gewinner, Leipzig erzielt das Tor des Tages (nicht!) – und Friedhelm Funkel versteht die Welt nicht mehr. Man wird das alles ja wohl noch sagen dürfen: der stern-Check.

So lief der Spieltag

Alle Ergebnisse des 29. Spieltags, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger des Spieltages

Friedhelm Funkel ist 67 Jahre alt und seit 50 Jahren im Geschäft. Aber manchmal, ganz ab und zu, versteht er die Welt trotz aller Erfahrung nicht mehr. Zum Beispiel, warum sein "Sky"-Interview nach dem 0:3 mit dem 1. FC Köln bei Bayer Leverkusen für Rassismusvorwürfe in den sozialen Medien sorgte: "Sie haben eine enorme Schnelligkeit durch ihre, äh, ja, den ein oder anderen Ausdruck darf man ja nicht mehr sagen", stammelte Funkel im Anschluss an sein erstes Spiel als neuer FC-Trainer: "Durch ihre Spieler, die halt so schnell sind." Er habe sich einzig auf die enorme Schnelligkeit von Leverkusens Spielern bezogen, wurde Funkel hinterher in einer leider wenig konkreten Stellungnahme des Vereins zitiert: "Nichts anderes war gemeint, nichts anderes wollte ich damit sagen."

Da war der Shitstorm aber schon durchs virtuelle Land gefegt, worüber Funkel sich am Sonntagmorgen verwundert zeigte: "Ich bin total überrascht, dass ich da so angegriffen wurde", sagte Funkel bei WDR2. "Und das hat mich auch ein Stück weit traurig gemacht." Es tue ihm leid, wenn "der ein oder andere, der mich nicht kennt, das missverstanden hat". Er habe mit so vielen Spielern aus afrikanischen Ländern zusammengearbeitet und nie ein Problem mit denen gehabt – im Gegenteil: "Die haben mich alle Papa genannt. Und das spricht doch für sich." Funkel ging nicht näher darauf ein, welchen Begriff er denn da nun eigentlich genau vermieden habe: "Ich weiß selbst nicht mehr, was ich genau sagen wollte. Aber ich kann nicht verstehen, dass ich dadurch einen Menschen verletzte, wirklich nicht. Ich habe noch nie in meinem Leben einen Menschen verletzt. Weder verbal, noch indem ich ihn attackiert habe. Und das werde ich auch niemals machen. Dafür habe ich zu viel Respekt vor allen Menschen auf der Welt."

Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen

Es war ein Tor, das nicht zählte, aber es dient als Musterbeispiel für frische Diskussionen über den Videobeweis: Der dänische Nationalspieler Yussuf Poulsen hatte sich selbst an die Hand geköpft, von da war der Ball ins Tor gegangen. Schiedsrichter Manuel Gräfe musste den Treffer zurücknehmen. "Das war die negative Seite des Videobeweises", sagte RB-Trainer Julian Nagelsmann. "Man wird von maximaler Emotion heruntergeschraubt auf minimale innerhalb von wenigen Minuten." Da hatte sogar der Gegner kurz etwas Mitleid. "Laut der Regel muss er das Tor abpfeifen, aber als Fußball-Fan bin ich nicht immer ein Freund davon", bemerkte Hoffenheims Christoph Baumgartner.

Fest steht: Der Rückstand auf Tabellenführer Bayern München beträgt für die Sachsen nun sieben Punkte. Willi Orban will deshalb aber noch lange nicht aufgeben: "Wir wollen so lange Gas geben, wie es theoretisch möglich ist." Und Unglückstorschütze Yussuf Poulsen sagt: "Wir glauben an die Meisterschaft, das müssen wir bis zum Schluss." Klingt ein bisschen nach Durchhalteparolen. Aber wer will es den Leipzigern nach der Enttäuschung in der Nachspielzeit verdenken?

Gewinner des Spieltages

In München mag das letzte Wort in der Trainerfrage noch nicht gesprochen sein. Aber wie Hansi Flick in eigener Personalie nach dem Sieg der Bayern in Wolfsburg nach vorne preschte, erzeugte maximalen Effekt: Er wolle den Rekordmeister zum Ende der Saison verlassen, ließ der 56-Jährige wissen, und fast schien es, als wolle er alle Ketten, die so eine Anstellung als Coach beim FCB so mit sich bringt, mit diesen Worten sprengen. Denn seine Vorgesetzten zeigten sich tags darauf doch einigermaßen überrumpelt: Der FC Bayern missbillige die nun erfolgte einseitige Kommunikation durch Hansi Flick und werde die Gespräche wie vereinbart nach dem Spiel in Mainz fortsetzen, hieß es da es in einer offiziellen Stellungnahme des Vorstands auf der Webseite des Rekordmeisters.

Solange die Bosse nicht plötzlich beschließen sollten, Sportvorstand Hasan Salihamidzic zu beurlauben, dürfte es an der grundsätzlichen Entscheidung von Flick aber nichts ändern, zu tief sind die Gräben zwischen Coach und "Brazzo". Aber wie Flick in der zähen Debatte am Wochenende kurzzeitig die Deutungshoheit übernommen – oder es zumindest versucht – hat, macht ihn zu unserem "Gewinner" des Spieltags, auch wenn er diese Ehre dafür sicher nicht beanspruchen möchte. Die letzten Worte sollen an dieser Stelle deshalb Freiburgs Trainer Christian Streich gehören, der die Ära Flick kurz vor ihrem absehbaren Ende wie folgt bilanziert: "Beeindruckend, was er geschafft hat. Hansi hat nicht so wenige Leute überrascht, die es ihm nicht zugetraut hätten." Am Samstag überraschte er aber vor allem seine Vorgesetzten ...

Verlierer des Spieltages

Hinterher waren die Beteiligten beinahe reflexartig bemüht, keinen Zusammenhang zur Entwicklung unter der Woche herzustellen, als der Wechsel von Frankfurts Trainer Adi Hütter nach Mönchengladbach zur neuen Saison publik geworden war – dummerweise nur Tage vor dem Spiel der Eintracht bei Hütters künftigem Arbeitgeber, das prompt 0:4 verloren ging.

Bundesliga im stern-Check: Friedhelm Funkel und die Frage, was man nicht sagen darf

Von einem "Rose-Effekt" (Gladbachs Trainer Marco Rose verlor zuletzt sieben Pflichtspiele in Folge, nachdem sein Wechsel zum BVB zur Saison 2021/22 verkündet worden war) wollte Hütter trotzdem nichts wissen: "Das ist mir zu billig!" Wenn man jetzt schon nicht mehr in Gladbach verlieren dürfe, "dann verstehe ich die Welt nicht mehr", so der 51-Jährige. Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic sah die Sache ähnlich und wollte "keine Szenarien an die Wand malen", die es nicht gebe: "Das ist wieder das Oberflächliche an diesem Geschäft, jetzt können sich alle zwei Tage den Mund zerreißen." Zwei Tage? Dann trifft Hütters Mannschaft daheim auf Augsburg. Aber eins ist klar, das weiß auch Fredi Bobic, intimer Kenner des oberflächlichen Geschäfts, ganz genau: Wenn auch das Spiel nicht gewonnen wird, werden die Zweifler an der vermeintlichen "lame duck" Hütter sich den Mund noch ein bisschen länger zerreißen. Und vermutlich auch lauter.

Bild des Spieltages

Daniel Kofi Kyereh
© Oliver Hardt/Getty Images

Kleiner Seitenblick in Liga 2: Dort steht der FC St. Pauli zur Stunde geradezu Kopf, gelang mit dem 4:0 gegen die Würzburger Kickers doch der vierte Sieg in Folge, was Daniel Kofi Kyereh, Torschütze zum Endstand, vor lauter Freude zu waghalsigen Luftsprüngen animierte. Die Mannschaft vom Millerntor liegt nun nur noch sechs Zähler hinter dem Hamburger SV, was auf dem Kiez prinzipiell als harte Währung gilt. In der aufgrund von Spielverlegungen ziemlich schiefen Tabelle der 2. Bundesliga liegen die Paulianer nun erst einmal auf Rang 7 und können mit einem Sieg bei der Fortuna am Mittwoch den direkten Tabellennachbarn aus Düsseldorf überholen.

tim

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